Schüler besuchen Gedenkstätte Gudendorf

Brunsbüttel Oliver Wendt Mittwoch, 8. Juni 2022



Wenn man an den Nationalsozialismus denkt, dann fallen einem Orte wie Auschwitz, Bergen-Belsen, Berlin, Nürnberg oder München ein. Dass aber auch in Schleswig-Holstein und sogar in Dithmarschen unglaubliche Verbrechen an der Menschlichkeit begangen wurden, wird oft nicht bedacht.

Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Schleusen-Gemeinschaftsschule besuchten die Gedenkstätte in Gudendorf. Dort stand zur Zeit des Nationalsozialismus ein Kriegsgefangenenlager, in dem hauptsächlich sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in der Nähe des damaligen Lagers die Gedenkstätte. Das Mahnmal wurde auf einer Erhöhung in der Heidelandschaft gebaut, so dass es weithin sichtbar sein sollte. Mittlerweile ist ein Wald drumherum gewachsen.

„Wir haben in direkter Nachbarschaft ein eindrückliches Zeichen der Schrecken des Krieges“, sagt Oliver Wendt, Lehrer an der Schleusen-Gemeinschaftsschule, der meint, dass es Zeit wurde, diese Nähe zu nutzen und die Erinnerungskultur in der Schule auszuweiten. „Deshalb habe ich diesen Besuch, in Kooperation mit Karola Koch, der Fachberaterin für Kulturelle Bildung im Kreis Dithmarschen, in die Wege geleitet. Es ist toll, was hier für unseren Besuch organisiert wurde“, sagt Wendt.

Die drei achten Klassen, die dank der Unterstützung des Jugendkompass Dithmarschen mit dem Bus nach Gudendorf kamen, wurden am Uns Dörpshus, also dort, wo früher das Lager stand, von Bürgermeister Werner Höfs begrüßt. Anschließend startete eine Gruppe den Fußmarsch zur Gedenkstätte, an der ihnen Georg Gerchen von der Initiative Blumen für Gudendorf alles Wissenswerte vermittelte. Eindrucksvoll fanden die Schüler vor allem die Gräberfelder und das neue Lagerrelief.

Eine andere Klasse setzte sich derweil unter der Anleitung von Karola Koch mit historischen Quellen, unter anderem mit Briefen von Zeitzeugen oder Karteikarten der Kriegsgefangenen, auseinander und erfuhr so, wie das Leben im Kriegsgefangenenlager in Gudendorf war. Museumspädagogin Katja Thode vom Dithmarscher Landesmuseum hat mit den Schülern die Namen der Verstorbenen sichtbar gemacht. Dazu wurden die Namen, Geburts- und Todesdaten aus Listen auf Steine übertragen. Schnelle Schülerinnen und Schüler übten dann noch, ihren Namen im kyrillischen Alphabet zu schreiben. Die Steine wurden zum Abschluss an der Gedenkstätte aufgestellt.

Oliver Wendt  39

Lehrer an der Schleusen-Gemeinschaftsschule in Brunsbüttel

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