Der fast vergessene Schulwald

Büsum Friedrich-Wilhelm Trottmann Mittwoch, 1. Dezember 2021



Ein kleines Wäldchen an der Gartenstraße ist ein fast vergessenes Kleinod. Ein paar Einheimische verirren sich dorthin, um die Ruhe zu genießen. Bei Gassigängern ist der Ort beliebt. Im Frühjahr erfreuen das frische Grün, Buschwindröschen und leuchtend gelbe Osterglocken das Auge.

Eine marode Bank wurde durch eine neue ersetzt, ein Abfallbehälter aufgestellt, und manchmal kam man der Verkehrssicherungspflicht durch Entfernen von umgestürzten Bäumen nach. Ein kleiner Teich ist keine Augenweide, er verkommt zu einem Schlammloch. Manchmal verirren sich einige Enten dorthin, und auf der Wasseroberfläche spiegelt sich die Sonne. Dann wird der bedauernswerte Zustand übersehen.

Dabei hat dieser Ort eine Geschichte. Der Mittelschullehrer und spätere Konrektor Bruno Bartlick, früher Mittelschullehrer im waldreichen Lötzen in Ostpreußen, kam auf den Gedanken, Bäume im geschlossenen Verband an geeigneten Plätzen mit seinen Schülern und dem Vorarbeiter der Gemeinde anzupflanzen. Nach dem Zweiten Krieg war Raubbau am deutschen Wald betrieben worden, auch in der Marsch, denn Brennmaterial war knapp. Schleswig-Holstein war schon lange waldarm, auch Dithmarschen gehörte dazu.

In Büsum entschloss man sich zu Baumanpflanzungen auf dem Friedhof, im Seegarten und pflanzte dort Ulmen, Erlen und Silberpappeln. Über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kam 1954 finanzielle Unterstützung vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, womit das Pflanzgut bezahlt wurde. Ein Rückschlag war das Herausreißen einer großen Anzahl kleiner Bäume durch Halbstarke im Frühjahr 1955 und durch Zertrampeln durchgegangener Pferde im Herbst. Offiziell eingeweiht wurde der Schulwald an der Olandskoppel im April 1956. Es solle nicht nur "die Liebe zum Baum geweckt", sondern gleichzeitig ein Erholungsgelände für Einwohner und Gäste geschaffen werden.

Bürgermeister Ohlen hatte einen Grundsatz: Ein Baum dürfe erst entfernt werden, wenn zwei neue gepflanzt werden. Vor 65 Jahren, im November 1956, erfolgte eine Ehrung der Mittelschule, besonders der Klasse zehn. In einer Feierstunde der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wurde der Büsumer Schulwald als bester im Kreis ausgezeichnet. Er erfülle eine pädagogische Aufgabe, „denn ein Kind, das selber pflanzt und hegt, wird die Natur nicht zerstören“, hieß es damals.

Peter Bartlick, 1964 Leiter der Waldjugendgruppe Büsum, konnte jetzt der Aussage von Antonie und Bodo Spreu nur zustimmen: „Der Schulwald erfüllt eine wichtige kleinklimatische Funktion und bietet vielen Lebewesen einen Platz. Es ist die einzige naturnahe Fläche, die wir noch im Ort haben.“ 2013 berichtete die Dithmarscher Landeszeitung über eine Unterschriftenaktion. Es gab offene Briefe, Leserbriefe und Protestplakate. Die Lokalpolitik hatte mit einer solchen Wutwelle nicht gerechnet, als sie sich mit der Idee eines Abenteuerspielplatzes im Schulwald beschäftigte. Das Wäldchen, das ein bisschen ungepflegt daher kommt und oft als Hundeklo genutzt wird, hatte plötzlich viele Anhänger. Er blieb. Heute liegt das Wäldchen naturbelassen da. Der kleine Teich könnte mehr Aufmerksamkeit vertragen. Schilder sollten vielleicht auf die Entstehungsgeschichte hinweisen.

Friedrich-Wilhelm Trottmann  414

Wohne in Büsum und schreibe gerne über alles, was in Büsum geschieht. Werde scherzhaft Rasender Reporter wegen meiner vielen Fotos genannt.

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