Nachhaltigkeit am Kanal

Heide Kurt-Ewald Finke Donnerstag, 22. September 2022



Die Vereinigung Angehöriger der Land-, Wasserwirtschafts- und Umweltverwaltung Schleswig-Holstein e. V. (VAL) Ortsgemeinschaft Itzehoe hatte zu einem Regionaltreffen ihre Aktiven und Ehemaligen nach Hohenhörn eingeladen, um sich über umweltfreundliche Energieversorgung und Technologien am Kanal zu informieren.

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ist eine künstliche Wasserstraße, durch deren Bau nicht nur Landschaften, Wälder und Felder durchschnitten wurden, sondern auch Dörfer und bestehende Landstraßen. Die großen Straßen- und Schienenwege werden durch gigantische Brücken verbunden, während die kleineren mit 14 Fähren „überbrückt“ werden, erklärte der Fährmann der „Alster“.

Die ältesten drei Fähren (Baujahr 1952-53) wurden durch neue emissionsarme Hybrid-Fähren ersetzt. Nach einer EU-weiten Ausschreibung erhielt die Werft Baltic Workboats in Estland im Dezember 2018 den Auftrag zum Bau von drei umweltfreundlichen 45 t – Fähren. Mitte des Jahres 2021 erreichte die erste 8 Millionen teure Fähre mit Hybridantrieb den NOK. Ende Oktober wurden alle drei Hybridfähren in Hochdonn getauft. Sie erhielten die Namen nach schleswig-holsteinischen Flussläufen »Arlau«, »Alster« und »Stecknitz«.

Der Hybrid-Antrieb der Fähren besteht aus Elektromotoren, die ihren Strom entweder aus Batterien oder von Dieselgeneratoren bekommen. Für die Aufladung der Batterien sollen die Fährstellen Nobiskrug, Hohenhörn und Hochdonn mit Landstromanschlüssen ausgerüstet werden. Bis diese abgenommen sind, werden die Fähren zunächst mit dieselelektrischen Antrieb über den Kanal fahren, erklärte ein Mitarbeiter der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung, der die Besucher durch die Fähre führte. Zwei Voith-Schneider-Propeller sorgen für gute Manövrierfähigkeit.

In kleinen Gruppen konnte der Maschinenraum und das Steuerhaus mit Steuerstand besichtigt werden. Weiter war zu erfahren, dass die Fähranleger umgebaut und erneuert werden mussten. Beim Festmachen ändert sich dadurch so einiges. Während die alten Fähren sich mit Motorkraft an den Anleger drücken, haben die Hybridfähren ein neues Verriegelungssystem, bei dem sich ein ausfahrbarer Haken am Anleger festhält, erklärte der Decksmann, der für das Be- und Entladen der 45 Tonnen Fähre zuständig ist.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit passen gut zusammen. Dass das geht, davon konnten sich die Teilnehmer in dem über die Aktivregion geförderten Betrieb „Kanal 33“ überzeugen. Die Chefin Petra Lucht stellte ihr Unternehmen vor. Energetisch können die Pension, das Cafe und die sechs Modulhäuser zeitweise bis zu 100% durch eine eigene Fotovoltaikanlage mit Strom versorgt werden, so Petra Lucht. Für die angebotenen Speisen werden Lebensmittel und Produkte aus der Region verwendet, wobei auch hier auf Nachhaltigkeit geachtet wird, so die Chefin Petra Lucht. Nach einem Rundgang durchs Haus und Gelände, traf man sich zu Kaffee und Kuchen.

Zu den Teilnehmer des VAL Regionaltreffens gehörten auch Ehemalige des Standorts Heide.

Vor mehr als fünfzig Jahren trat Kurt-Ewald Finke als Technischer Angestellter in den Dienst der Landesverwaltung beim Kulturamt Heide, damals im Rathaus, ein. 1973 wurde aus dem Kulturamt, dem Marschenbauamt, der Kreislandwirtschaftsbehörde und dem Pflanzenschutzamt das Amt für Land- und Wasserwirtschaft (ALW) Heide. In das neu gebaute Dienstgebäude, Berliner-Straße 19, zog man im Dezember 1974 ein. Aus dem ALW wurde 2000 das Amt für ländliche Räume (ALR) Husum - Außenstelle Heide, später aus dem ALR, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Außenstelle SÜDWEST III. Das „Aus“ für den Standort Heide kam im September 2011. Niemals, so Kurt-Ewald Finke, hätte er sich träumen lassen, einmal der zu sein, der nach 37 Jahren das Behördenschild des Amtes neben der Eingangstür abzuschrauben, den Briefkasten zu verschließen und den letzten Generalschlüssel für die Dienststelle an die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GH.SH) zurückzugeben hatte Zehn Jahre später und nach einer Grundsanierung ist das Gebäude heute das Finanzamt Dithmarschen.

Am späten Nachmittag trennten sich die Teilnehmer des VAL Regionaltreffen und fuhren in ihre Heimatorte zurück. Die Organisatorin des Treffen, Anke Danger, stellte abschießend fest: Wir haben viel Unbekanntes erfahren, gesehen und nehmen viele positive Eindrücke mit nach Hause. Und man war sich einig, es sollen nicht erst wieder zehn Jahre vergehen, bis sich die ehemaligen Heider Mitarbeiter wieder treffen.