Beruf & Bildung

Milchtechnologen: Herrn und Frau „Meier“ über die Schulter geschaut

(ib) Obwohl der Name „Meier“ weit verbreitet ist – der Beruf, der aus Rohmilch feine Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Butter und Käse herstellt (frühere Bezeichnung Meierist), ist in Vergessenheit geraten. Völlig zu Unrecht. Wir waren in der Feinkäserei Sarzbüttel und haben den Fachleuten über die Schulter geschaut.

Vanessa Dabelstein ist im zweiten Lehrjahr. Als Abiturientin hätte sie ihre Lehre abkürzen können. Das kam aber nicht in Frage für sie: „Wir haben themenbezogene Lehrjahre“, erklärt sie ihre Entscheidung. „Milch, Joghurt, Butter und Käse – wenn ich abgekürzt hätte, wäre mir eines davon verloren gegangen.“ Sie möchte für ihre weitere berufliche Karriere breit aufgestellt sein.

Auf den Lehrberuf des Milchtechnologen bzw. der Milchtechnologin können weitere Qualifikationen aufgesattelt werden. So hat es Tobias Klinck gemacht. Er besuchte zwei Jahre lang eine der beiden Technikerschulen in Kempten im Allgäu und ist nun Ausbilder in Sarzbüttel. Seine Berufsbezeichnung lautet „Techniker für Milchwirtschaft und Molkereiwesen“. Aber wie in allen Ausbildungsberufen ist auch ein Meistertitel möglich. Dann ist man Molkereimeister. Wer ganz nach oben möchte und Abitur hat, der kann im Anschluss an die Lehre selbstverständlich studieren. Bachelor und Master in der Lebensmitteltechnik, Fachbereich Milchwirtschaft, lauten die angestrebten Abschlüsse.

Mit einer Ausbildung in einer Molkerei stehen den Gesellen und Gesellinnen Tür und Tor in der Lebensmittelbranche offen. Der Beruf ist zwar weitgehend mit Männern besetzt, aber inzwischen haben sich rund 20 Prozent Frauen auch hier etabliert. Eingangsvoraussetzung ist der Mittlere Schulabschluss – vor allem wegen des Aufwands, der in der Berufsschule nötig ist. „Aber wir nehmen auch engagierte Schulabgänger mit Erstem Allgemeinen Schulabschluss“, betont Geschäftsführer Bernd Stöfer.

Die Arbeitsfelder sind von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. „Bei uns ist der Vorteil, dass wir sehr nah am Produkt sind“, betonen Tobias Klinck und Vanessa Dabelstein einmütig. Die Käse in der Feinkäserei erfordern viel Handarbeit. Die Käseleiber werden von Hand abgebraust, gebürstet, gebadet, auf Wagen durch die Reifekeller geschoben und schließlich einzeln in ihre Folien eingewickelt. Aber genau das schätzen die Milchtechnologen und Milchtechnologinnen des Betriebs besonders.

In Sarzbüttel ist es Voraussetzung, dass die Anwärter und Anwärterinnen ein Praktikum machen, bevor ein Lehrvertrag unterschrieben wird.