Beruf & Bildung

Neues Kurzarbeitergeld seit Dezember 2020 – Was hat sich geändert?

Die Corona-Pandemie stellt nicht zuletzt Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor eine große Herausforderung. Um die Belastungen während der Krise so gut wie möglich abzufedern, wurden Sonderregelungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld erlassen. Viele davon wurden bis Ende des Jahres 2021 verlängert. Wir zeigen, was jetzt für Betroffene gilt.

Im Zuge der Corona-Pandemie wurde im Frühling 2020 ein Gesetz zur Erleichterung der Kurzarbeit erlassen. Durch dieses sollen Unternehmen und Beschäftigte bei Arbeitsausfällen finanziell entlastet bzw. unterstützt werden. Ende letzten Jahres wurde mit dem Gesetz zur Beschäftigungssicherung beschlossen, die im März 2020 getroffenen Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld bis Ende des Jahres 2021 zu verlängern. Was heißt das für die Beschäftigten? Wir stellen die getroffenen Sonderregelungen vor und zeigen, auf was sich Bezieher von Kurzarbeitergeld jetzt einstellen müssen.

Was hat es mit dem Kurzarbeitergeld auf sich?

Kommt es in einem Unternehmen zu einem vorübergehenden erheblichen Arbeitsausfall, stehen Arbeitgeber vor der Entscheidung, ob sie einen Teil ihrer Mitarbeiter entlassen. In diesen Fällen kann von der Agentur für Arbeit gezahltes Kurzarbeitergeld als teilweisen Ersatz für den entfallenen Lohn dienen. Die Entlastung von betroffenen Unternehmen soll es diesen erleichtern, ihre Arbeitnehmer weiterhin zu beschäftigten. Kündigungen können so oftmals vermieden werden.

Diese Regelungen zum Kurzarbeitergeld gelten aktuell

Sowohl bei Unternehmen als auch bei deren Beschäftigten sorgt die Corona-Pandemie für große Unsicherheit. Um Arbeitsplatzabbau zu verhindern, hat der Gesetzgeber die KUG-Regelungen angepasst. Nachfolgende befristete Erleichterungen sollen bis zum 31. Dezember 2021 gelten.

Berechnungsfrist für Beantragung des Kurzarbeitergelds: 

In der Regel erhalten Beschäftigte in Kurzarbeit 60 Prozent bzw. 67 Prozent (mit Kind) ihres während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettoentgelts. Ab dem vierten Bezugsmonat erhöht sich das Kurzarbeitergeld auf 70 Prozent bzw. auf 77 Prozent für Beschäftigte mit mindestens einem Kind. Wird das Kurzarbeitergeld für mindestens 7 Monate gezahlt, erhöht es sich nochmals auf 80 Prozent bzw. auf 87 Prozent (mit Kind). Wichtig: Die Erhöhung des Kurzarbeitergeld-Satzes gilt nur dann, wenn das Kurzarbeitergeld spätestens erstmalig im März 2021 bezogen wurde.

Längerer Bezug von Kurzarbeitergeld möglich: 

Auch die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld wurde angepasst. Dank neuer Verordnung können Betroffene nun statt regulär 12 bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld erhalten. Diese Regelung greift in Betrieben, welche die Kurzarbeit bis zum 31. Dezember 2020 eingeführt haben. Verlängert werden kann das Kurzarbeitergeld jedoch höchstens bis zum 31. Dezember 2021.

Weiterbildung während der Kurzarbeit fördern lassen: 

Möchte man während Kurzarbeit eine Weiterbildung absolvieren, kann man diese in vielen Fällen von der Bundesagentur für Arbeit fördern lassen. Zum Beispiel können die Sozialversicherungsbeiträge unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden. Aber auch ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt ist möglich. Speziell gefördert werden aktuell berufliche Weiterbildungen, die während der Kurzarbeit begonnen haben und mehr als 120 Stunden dauern. Außerdem muss die Maßnahme selbst als auch der Träger zugelassen sein. Das Land Berlin unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Weiterbildungen zusätzlich mit einer Weiterbildungsprämie von 250 Euro. Nähere Informationen gibt es beim Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit unter der Telefonnummer 0800-555520.

