Neues Rathaus in Sicht

Büsum Friedrich-Wilhelm Trottmann Donnerstag, 6. Januar 2022



Das Amt Büsum-Wesselburen platzt aus allen Nähten. Das alte Rathaus in Büsum ist zu klein, unter anderem ist das Bauamt in Wesselburen Am Markt 2 untergebracht, andere Abteilungen im Ort verstreut. Die Mitarbeiter sitzen beengt, Barrierefreiheit ist nicht gegeben, Treppen sind ein Hindernis für mobilitätseingeschränkte Personen.

Seit einiger Zeit sucht man nach einem Ort, wo ein neues Rathaus gebaut werden kann. Das Grundstück der alten Mittelschule, Neuer Weg/Heider Straße, scheint dafür geeignet zu sein. Das Jugendzentrum ist umgezogen, die Bewohner der Obdachlosenunterkunft bekamen neue Unterkünfte. Auch die Turnhalle steht zur Disposition. Der Tourismus- und Marketing-Service ist ins Watt’n Hus umgezogen.

Auf der Gründungsversammlung des Fördervereins Kulturwarft Büsum Anfang Dezember im Restaurant Zur alten Post berichtete Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje, dass das Rathaus vom Rathausplatz auf das Schulgelände im Neuen Weg verlegt werde. Auf einer Amtsausschusssitzung Mitte Dezember wurden Umzug und Veräußerung der beiden Liegenschaften in Büsum und Wesselburen beschlossen. 

2014 wurde das Büsumer Rathaus 100 Jahre alt. Friedrich-Wilhelm Trottmann befasste sich seinerzeit mit der Geschichte. Im April 1914 beschlossen Kirchspiels- und Ortsvertretung sowie Badekommission, ein neues Rathaus zu bauen. Das 1875 erbaute Rathaus an der Hafenstraße/Ecke Kattegat war zu klein geworden. Fünf Architekten legten Entwürfe vor. Carl Mannhardt aus Kiel bekam den Zuschlag, am Kaiser-Wilhelm-Platz ein Gebäude im neobarocken Stil zu errichten. Der Platz auf der ehemaligen Hofstelle des Landmanns Siedenburg war noch unter Ortsvorsteher Dr. Jochims als Marktplatz angedacht worden. Die Häuser von Johannsen und Pagels mussten für das Bauvorhaben weichen und wurden aufgekauft.

Ins Hochparterre sollten Büroräume für Amtsvorsteher, Kirchspielschreiber, Ortsvorsteher und Badekommissar nebst Sparkassenlokal kommen, ins Obergeschoss der Sitzungssaal sowie eine Vier-Stuben-Wohnung für den Kirchspielschreiber und im Dachgeschoss eine Drei-Stuben-Wohnung für den Gemeindediener entstehen. Im Kellergeschoss war Platz für Heizung, Waschküche, Feuerungsraum und Turnspielgeräte. Mit Baukosten von 50.000 Mark ohne Grund und Boden einschließlich Zentralheizung und elektrischer Lichtanlage wurde gerechnet.

Amtsvorsteher Johannsen, Ortsvorsteher Paulsen nebst Vertreter Kruse, Gustav Rentel, Lorenz Lorentzen wurden Architekt und Bauleiter Carl Mannhardt zur Seite gestellt. Das Büsumer Rathaus diente als Vorbild für das Rathaus in Marne. Nach der Grundsteinlegung am 28. Juli 1914 erfolgte die feierliche Einweihung am 12. Januar 1916 mit Einmauerung einer Urkunde aus Pergament, Tageszeitung und Münzen in deutscher Reichswährung durch Maurermeister Hansen im Beisein der Kirchspiel- und Ortsvertreter, weiterer Honoratioren und vieler Einwohner. Johannsen erinnerte in einer Ansprache an die langen Verhandlungen und die Überwindung verschiedener Hindernisse. Im Dithmarscher Haus lobten beim Festessen Konsistorialrat Heesch, Geheimrat Behncke sowie Vorsteher Johannsen den "äußerst gelungenen zweigeschossigen Bau". 

Verwaltet wurden neben Büsum die amtsangehörigen Dörfer Büsumer Deichhausen, Warwerort, Österdeichstrich, Westerdeichstrich und ab 1959 Hedwigenkoog. Auch Sparkasse und Kurverwaltung hatten dort ihre Diensträume. Schließlich gehörten 18 Städte und Gemeinden dazu: Büsum, Büsumer Deichhausen, Friedrichsgabekoog, Hedwigenkoog, Hellschen-Heringsand-Unterschaar, Hillgroven, Norddeich, Oesterdeichstrich, Oesterwurth, Reinsbüttel, Schülp, Strübbel, Süderdeich, Warwerort, Wesselburen, Wesselburener Deichhausen, Wesselburenerkoog und Westerdeichstrich.

Friedrich-Wilhelm Trottmann  964

Wohne in Büsum und schreibe gerne über alles, was in Büsum geschieht. Werde scherzhaft Rasender Reporter wegen meiner vielen Fotos genannt.

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