Geschichte der Fischereigenossenschaft

Büsum Friedrich-Wilhelm Trottmann Dienstag, 4. Januar 2022



Die Zeit ist schnellläufig. Wer denkt noch zurück, was vor 110 Jahren in der Moltkestraße Großes entstand. Der Chronist und Autor Kurt Winter schrieb in der Bücherreihe Streifzug durch die Geschichte des Büsumer Hafens und die Entwicklung des Fischereiwesens von einem Ereignis, an das sich wohl nur ältere Bürger erinnern.

In „Büsum – Hafen und Fischerei im 20. Jahrhundert“ beschrieb er Folgendes. Eine Krabben-Verwertungsgesellschaft kaufte 1911 einen Bauplatz von 1000 Quadratmetern für 3500 Mark an der Moltkestraße. Der Genossenschaft wurden zum Bau eines Fabrikgebäudes 10.000 Mark bewilligt. Schon im Herbst war das große Strohdachhaus fertiggestellt. Inzwischen hatte die Genossenschaft mit 24 Beteiligten die Eintragung beim Königlichen Amtsgericht in Wesselburen beantragt.

Als 1916 die Krabbenfangergebnisse kaum nennenswert waren, Muscheln und Frischfisch aber in großen Mengen angelandet wurden, stellten einige Fischer der Genossenschaft den Krabbenfang ein und rüsteten auf Frischfisch um, so Winter. Im Zuge der Auflösung der Kriegsschaltiergesellschaft wollten sich alle Fischer zu einer Fischerei GmbH zusammenschließen. Die bestehende Büsumer Fischereigenossenschaft (BFG) GmbH, die sich 1910 konstituiert hatte, wurde aufgelöst und unter der Leitung von Claus Siegfried umgewandelt, der 1920 vom Badekommissar von Müller-Berneck abgelöst wurde. 1923 folgte ihm Adolf Siegfried, 1925 August Cornelius und 1926 Paul Bracke. 1928 kaufte die Gemeinde eine Eismaschine für die BFG.

1930 betrug der Schällohn von 15 Krabbenschälerinnen pro Pfund Krabben 7,5 Pfennige und wurde 1932 auf 5,5 verringert. Eine von Uhrmachermeister Johannsen und dem Werftinhaber entwickelte Krabbenschälmaschine erwies sich als nicht rentabel. 1935 schickte die BFG im Auftrag der Fischer 1000 Zentner Heringe als Spende ins Saarland, da trotz guter Ware nur noch 50 Pfennig pro Zentner wegen reichlicher Fänge gezahlt wurde.

1951 waren 50 bis 60 Prozent BFG-Vertragsfischer, die unter anderem 269 Tonnen Speisekrabben anlandeten. 1954 erhielt die BFG auf einer Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt am Main den ersten Preis für Büsumer Krabben der Marke Seeschwalbe, die ohne den Zusatz von Bor hergestellt wurden. Als 1969 eine holländische Version einer Krabbenschälmaschine der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, versicherte die BFG, dass die Krabben weiterhin per Hand entschält würden und die Krabbenschäler sich um ihren Verdienst keine Sorgen machen sollten.

Winter zitiert 1992 die Büsumer Nachrichten und berichtet, dass mit der BFG der bedeutendste produzierende Betrieb Büsums nach Wöhrden in die Gebäude der in Konkurs gegangenen Firma Kordts gehe. Den beiden Besitzer Uwe Jochims und Karsten Ritter waren die Räumlichkeiten zu eng geworden, und Beschwerden der Anlieger wegen Lärmbelästigung trugen ebenso zu der Entscheidung bei. Eine Verlagerung in das neue Büsumer Gewerbegebiet wäre finanziell nicht zu verkraften gewesen.

Für 1995 schrieb Winter: „Nicht überlebt hatte aber das Gebäude der Büsumer Fischereigenossenschaft in der Moltkestraße. Als letzter Gebäudeteil wurde das zuletzt als Bürotrakt genutzte Eckhaus der BFG abgerissen, um demnächst für eine moderne Einkaufspassage und 35 Eigentumswohnungen Platz zu schaffen. Das Hauptgebäude der BFG war eines der wenigen verbliebenen Strohdachhäuser und der einzige Industriebetrieb mit Strohdach in ganz Schleswig-Holstein.“

Friedrich-Wilhelm Trottmann  416

Wohne in Büsum und schreibe gerne über alles, was in Büsum geschieht. Werde scherzhaft Rasender Reporter wegen meiner vielen Fotos genannt.

Alle Artikel von Friedrich-Wilhelm Trottmann