Der Lastenkran am Olen Hoov

Büsum Friedrich-Wilhelm Trottmann Freitag, 12. August 2022



Auf der Ostseite des Museumshafens gegenüber der Einmündung der Hafenstraße in die neue Straße „Am Museumshafen“ steht ein alter, handbetriebener Kran, der zum Beladen und Aufriggen der Schiffe genutzt wurde. Er gehört zu den touristischen Attraktionen.

Dazu zählen neben den im Hafen liegenden Schiffen auch der Leuchtturm und Anlagen wie altes Molenfeuer, Fahnenmast, Stockanker, drei Schottsche Karren, eine englische Treibmine neben dem Nachbau des alten Leuchtturms, Tassenpegel, Schreibpegel und Ankerfriedhof. Eine einfache Ausführung eines Lastenkrans ist auf einer Postkarte von 1905 zu erkennen. Der genügte aber den Anforderungen der Fischer nicht mehr. Daher musste ein neuer Hafenlastenkran her. Er stammt aus der Zeit des Aufbaus der Büsumer Fischereiflotte. Die 1917 gegründete Motorenwerkstatt Carl Boysen nutzte den Kran für Instandsetzung und Wartung von Motoren. Die waren aufgrund ihrer großen Schwungräder sehr schwer. Der Kran stand für Hafenentwicklung und Modernisierung. Bis 1917 fuhren die Schiffe unter Segeln, dann kam der Verbrennungsmotor in der Nordseefischerei.

Kurt Winter schrieb in „Hafen und Fischerei im 20. Jahrhundert“ 1920: „Auf der Mitgliederversammlung des Regattavereins beschlossen etwa 60 Fischer, ohne Startgeld zu segeln mit den Bedingungen, dass der Überschuss zum Bau des großen Kranes am Hafen verwendet werden sollte.“ Unterstützung fanden sie beim Kirchspiel, das die Anschaffung des etwa 30.000 Mark teuren Krans mit 5000 Mark unterstützte. Im Februar 1921 wurde der Kran in Dienst gestellt. Mit seiner Hilfe konnten zwei Mann bis zu fünf Tonnen hieven. Der Kauf sollte sich lohnen. Der Kran wurde bis 1975 benutzt und 1995 zum letzten Mal restauriert. Zum 100-jährigen Jubiläum sollte der Hafenkran erneut saniert werden. Im Zuge dessen stellte das Bauamt fest, dass auch die Platte erneuert werden muss. Eine LED-Beleuchtung soll das Exponat in Szene setzen.

Der in Büsum geborene und bis zur Insolvenz der Harmstorf-Werft 1986 dort arbeitende Udo Schmidt erinnert sich. Er habe in der Maschinenbaufirma Boysen von 1963 bis 1966 eine Lehre als Schiffsmaschinenschlosser gemacht. Dort wurde der Hafenlastenkran hergestellt. In der Begründung zum Antrag auf Unter-Schutz-Stellung und Aufnahme in das Landesdenkmalschutzbuch an die Obere Denkmalschutzbehörde des Landes vom 15. Mai 2019, stand: „Der Kran ist ein lebendiges Beispiel für die technische Entwicklung des Fischereihafens Büsums insgesamt und damit ortsbildprägend. Es handelt sich um eine nachhaltige Sicherung des kulturhistorischen Erbes Schleswig-Holsteins und dessen fischereigeschichtlichen Gedächtnis.“

Das Landesamt für Denkmalpflege teilte dem Museumshafenverein im Juli 2019 mit, dass „der Hafenkran im Museumshafen als Kulturdenkmal erkannt und in die Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein unter der Objektnummer 51465 aufgenommen wurde".
Ein Schild ist am Sockel des Hafenkrans verweist auf die touristische Inwertsetzung, gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes im Rahmen des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und des Landesprogramms Fischerei und Aquakultur Schleswig-Holstein. Bei der Gemeinde verblieben 25 Prozent der Kosten.

Friedrich-Wilhelm Trottmann  3166

Wohne in Büsum und schreibe gerne über alles, was in Büsum geschieht. Werde scherzhaft Rasender Reporter wegen meiner vielen Fotos genannt.

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