Beruf & Bildung

Fotografen-Ausbildung: Technik lässt sich lernen – Talent muss man mitbringen

Heide (eh) Fotografieren kann jeder. Wirklich jeder? Fotografenmeisterin Nikola Stege hält entgegen: „Wenn jeder professionell fotografieren könnte, wozu wäre dann die 3-jährige Fotografenausbildung nütze?“

Tatsächlich kann jeder Fotos mit der Kamera oder dem Handy machen. Eben mal so, aus dem Stand heraus. Ein Knopfdruck genügt. Klack. Und sehr viele Fotos, die so entstehen, sind gar nicht mal schlecht. Nikola Stege verdeutlicht den Unterschied zwischen einem Amateur und einem Fotografen, der diesen Beruf gelernt hat: „Wir sagen der Kamera, wie das Bild, das wir im Kopf haben, aussehen soll. Der Amateur freut sich, wenn die Kamera ein gutes Foto macht.“

Lichtbildner – so hat sich der Großvater von Nikola Stege noch genannt. Eine durchaus passende Bezeichnung für den Fotografenberuf, denn der feinfühlige Umgang mit dem vorhandenen Licht, die optimale Belichtung und die Kontrastbewältigung sind wesentliche Elemente eines guten Fotos. Je komplexer oder spektakulärer die Lichtverhältnisse sind, desto mehr kommt es auf das technische Können des Fotografen an. Die Beherrschung der Kameratechnik ist ein wesentliches Themenfeld in der Fotografenausbildung. Auflösung, Pixel, Sensorgröße: Das alles lässt sich aber lernen.

Das Auge fürs Motiv

Was sich hingegen nicht lernen lässt, sondern einem in die Wiege gelegt worden ist oder auch nicht, ist das Auge für das Motiv. Es kann geschärft werden, sicher. Aber das letzte bisschen, das den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Foto ausmacht – das ist künstlerisches Talent. Nach ihren Lieblingsfotografen befragt, nennt Nikola Stege die Namen Peter Lindbergh und Jim Rakete. Zwei der ganz, ganz großen Ausnahmefotografen unserer Zeit und zwei Männer, die die hohe Kunst beherrschen, „die Seele zu fotografieren“, wie Nikola Stege es respektvoll ausdrückt.

Doch zurück zum klassischen Handwerk vor Ort. Manche Menschen führt es erst über Umwege zum Traumberuf Fotograf oder Fotografin. Wie die gelernte Erzieherin Kathrin Schmidt. Sie durchläuft bei Nikola Stege derzeit eine Umschulung zur Fotografin. „Kathrin hat großes Talent“, wird ihr von Nikola Stege attestiert. Bei der Heider Fotografenmeisterin hat auch Sophie Jordan ihre Lehre absolviert. Sie legt derzeit zwar eine kleine Babypause ein, ist aber immer gerne bereit, in Nikola Steges Fotostudio fotogenic einzuspringen. Fünf Lehrlinge hat „Nicky“ Stege bisher ausgebildet.

„Die Ausbildung hat es in sich“, sagt sie. Sie selbst habe kaum eine Chance gehabt, einen anderen Beruf zu ergreifen. „Wenn der Opa und die Oma beide Fotografen sind ....“

Was sollte man für eine Fotografenausbildung unbedingt noch mitbringen? „Empathie“, sagt Nikola Stege. In der Hochzeits- und Portraitfotografie, die ein weites Feld im Beruf ausmachen, sei es enorm wichtig, die Menschen locker zu bekommen. Ihnen ein Lächeln zu entlocken. „Man darf keine Angst haben, sich hinter der Kamera notfalls auch mal ein wenig verrückt zu geben. Die Hauptsache ist, am Ende steht eine gute Aufnahme.“

Es gibt verschiedene Zugangswege zum Fotografenberuf: 1. die klassische dreijährige Ausbildung; 2. die Möglichkeit, eine private Fotoakademie (zumeist für die Werbefotografie) zu besuchen; 3. ein Fotografie-Studium mit Bachelor-Abschluss oder 4. der Schwerpunkt Fotografie im Studiengang Grafikdesign.