Die Zukunft der Ausbildung findet in Dithmarschen statt

Heide Norbert Drengk Samstag, 25. Juni 2022



Die Ansiedlung der Batteriefabrik Northvolt wird Dithmarschen nachhaltig und sehr dynamisch verändern. Bereits Ende 2025 sollen die ersten Autobatterien vom Band laufen. Bis dahin braucht es jetzt noch große Anstrengungen, die Mitarbeiter für das Zukunftsprojekt zu organisieren und systemgerecht auszubilden. Langfristig geht man von 3000 Mitarbeitern allein nur für dieses Mega-Projekt aus. Etwa 85 Prozent davon sollen als Facharbeiter eingesetzt werden. Weitere 5 Prozent benötigt man für die Verwaltung. Der Rest von zirka 10 Prozent sind qualifizierte Ingenieure, die die industriellen Prozesse steuern sollen. Dies ist nach eigenen Aussagen nur der Bedarf von Northvolt. Zulieferer und weitere Investoren sind allerdings an dem energieneutralen grünen Strom der Westküste interessiert und stehen quasi vor der Haustür.

Der Umbau der Energieversorgung und Energienutzung in Deutschland hin zu Erneuerbaren Energien geht mit massiven Transformationen einher, die auch immense Impulse für eine qualifizierte Berufsausbildung setzen. Um hierbei ein koordiniertes und schnelles Handeln zu ermöglichen, fand auf Anregung des Kreispolitikers Norbert Drengk (SPD) ein Gespräch mit dem Strategiechef von Northvolt, Nicolas Steinbacher, sowie der Leiterin des Berufsbildungszentrum Dithmarschen (BBZ), Monika Raguse, und der Präsidentin der Fachhochschule (FHW), Prof. Katja Kuhn, statt. Dabei wurden die besonderen Bedarfe des Batterieherstellers Northvolt mit den hiesigen Potentialen der akademischen und der beruflichen Ausbildung abgeglichen. Es gibt große Schnittmengen mit den hiesigen Bildungszentren. Allein das BBZ-Dithmarschen verfügt aus seinem umfassenden Angebot über zahlreiche Ausbildungsgänge vom Fachlagerist über Lagerlogistik, Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, sowie Mechatroniker und Kraftfahrzeugmechatroniker. Zusammen mit der Elektroniker-Ausbildung bietet das BBZ viele berufliche Segmente für den betrieblichen Bedarf des Batterieherstellers. Nicht zuletzt die Ausbildungsbereiche für die chemische Industrie sind für die exakte Komponenten-Zusammenstellung des technischen Batterieverfahrens von großem Wert.

Vor dem Hintergrund sich rapide verändernder, wirtschaftlicher Schwerpunkte zu Gunsten der schleswig-holsteinischen Westküste, sieht der Northvolt-Stratege Steinbacher die Chance, berufliche Ausbildungs- und Entwicklungsprozesse neu zu denken. Bei den betrieblichen Bedarfen von Northvolt soll es auch Möglichkeiten geben für Quereinsteiger aus anderen technischen Berufen, wie zum Beispiel aus der Schiffbauindustrie oder der Windmühlenproduktion. Northvolt geht davon aus, dass der Start für den hiesigen Standort im engen Austausch mit BBZ und FHW erfolgen wird. Trainings-Schulungen beim bereits bestehenden Standort in Schweden sollen die Kenntnisse über die Arbeitsabläufe festigen. Praktika beim schwedischen Mutterbetrieb werden deshalb einen wichtigen Teil der beruflichen Qualifizierung einnehmen, um die Verfahrensprozesse für das Heider Werk rasch zu optimieren. Zusammen mit einer effizienten Digitalisierung, auch für zeitweise standortferne berufliche Ausbildung, wird die betriebliche Systemtechnologie neue Perspektiven eröffnen.

Northvolt ist sich dabei der Verantwortung bewusst, seinen wirtschaftlichen Hebel für eine starke Arbeitsmarkt-Positionierung des regionalen Standortes an der Westküste einzusetzen. Für die Präsidentin der Fachhochschule, Prof. Kuhn, ist dies eine elementare Voraussetzung, um die Attraktivität unserer Region durch akademische Ausbildungsgänge zu festigen, bzw. auszubauen und Studierende zum Bleiben, sowie ‚Abwanderer‘ zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Nicolas Steinbacher unterstützt diesen regionalen Gedanken für Northvolt in vollem Umfang, da er den Fundus für qualifizierte und gute Arbeitskräfte in kurzer Entfernung zum Heider Produktionsstandort festigen möchte. Gleichzeitig sieht er große Chancen, den Arbeitsmarkt hier in Dithmarschen generell für eine moderne Industriewelt neu und nachhaltig attraktiv zu gestalten. BBZ und FHW bieten dabei ihre Unterstützung an, die es im Detail noch weiter abzustimmen gilt.