Geschichte in Geschichten

Brunsbüttel Klaus Schlichting und Andreas Jakob Dienstag, 23. November 2021



Auch in diesem Jahr brachte sich der Verein für Brunsbütteler Geschichte aktiv in das Geschehen zum Volkstrauertag ein und hat es nicht bei einer Kranzniederlegung belassen.

Zehn Personen folgten der Einladung des Vereins ins Heimatmuseum am Markt in Brunsbüttel-Ort, um ab 15 Uhr an einer kleinen Veranstaltung, die mit abschließenden Gesprächen bei Kaffee und Kuchen endete, teilzunehmen. Zuvor fanden Lesungen verschiedener Texte statt, die von den Vorstandsmitgliedern vorgetragen wurden. Zwischendurch folgten Lieder, die Rolf Hein mit seiner Gitarre dem Anlass entsprechend vortrug.

In seiner Ansprache zur Begrüßung erinnerte Vereinsvorsitzender Heinrich Voß an die Schrecken und Grausamkeiten des Krieges. Johannes Wöllfert las einen Bericht von Esther Bejanaro „Als der Krieg zu Ende war“, eine Geschichte von der Teilnahme am sogenannten Todesmarsch aus dem KZ Ravensbrück, in dem die Autorin gefangen gehalten wurde, ihre Aufnahme durch die Amerikaner, der Hoffnung auf ein neues Leben und von den ersten Schritten in eine ungewisse Zukunft. Kristin Liffers trug den Inhalt zweier Briefe vor, die deutsche Soldaten während des Zweiten Weltkrieges aus Russland an ihre Angehörigen schrieben. Vor allem machte den Soldaten im Zweiten Weltkrieg die unerbittliche Kälte so sehr zu schaffen, dass unmenschliche Handlungen stattfanden, um nicht zu erfrieren.

Gerhard Moormann erinnerte mit seinem Vortrag an eine Rede der Bundeskanzlerin zur Notwendigkeit des Volkstrauertages sowie an vergangene Kriege in Afghanistan. Die erste Auseinandersetzung fand von 1839 bis 1842 statt, als das britische Empire versuchte, seine Vormachtstellung in diesem Raum zu sichern und die russischen Expansionsbestrebungen zu unterbinden. Dazu wurde das 1857 verfasste Gedicht Theodor Fontanes „Das Trauerspiel von Afghanistan“ vorgelesen. Anschließend las Andreas Jakob die Erinnerungen an die Fliegeralarme, Ernährungsprobleme und Erfahrungen von Ursula Hinz, einer ehemaligen Einwohnerin von Brunsbüttel-Süd aus den Jahren 1944 bis 1945 vor.

Es folgten Passagen aus dem Buch „Der Sturm“ des Journalisten und Historikers Guido Knopp mit Berichten schrecklicher, aber auch menschlicher Taten während der Eroberung Königsbergs im Zweiten Weltkrieg. Es waren zwei Berichte von Zeitzeugen der deutschen und russischen Seite über Ereignisse, die dort vom 6. bis zum 9. April 1945 stattfanden. Die Teilnehmer erfuhren von der Erhängung deutscher Deserteure, die die Sinnlosigkeit des Krieges erkannten und von der Ermordung 800 jüdischer Häftlinge aus dem Lager Stutthoff am Strand von Palmnicken. Johannes Wöllfert las danach eine selbst erlebte Erinnerung aus seiner Kindheit vor, die sich während seines Aufenthalts bei seinen Verwandten in Potsdam zugetragen hat. Er wurde dorthin geschickt, weil sein Leben bei einem Verbleib in Ostpreußen gefährdet war, denn seine Heimat wurde 1945 von der russischen Armee überrollt.

Den Schluss bildete Heinrich Voß mit der Vorlesung der Kriegserinnerungen des Brunsbütteler Küfers Heinrich Kraft, der noch als Schüler von der Schulbank weg als Luftwaffenhelfer auf der Mole vier zur Sicherung des Nord-Ostsee-Kanals eingesetzt wurde. Sogar nach der Bombardierung Hamburgs mit dem dadurch entfachten Feuersturm hat man ihn und seine Mitschüler dorthin gefahren, um Aufräumarbeiten zu leisten. Die Bilder der Toten dort hat Heinrich Kraft nie vergessen können. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle einig, diese Veranstaltung auch im kommenden Jahr stattfinden zu lassen. Der Verein würde sich über eine regere Beteiligung freuen.