Alte Geräte und Methoden

Nordhastedt Mars Dieter Timm Donnerstag, 2. Dezember 2021



Mars Dieter Timm vom Förderverein Torfbacken lud Geräte, die früher zur Torfgewinnung benötigt wurden, Schautafeln zu Vereinsaktivitäten und Torfabbau sowie Torfproben aus Hoch- und Niedermoor in seinen Kleintransporter und fuhr zum Gemeindezentrum in Nordhastedt.

In dem von Margret und Hans Georg Lafrenz und Helferinnen hübsch dekorierten Tagungsraum fanden sich Senioren aus dem Dorf zum Treff am Donnerstag der Kirchengemeinde ein. Nach der Begrüßung durch Margret Lafrenz und Pastor Torsten Worm gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Mars Dieter Timm leitete seinen Vortrag anschließend mit dem plattdeutschen Gedicht „Dat Moor“ von Klaus Groth ein, bevor er weiter auf Plattdeutsch vom Torfbackverein erzählte und von der ehemaligen kleinbäuerlichen, körperlich sehr schweren Brennstoffherstellung. Der Verein sammelt historische Geräte zur Torfgewinnung sowie Schriftliches und Bildmaterial über den Brenntorfabbau. Alte Geräte werden dem Verein überlassen, repariert oder nachgebaut und wie zu Großvaters Zeiten im Süderholmer Moor bei Torfbackveranstaltungen vorgeführt.

Timm berichtete über die Entstehung der Hoch- und Niedermoore, reichte brennfertige Hoch- und Niedermoor-Torfsoden in die Runde und erklärte die Unterschiede. Der schwarze, relativ schwere Niedermoortorf aus dem Süderholmer Moor habe gegenüber dem hellen, leichten Torf vom Weißen Moor bei Neuenkirchen einen vielfach höheren Brennwert. Befeuert wurde die einzige Brennstelle im Haus, der Herd in der Küche, um Essen zu kochen. Die Entwicklung der Moore erstreckte sich über Jahrtausende. Der Mensch griff ein, um sie zu nutzen. Durch Entwässerungsmaßnahmen wurde eine Kulturlandschaft geschaffen. Das Moor war Torflieferant, und es gab verschiedene Abbaumethoden: das Torfstechen auf den Hochmooren oder Rutschmieten im Übergangsmoor. Besondere Messer und Spaten wurden verwendet, Torf auf ein Schleppbrett abgelegt, mit Pferden zum Trocknungsplatz gezogen und dort ausgelegt. Timm beschrieb die Verwendung einer etwa fünf Meter langen, hölzernen Entwässerungsschnecke, die von einer Windmühle angetrieben wurde. Eine solche rund sieben Meter hohe, hölzerne Windmühle wurde in einem Lehrlingsprojekt originalgetreu nachgebaut und werde im Süderholmer Moor bei Torfbackveranstaltungen in Betrieb gezeigt.

Die dritte, im Süderholmer Moor fast ausschließlich angewandte Methode war das Torfbacken in Holzformen. Der Torfbauer holte Stücke aus der Tiefe der Moorkuhle. Das war körperlich schwere Arbeit. Die Bäuerin und die Kinder mischten den Torf mit Moorwasser zu einem Torfbrei, der in eine Holzkarre geschaufelt und zum Auslegeplatz gekarrt wurde. Der Brei wurde in Formen fest verstrichen und zum Trocknen ausgelegt. Waren sie fest, wurden sie gewendet und zu kleinen Haufen gestapelt, damit der Wind die Soden weiter trocknete. Das dauerte vier bis sechs Wochen. Danach wurden die getrockneten Torfsoden zu 1000 Stück, zu einem Klot, zusammengeworfen und abgefahren, damit die Moorfläche für eine weitere Torfernte genutzt werden konnte. Gut 4000 Soden schafften die Torfbauern an einem Tag.

Lohnender und kräftesparender war die Torfgewinnung mit einer Ketschermaschine. Mit ihr wurde der Torf bis zu fünf Meter tief aus der Kuhle herausbefördert, mit Moorwasser vermischt und über eine Holzform mit 72 Fächern ausgegossen und verstrichen. Dann wurde die Form für eine neue Fuhre umgelegt. Der Trocknungsvorgang war der gleiche. Mit dieser Methode brachte es eine gute Torfbackmannschaft auf gut 10.000 Torfsoden pro Tag. Ein Haushalt brauchte rund 12.000 übers Jahr. Ein Klot kostete 1953 rund 23 Mark.