Beruf & Bildung

Fischwirte: Arbeitskräfte sind stets gefragt

Heide (rd) Meeresrauschen, Freiheit und Abenteuer. Ein Leben, das sich wohl jeder wünschen würde. Tatsächlich sind es gerade einmal neun junge Menschen, die sich im letzten Jahr für die Ausbildung zum Fischwirt in der Küstenfischerei entschieden haben. Die Zahlen halten sich zwar stabil, aber auf eher niedrigem Niveau.

Die Betriebe in der kleinen Küsten- und Hochseefischerei haben es nicht leicht, ihre wenigen freien Plätze zu besetzen. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Job ist körperlich belastend, er findet bei jeder Witterung statt und die Arbeitszeiten sind anders als in den klassischen Berufen an Land.

Die Abhängigkeit von den Gezeiten und die unterschiedlichen Entfernungen zu den Fanggründen verlangen jedoch große Flexibilität. Die Krabbenkutter und ihre Besatzungen sind häufig mehrere Tage ohne Unterbrechung auf See. Daran schließen sich dann aber entsprechend freie Tage an Land an.

Jörg Stelzer ist Berufsberater bei der Heider Arbeitsagentur. Er kann sich vorstellen, dass sowohl die schwere Arbeit als auch die Ferne des persönlichen Umfelds zwei wichtige Faktoren sind, die junge Menschen von einer Ausbildung zum Fischwirt abhalten. „Wir haben zum nächsten Ausbildungsbeginn sieben offene Stellen, bekommen aber keine Bewerber.“ Grund dafür ist aus seiner Sicht aber auch die fehlende Bekanntheit des Ausbildungsberufes.

Man solle übrigens nicht denken, wenn man gerne angelt, könne man automatisch auch fischen. „Fischwirt ist ein richtig harter Job. Man darf ihn nicht wegen des Geldes machen, sondern weil man ihn mag.“ Es scheint nicht immer die Sonne und der Arbeitsplatz bewegt sich ununterbrochen. „Ohne Herzblut kommt der Punkt, an dem man keine Lust mehr hat und nach Hause will. Gerade, wenn man erst 16 Jahre alt ist.“

Der Weg zum Fischwirt führt über eine dreijährige duale Ausbildung. Diese erfolgt in anerkannten Fischerei-Unternehmen. Der in Dithmarschen interessante Hafen ist Büsum. Rund 20 Betriebe sind im Nordseeheilbad ansässig, deren Mitarbeiter sich auf Krabbenfang und -verarbeitung spezialisieren. Außerdem besuchen die Azubis die Berufsschule, die überregional in Blockform für alle niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Auszubildenden in Rendsburg stattfindet.

Ist die Lehrzeit erfolgreich absolviert, geht es über die Tätigkeit in einem Fischereibetrieb häufig zum Nautischen Befähigungszeugnis Küstenfischerei (Nautiker BKü) und in die Meisterfortbildung, um selbst Kutter fahren zu können, auszubilden und sich mit eigenem Schiff selbstständig zu machen.

Jörg Stelzer weiß aus Erfahrung: „Fischwirte stehen mit Leib und Seele hinter ihrem Beruf.“ Neben den fachlichen Inhalten seien soziale Kompetenzen von hoher Bedeutung. „Man arbeitet in einer kleinen Mannschaft auf engem Raum. Um miteinander auszukommen, ist Teamfähigkeit gefragt.“

Detlef Nowatzke kennt das Geschäft schon viele Jahre. Als Arbeitsvermittler ist er für den Arbeitgeber-Service Westholstein der Arbeitsagentur unterwegs. Er ist von den Vorteilen des Berufs überzeugt: „Er hat viele Freiheiten, man ist draußen in der freien Natur, auf dem Wasser. Wer das mag und Lust auf Seefahrt hat, der sollte es ausprobieren.“ Der Branchenexperte empfiehlt allen Interessenten, vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum zu absolvieren: „Man hat einen ersten Einblick in den Beruf.“

Auch wenn die wirtschaftliche Situation der Fischerei Schwankungen unterworfen sei, sind Arbeitskräfte stets gefragt. „Es ist ein gut bezahlter Beruf“, betont Detlef Nowatzke. „Die Heuer schneidet im Vergleich zum Einkommen in anderen handwerklichen Tätigkeiten nicht schlechter ab.“