Elf Portraits und ein alter Stall

Meldorf Reinhard Geschke Dienstag, 10. Mai 2022




MELDORF Es gibt Ausstellungen, die mit drastischen, manchmal dramatischen Bildern eine Botschaft vermitteln. Nicht so bei der im Meldorfer Dom. Sie setzt auf tiefgründige Fotos.

Die Ausstellung „Ich lebe – Wie Kinder Kriege überstehen“ vermittelt eine nicht weniger wichtige Botschaft, aber mit ästhetischen und dennoch eindringlichen und beeindruckenden Fotos. Es sind die Blicke der Menschen, ihre Ausdruckskraft, ihre Haltung, aber auch die Umstände, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Gezeigt werden die Bilder von zehn Menschen, die in den vergangenen zehn Dekaden jeweils Kind während eines Krieges irgendwo auf der Welt waren, und ein Baby.

Dass der Meldorfer Dom als Veranstaltungsort eine ausgezeichnete Adresse ist, hebt Propst Dr. Andreas Crystall hervor. Jede Kirche sei ein Abbild des Stalles von Bethlehem, in dem das Jesus-Baby geboren worden sei, so der Propst. Insofern gebe es keinen besseren Ort als „diesen alten Stall“. Der Meldorfer Dom ist nach dem Auswärtigen Amt in Berlin und vor den Vereinten Nationen in Genf die zweite Station der Wanderausstellung.

Diese Besonderheit mag auch ein Aspekt gewesen sein, dass die Vernissage mit rund 150 Gästen gut besucht war. „Ich bin ganz gerührt, dass so viele gekommen sind und der Dom so voll ist“, sagt die Meldorferin Martina Dase, die als Kommunikationsdirektorin für die Hilfsorganisation Save the Children die Idee für das Buch und die Ausstellung hatte. Dass die Bilder nun im Dom zu sehen sind, ist den Initiatoren Anke Cornelius-Heide, Vorsitzende von Agenda 21, und Heiner Wedemeyer, Ökumenepastor in Dithmarschen, zu verdanken.

Das Buch „Ich lebe“ ist ein Jubiläumsprojekt zum 100. Geburtstag von Save the children. Dass Martina Dase mit diesem Projekt ein wichtiges Thema in den Mittelpunkt gestellt hat, zeigt der Erfolg. So wurde für das Buch bereits eine zweite Auflage gedruckt und auch die Reaktionen bestätigen, dass Martina Dase und der Schweizer Fotograf Dominic Nahr den richtigen Ton getroffen haben.

Kirsten Hansen aus Süderheistedt habe sich das Titelbild vom Faltblatt zur Ausstellung ausgeschnitten. „Das Bild von Amal hängt jetzt prominent an meinem Kühlschrank. Zur täglichen Erinnerung an Kraft, Würde und Hoffnung.“ Genau diese Eigenschaften seien es auch, die Martina Dase während ihrer Arbeit zum Buch erlebt habe. „Die Menschen sehen sich nicht als Opfer, sie haben überlebt, weil sie immer positiv gedacht haben“, so die Meldorferin. Genau das zeigen die Bilder von Dominic Nahr. Fernsehmoderatorin Claudia Kleinert, die die Einführung in die Ausstellung machte, formuliert es so: „Menschen, die stolz sind, lächeln, hoffnungsvoll schauen, die nachdenklich und ausgelassen sind. Weil sie leben.“

Und noch ein Aspekt hat Martina Dase bewegt. „Die zehn abgebildeten Menschen haben alle Hilfe von Save the children erhalten. Bei den meisten von ihnen hat sich diese Hilfeerfahrung tief eingeprägt, sodass sie heute selbst zu Helfenden geworden sind.“ Nach diesen Geschichten habe sie endlich gewusst, was Hilfe tatsächlich bewirken könne. Dass Hilfe heute wichtiger denn je ist, zeigen die Zahlen und Entwicklungen auf der Welt.

Und: Im Schatten des Ukraine-Krieges könnte diese Botschaft aktueller kaum sein. Wie Wetterexpertin Claudia Kleinert, die Botschafterin für Save the children ist, sagt, seien nach Angaben der Uno allein im vergangenen Jahr weltweit 85 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen – mehr Menschen als in der Bundesrepublik leben. Mehr als 450 Millionen Kinder würden aktuell in Gegenden aufwachsen, in denen Krieg herrsche oder bewaffnete Konflikte ausgetragen würden. Und da seien die Kinder aus der Ukraine noch nicht erfasst, so Kleinert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai zu sehen. Der Dom ist geöffnet von Montag bis Freitag von 8 bis 12 und 14 bis 16.30 Uhr sowie Sonnabend von 10 bis 12 und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am letzten Tag der Ausstellung wird Martina Dase noch eine besondere Führung leiten.