Erleichterte Zugangsvoraussetzungen: 

Während der Corona-Pandemie wurden erleichterte Bedingungen für den Erhalt von Kurzarbeitergeld geschaffen. Für Betriebe, welche die Kurzarbeit bis zum 30. Juni 2021 eingeführt haben, gilt nun eine Verlängerung. Die geschaffenen Zugangserleichterungen wie Mindesterfordernisse und negative Arbeitszeitsalden gelten nun bis zum 31. Dezember 2021. Darüber hinaus wurde die Öffnung des Kurzarbeitergeldes für Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer bis zum 31. Dezember 2021 verlängert. Grundvoraussetzung ist, dass die Kurzarbeit in der jeweiligen Zeitarbeitsfirma bis zum 30. Juni 2021 eingeführt wurde. Zu den erleichterten Zugangsvoraussetzungen für Kurzarbeitergeld gilt bis zum 31. Dezember 2021,

• dass mindestens 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind (vorher: mindestens ein Drittel) 

• dass vor der Zahlung von KUG keine Minusstunden aufgebaut werden müssen, sofern bis zum 30. Juni 2021 mit Kurzarbeit begonnen wurde

Kein Kurzarbeitergeld für Minijobber: 

Von den vereinfachten Bedingungen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld ausgeschlossen sind geringfügig Beschäftigte, also Minijobber auf 450-Euro-Basis. Unternehmen können Kurzarbeitergeld nur für sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beantragen. Diese Regelung gilt unverändert weiter.

Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge verlängert: 

Die in der ersten Verordnung eingeführte vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge während Kurzarbeit wurde bereits im letzten Jahr verlängert. Neu ist, dass Sozialversicherungsbeiträge vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2021 zu 50 Prozent erstattet werden, sofern bis zum 30. Juni 2021 mit der Kurzarbeit begonnen wurde. Damit während der Pandemie die Weiterbildung nicht zu kurz kommt, gibt es für Betriebe nun ein interessantes Angebot. Alle Betriebe, die bis zum 30. Juni 2021 Kurzarbeit eingeführt haben und ihre Mitarbeiter während der Kurzarbeit qualifizieren, können die Sozialversicherungsbeiträge weiterhin bis zu 100 % erstattet bekommen. Besteht Interesse an einer Weiterbildung, haben Beschäftigte immer die Möglichkeit, aktiv auf ihren Arbeitgeber zuzugehen und mit diesem über ihren Qualifizierungswunsch zu sprechen. Insbesondere dann, wenn die Arbeitszeit enorm gekürzt wurde, kann zum Beispiel eine Weiterbildung mit einem Teilzeitstudium Sinn machen.

Nebenbeschäftigung während Kurzarbeit: 

Das Kurzarbeitergeld soll helfen, finanzielle Engpässe zu überbrücken und gleichzeitig verhindern, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern kündigen müssen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Beschäftigte in Kurzarbeit müssen trotz durchgeführter Erhöhung mit weniger Entgelt zurechtkommen. Deswegen haben sie die Möglichkeit, einer Nebenbeschäftigung nachzugehen. Beim Hinzuverdienst während Kurzarbeit gilt, dass dieser anrechnungsfrei ist. Auf die Höhe des Kurzarbeitergelds hat die Nebenbeschäftigung also keinen Einfluss. Allerdings gilt diese befristete Hinzuverdienstregelung nur bis zum 31. Dezember 2021.

Steuererklärung oft verpflichtend: 

Auch wenn das Kurzarbeitergeld selbst steuerfrei ist, unterliegt es dem Progressionsvorbehalt. Es ist durchaus möglich, dass Bezieher von Kurzarbeitergeld eine Steuernachzahlung erwartet. Diejenigen, dessen Kurzarbeitergeld 410 Euro im Jahr übersteigt, sind dazu verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. Bei der Steuererklärung für 2020 gilt als Stichtag der 2. August 2021. Normalerweise muss die Steuererklärung bis Ende Juli eines jeden Jahres abgegeben werden. Weil der 31. Juli 2021 jedoch auf einen Samstag fällt, gibt es dieses Jahr eine Ausnahme. Übrigens gilt die Ende-Juli-Frist nur dann, wenn man seine Steuererklärung allein macht. Beauftragt man einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein, bekommt man sieben Monate länger Zeit.

Online-Anträge jetzt auch ohne Registrierung: 

Für eine erleichterte Antragsstellung seitens des Arbeitgebers soll eine kleine Veränderung sorgen: KUG-Anzeigen und -Anträge können der Bundesagentur für Arbeit nun auch ohne Registrierung online mitgeteilt werden. Anzeigen, Anträge und Dokumente können sowohl online als auch via App direkt hochgeladen werden. Eine vorherige Anmeldung bei den eServices ist nicht mehr erforderlich.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/photos/arbeitsamt-arge-jobcenter-nürnberg-2157225/