Mut tut gut

Heide Monika Schmudde Mittwoch, 11. Mai 2022



Das zweite Dithmarscher Frauenmahl unter dem Motto „Mut tut gut“ wurde hybrid im Gemeindehaus St.-Jürgen der Evangelischen Kirche gefeiert. Das Evangelische Frauenwerk Dithmarschen beging dieses Frauenmahl in Kooperation mit der Vhs Heide und der Gleichstellungsstelle der Stadt.

Seit 2011 gibt es das Format Frauenmahl in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Frauen gestalten die Kirche der Zukunft mit – visionär, selbstbewusst und außerhalb gewohnter Strukturen. Präses des Kirchenkreises Sonja Keck begrüßte alle Teilnehmenden als Schirmfrau des Frauenmahls, insbesondere auch die Mutmacherinnen aus Dithmarschen und darüber hinaus. Claudia Röttger, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, ließ anklingen, dass die bewährte reformatorische Tradition von Frauen, die zu Tisch bitten, einen Erfahrungs- und Erkenntnisaustausch möglich machen, der wichtig sei.

Christiane Thomsen vom Frauenhaus Dithmarschen führte in ihrem Redebeitrag aus, dass das Tabuthema häusliche Gewalt in den Medien inzwischen stärker veröffentlicht wird. Die Istanbulkonvention des Europarates aus 2018, die auch Deutschland unterschrieben hat, definiert Gewalt gegen Frauen und Mädchen als Menschenrechtsverletzungen. In Schleswig-Holstein, auch in Dithmarschen, gibt es Arbeitsgemeinschaften, die den Prozess der Umsetzung mit voranbringen und für dieses Thema sensibilisieren. Dieser Wandel in unserer Gesellschaft macht Mut.

Silgai Amarkhil wohnt seit acht Jahren in Heide. Ihre Kinder gehen zur Schule. Ihre Angehörigen wohnen in Afghanistan. Im Einsatz als Sprachmittlerin in der Migrationsberatung im Diakonischen Werk begleitet sie Menschen, die Hilfe benötigen, zum Beispiel zu Ämtern oder Krankenhäusern. Auch begleitet sie Menschen, die neu hergezogen sind. Sie ermutigt gerne Menschen und sagt ihnen: „Du kannst das. Du schaffst das.“ So ermutigt sie auch ihre Schwester in Afghanistan, eine Ärztin und Lehrerin.

Jemina Voß, eine 17-jährige Schülerin, befindet sich im Einsatz für Fridays for Future in Heide. Sie hat darüber nachgedacht, was für ein kleines Wort Mut ist. So selten benutzt. Doch es beinhaltet, Großes zu wagen, zum Beispiel gegen die schlechten Dinge anzugehen, die in unserer Welt passieren, mutig die eigene Stimme zu erheben und gemeinsam zu demonstrieren. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, diejenigen, die keine Stimme erheben können, beim Thema Klimaschutz zu vertreten.

Miriam Otto ist Leitung der Vhs Heide. Mut hatte sie zum Beispiel zu einem Semester in Istanbul und einem Praktikum in Nepal mit journalistischer Tätigkeit. Sie merkte: „Ich gehörte nicht zur Mehrheit, wurde beurteilt. Gehörte nicht dazu. Konnte nicht in der Masse abtauchen.“ In Deutschland gibt es genügend Menschen, denen es genauso geht. Heute gibt es viele Themen und Zustände, die zu Mut zwingen. Im Einsatz für Demokratie und Vielfalt. Wenn man Menschen aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken rettet. Miriam Otto träumt von einer Welt, in der dieser Mut nicht mehr nötig wäre, in der Gerechtigkeit und Frieden einfach so da wären.

