Bundeslager in Oberbayern

Meldorf Yves Weis Dienstag, 16. August 2022



Alle vier oder fünf Jahre findet im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) das Bundeslager statt. Nun ging es nach Königsdorf in Oberbayern unter dem Motto „Lebens(t)räume“. Elf Meldorfer Pfadfinderinnen und Pfadfinder vom Stamm Carsten Niebuhr bildeten mit Teilnehmenden aus Tornesch, Stamm Torona, und Heidekamp, Stamm Fealôce, eine Kochgruppe.

Das heißt, sie lagerten, kochten und lebten gemeinsam auf einem Stammesgrund; eine kleine Gemeinschaft in einer Gruppe von über 5000 Pfadfindern inklusive rund 200 Teilnehmenden aus dem Ausland. Dabei freuten sie sich besonders über die Teilnahme der Partnerverbände aus der Ukraine und Frankreich. Die jungen Pfadfinder beschäftigten sich in Workshops, AGs, Diskussionsrunden und freien Aktionen mit dem Thema ihrer Welt. Wie leben wir? Wie wollen wir leben? Die Programmpunkte wurden von Landesverbänden auf Unterlagerebene oder auf Bundesebene organisiert. So konnten sich die Teilnehmenden gemäß ihrer Träume ausprobieren und erleben. Die Vielfalt war groß. Es gab das Lagerorchester, das sich zu Beginn fand und bis zum Ende der zehn Tage einige Instrumente erlernte und ein Stück vortrug. Es gab Handarbeits-AGs vom Anmalen über Batiken, Eisen schmieden, Instrumente bauen und erlernen oder gemeinsam einen alten Zirkuswagen zum Traumwagen umbauen. Im Unterlager Schleswig-Holstein „unser Kiez“ wurde an einer bunten Großstadt-Szene, inklusive zweier tanzender Türme, gearbeitet, während im Nachbarunterlager Nordrhein-Westfalen Asterix und in Berlin-Brandenburg der Kosmos im Fokus standen. Auf dem Marktplatz, einer Art Platz der Möglichkeiten, stand der große Lagerturm, und es gab verschiedene offene Mitmachaktionen. Eine Regenbogenjurte, die sich LGBTQ-Themen widmete (LGBTQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer), war ebenso vertreten, wie die Ausstellung über Pfadfindersymbole im Café „Zum rauhen Stein“.

Ein sehr bewegender Workshop war das Szenario Klimawandel. Unter der Annahme, dass die Weltgemeinschaft versagt hat - was zurzeit auch so aussieht - und das Klima sich irreparabel verändert, überlegten sich die Teilnehmenden, was sie dann tun würden, aber auch, was es für Auswirkungen auf die Handlungen heute hat. Andere Highlights waren die Raus-Tage, an denen die Gruppen auf eigene Faust auf Fahrt gingen oder an ausgefertigten Hajks teilnehmen konnten. Es stand ein selbst gewählter 17-Kilometer-Hajk auf dem Plan und Rafting im Fluss. Den individuellen Stammestag verbrachten die drei Stämme gemeinsam am Bibisee und erholten sich von für Norddeutsche unerträglichen bayrischen Temperaturen ohne Wind.

Auch die Internationalität kam nicht zu kurz. So zogen die Meldorfer regelmäßig zur „MS International“, einem Zeltschiff, in dem allabendlich mit Zahnpasten aus aller Welt die Zähne geputzt wurden. Es war durchaus ein Geschmackserlebnis mit Salz, Algen, Kohle oder Zimt beim Zähneputzen in Berührung zu kommen. Am Internationalen Abend hingegen informierten die Gastgruppen über ihre Heimat und boten Gerichte zum Probieren an, denn auch Freundschaft geht durch den Magen.

Mit vielen neuen Eindrücken, Ideen und konkreten Plänen endete das Bundeslager nach elf Tagen. Für das nächste Jahr haben sich die älteren Pfadfinder und Ranger/Rover vorgenommen, an der Bundesfahrt nach Schweden teilzunehmen und wollen sich nun zielstrebig darauf vorbereiten. Für die Wölflinge soll es im kommenden Jahr einen Wölflingssommer geben, zu dem die Meldorfer Pfadfinder ihre Kontaktgruppe aus Posen in Polen einladen möchten. Mehr Informationen gibt es auf www.pfadfinder-meldorf.de oder in den Gruppenstunden für Pfadfinder, 13 bis 15 Jahre, und Ranger/Rover, ab 16 Jahren, zweiwöchentlich montags, für Wölflinge, sechs bis zehn Jahre, und Jungpfadfinder, zehn bis zwölf Jahre, wöchentlich auf den Pfadfinderwiesen an der Südermiele.