Seit 50 Jahren in der SPD

Nordhastedt Andrea Hanssen Dienstag, 7. Dezember 2021



Zusammengerechnet gehören sie mehr als ein ganzes Jahrhundert der ältesten Partei in der Bundesrepublik an: Vor mehr als 50 Jahren traten Kurt Karstens und Alwin Petersen in die SPD ein und halten ihr Mitgliedsbuch noch heute in Ehren.

„Als Bundesbürger sah ich es als meine Pflicht an, die drei Säulen der Gesellschaft mitzutragen“, beschreibt Karstens seine Motivation. „Das sind für mich Kirche, Gewerkschaft und Kommunalpolitik. Als gelernter Handwerker wusste ich immer, auf welcher Seite des Tisches ich sitze. Eine andere Partei als die SPD kam für mich nicht in Frage.“ Als Karstens und Petersen ihren Mitgliedsantrag unterschrieben, war Willy Brandt gerade Kanzler geworden. Dessen Geradlinigkeit und seine Ostpolitik bewogen Alwin Petersen zum Eintritt in die Partei. „Ich kam aus einer Arbeiterfamilie und war vom Elternhaus geprägt“, erzählt der 73-Jährige. Mit Willy Brandt habe es sogar mal einen Briefwechsel gegeben, und zwar einen, der Petersen noch in seinem politischen Denken bestätigte. „Ich wurde seinerzeit schon während meiner Ausbildung zum Fernmeldehandwerker Vater“, berichtet er. „Kindergeld erhielten wird damals nicht, weil ich noch Lehrling war. Darüber habe ich mich in einem Brief an Willy Brandt beschwert.“ Mit Erfolg. Denn es kam nicht nur eine Antwort aus dem Kanzleramt, sondern später sei diese Regelung tatsächlich geändert worden, so Petersen.

Die Kommunalpolitik in der Gemeinde Nordhastedt haben beiden Jubilare mitgeschrieben. Karstens wirkte 14 Jahre lang im Gemeinderat und saß viele Jahre dem Sozialausschuss vor. „Kurt Karstens hat Spuren im Dorf hinterlassen“, betont Ortsvereinsvorsitzender Karsten Wessels. „Er hat es verstanden, pragmatische Politik zu machen und sich den Respekt der politischen Gegner zu verdienen.“ Auch sein gewerkschaftliches Engagement in der damaligen ÖTV sowie als Personalratsvorsitzender der Zivilangestellten in der Standortverwaltung der Heider Kaserne habe dieselbe Handschrift getragen. In seiner Familie ist der heute 90-Jährige mit seiner politischen Einstellung oft auf Gegenwind gestoßen. „Ich stamme aus der Landwirtschaft, und bei unseren Familientreffen musste ich so manches Mal Kontra geben“, erinnert sich Karstens.

Mehr als drei Jahrzehnte engagierte sich Alwin Petersen im Nordhastedter Gemeinderat. Zehn Jahre fungierte er davon als erster stellvertretender Bürgermeister, war Mitglied des Amtsausschusses und über lange Zeit auch SPD-Fraktionsvorsitzender. „Alwin Petersen hat unsere Fraktion stark geprägt“, findet Karsten Wessels. „Sein klarer Standpunkt hat ihm nicht nur Freunde beschert, aber ihm ging es immer um das Wohl der Gemeinde.“

Die Entwicklung der SPD in der Zeit von Willy Brandt bis Olaf Scholz als heutiger designierter Kanzler haben Karstens und Petersen immer aus Überzeugung begleitet, auch wenn Alwin Petersen einräumt: „Als reine Arbeiterpartei war die Politik der SPD deutlich sozialer, aber die Umstände haben sich nun mal geändert.“ Unter der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt sei vieles, auch in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, bewirkt worden, was heute noch Bestand habe. Den mutigen, nicht immer populären Entscheidungen von Kanzler Gerhard Schröder zollen beide Jubilare ihren Respekt. Damals sei einiges an guter Sozialpolitik auf den Weg gebracht worden. Der SPD wollen sie auch unter der Kanzlerschaft von Olaf Scholz treu bleiben. „Er vertritt die Werte der Sozialdemokratie“, findet Kurt Karstens. „Ich denke, er wird ein guter Kanzler in schwierigen Zeiten sein.“