Katrin Schmidt, Leitung des Evangelischen Mutter-Kind-Kurzentrums Gode Tied Büsum, sprach von dem breiten Spektrum an Schicksalen von Müttern, die eine Kur benötigen. Als Beispiel berichtete sie von einer Mutter von zwei Kindern zwischen vier und sechs Jahren, Home-Office, Teilzeitjob, Kinderbetreuung und eine Oma aus der Tagespflege, die es nachmittags zu betreuen galt. Zu viele Herausforderungen schwächen und machen verletzlich. Dann sei da noch der Druck von außen, immer alles schaffen zu müssen, und der Gedanke, nur sie allein schaffe es nicht. Ein Zusammenbruch ist oft die Folge. Zuzugeben, hilfebedürftig in einer Leistungsgesellschaft zu sein, braucht Mut. Unsere Gesellschaft belastet vor allem Frauen und Mütter, die viel mehr der nötigen Care-Aufgaben leisten. In der Kur ist es wichtig zu lernen, nicht mehr alles schaffen zu müssen, und die eigenen Grenzen besser wahrzunehmen. Viele Frauen gehen gelassener, freier und fröhlicher aus der Kur. Wie gut wäre es, mutig zu eigenen und anderen Schwächen und Verletzlichkeiten zu stehen.

Ronja von Wurmb-Seibel, Journalistin, Filmemacherin und Autorin, war kurzfristig erkrankt. Pastorin Luise Jarck-Albers, die den Abend moderierte, stellte einige Aspekte aus dem Leben von Wurmb-Seibel vor. Zum Beispiel fand sie es nicht wirklich mutig, nach Kabul zu ziehen. Die Autorin ist der Meinung, Mut bedeutet, sich eigenen Ängsten und somit auch der eigenen Verletzlichkeit zu stellen. Ohne unsere Ängste und Verletzlichkeiten könnten wir nicht mutig sein. Es kann auch schiefgehen, aber oft entstehen Wunder daraus. Ronja Räubertochter war ein Vorbild für die Autorin, sich für Frieden und andere Menschen einzusetzen. Eine ihrer Einsichten: Die Macht von Geschichten bestimmt, woran wir glauben und wer wir sind.

Die Künstlerin Ute Lahann-Reuter stellte das erste Mal ihre Frauenportraits aus. Die Ölmalerei ist ihr Hobby. Aus echten Frauen und ihrer Fantasie erstellte sie eine Vielfalt an Zeichnungen, die meist noch besser geworden sind, als sie sich das vorgestellt hat. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Pastorin, seit drei Jahren Bischöfin der Nordkirche, wurde aus Travemünde zugeschaltet, von wo auf der Landes-Synode die aktuelle Situation von Friedensethik diskutiert werden sollte. Ihr sind das Politische, die Klimafrage, die internationale Verantwortung von Kirche wichtig. Die aktuelle Kriegssituation sei ein Alptraum. Aus biblisch-theologischer Sicht brachte sie ein Beispiel von einer Frau namens Abigail, die mit Weisheit und Rosinenkuchen deeskalierend ein Blutbad verhindern konnte. Frieden zu schaffen, bevor Gewalt und Krieg entstehen, das sollte immer Priorität haben. Wenn Frauen anwesend sind, schreiben empirische Studien, entstehen am Ende stabilere, länger anhaltende Friedensprozesse, betonte Kühnbaum-Schmidt. Vergewaltigung gehört noch immer zu den schlimmen Kriegsverbrechen an Frauen. Frauen und Kinder erleben immer noch die schlimmsten Gewalttaten. Mut zum Frieden. Den brauchen wir.

Monika Schmudde, Referentin im Evangelischen Frauenwerk Dithmarschen, war sich einig mit den Aussagen der Bischöfin. Wenn Angst das Leben bestimmt, ist die Schönheit im Hier und Heute nicht mehr präsent. Es macht Hoffnung, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist, und Mut bedeutet, sich trotzdem den Ängsten zu stellen. Ein Dank ging auch an Dr. Ingrid Weiz, Organistin in Tellingstedt. Sie spielte mit Monika Schmudde ermutigende Lieder für das Frauenmahl ein. Weitere Frauen in der Unterstützung beim Frauenmahl waren Angela Ewers, Referentin im Evangelischen Frauenwerk Dithmarschen, Maren Reichardt, Karin Giaffreda, Angela Kaeding und Monika Grewe, ehrenamtlich engagierte Frauen im Synodalen Frauenwerksausschuss sowie Sandra Stadniczuk, Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Dithmarschen und Gabriela Petersen-Schmidt, die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Heide. Technisch wurde das Frauenmahl vom Offenen Kanal Westküste vielfältig unterstützt, von der Musikbearbeitung bis hin zur Übertragung der Veranstaltung.

Monika Schmudde  65

Ich bin seit Oktober 2019 Referentin im Ev. Frauenwerk Dithmarschen.

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