Beruf & Bildung

Nicht bloß „irgendwas mit Medien“

Es dem Weltklasse-Reporter Egon Erwin Kisch gleich zu tun und um die Welt zu reisen, immer auf der Suche nach der großen Story, oder wie Günther Jauch eine steile Karriere im Fernsehen zu machen, scheint verlockend. Doch der Weg dorthin ist hart und schon der Ausgangspunkt bisweilen nicht leicht zu finden.

In Deutschland ist die Ausbildung zum Journalisten nicht einheitlich geregelt. Im Gegensatz zu einer „normalen“ Ausbildung oder einem Hochschulstudium führen im Journalismus viele Wege zu einem Abschluss als Journalist. Wer allerdings glaubt, mit diesem Beruf viel Geld verdienen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt. Immer mehr deutsche Redaktionen werden bereits seit einigen Jahren zusammengelegt und von freien Journalisten mit Nachrichten bedient. Trotzdem lohnt sich der Beruf des Journalisten allemal.

Der erste wichtige Schritt auf dem Weg zum Traumjob führt über eine Hospitanz oder ein Praktikum. Das dauert in der Regel zwischen ein bis drei Monaten. Der angehende Medienmacher lernt hier, wie eine Redaktion funktioniert und kann danach oftmals sogar erste Arbeitsproben vorweisen. Wer seine Sache gut macht, erhält nach dem Praktikum nicht selten die Möglichkeit einer freien Mitarbeit.

Die Mitarbeit in einer Schülerzeitung oder praktische Erfahrungen, die man bei einem Offenen Kanal machen kann, erhöhen die Chance, einen der begehrten Plätze zu bekommen.

Auch wenn ein Studium nicht zwingend erforderlich ist (einen vorgeschriebenen Ausbildungsweg gibt es für den Beruf des Journalisten nicht) wird ein Hochschulabschluss mittlerweile von nahezu allen größeren Verlagen und Rundfunkanstalten verlangt. Dabei bieten Fachrichtungen wie etwa Jura, Medizin oder Naturwissenschaften sogar bessere Einstiegsmöglichkeiten als ein klassisches Journalistikstudium. Denn nicht nur Fachzeitschriften suchen immer häufiger Redakteure, die über ein bestimmtes Spezialwissen verfügen, das ein allgemein ausgebildeter Journalist oftmals nicht vorweisen kann.

Wer sich nach dem Fachstudium im Schreiben noch unsicher fühlt, kann ein drei- bis viersemestriges Aufbaustudium „Journalismus“ anschließen, das von verschiedenen Universitäten in Deutschland angeboten wird. Die Plätze sind begehrt und ein gewisser Nachweis an eigenen – möglichst veröffentlichten - Produktionen daher hilfreich. Noch wichtiger sind die während des Studiums gemachten Praxiserfahrungen und Kontakte. 80 Prozent der Volontäre und Journalistenschüler haben studiert.

Journalistenschulen gelten als hoffnungsvollste Kaderschmieden in der Medienlandschaft, da hier ausgesprochen praxisnah ausgebildet wird. Allerdings sind die freien Plätze der wenigen renommierten Schulen in Deutschland heiß begehrt: Mehr als 1000 Bewerbungen gehen jährlich bei einer der vier großen Journalistenschulen in Hamburg, München, Berlin und Köln ein. Von den Bewerbern werden pro Schule gerade mal etwa 100 zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, von denen letztlich nur circa 40 einen der begehrten Ausbildungsplätze auf einer der Schulen ergattern können.

Egal ob Akademiker oder nicht, nur wer die harte Aufnahmeprüfung – bestehend aus Wissenstests, Schreibproben und Gesprächen – meistert, hat eine ausgezeichnete Chance, anschließend eine Stelle als Redakteur zu bekommen.

Der klassische Weg zum Redakteursberuf ist das Volontariat in der Redaktion einer Zeitung, Zeitschrift, eines Senders oder einer Agentur. Je nach Arbeitgeber dauert die Ausbildung, in der man die Abläufe einer Redaktion genau kennen lernt und verschiedene Ressorts durchläuft, zwischen 12 und 24 Monate.

Auch hier gilt: Es gibt viel zu lernen. Die Ausbildungsplätze sind begrenzt und daher begehrt. Schätzungen zufolge kommen auf jede Volontärsstelle etwa 100 Bewerber. So ist es nicht verwunderlich, dass nur ein kleiner Bruchteil es auf diese Weise in eine Redaktion schafft.

Im Zeitalter von Facebook, Blogs, Twitter und Co. ist es vor allem für digital versierte Nachwuchsjournalisten ohne klassische Ausbildung relativ leicht, den Quereinstieg in die Medienwelt zu schaffen. Denn die Zukunft des Journalismus lautet: Neue Medien. Wer sich einen Namen als Blogger gemacht hat oder sich auf sozialen Plattformen sicher bewegt, hat gute Chancen, die Zukunft der Medienlandschaft als Journalist aktiv mitzugestalten. Wer gar über spezifische Fachkenntnisse – sei es zu Themen wie Mode, Games oder auch das Kochen – verfügt, ist klassisch ausgebildeten Journalisten ohne ausgewiesenes Spezialgebiet einen Schritt voraus. Viele Verlage und Rundfunkanstalten greifen gerade im Bereich freier Autoren gerne auf stilsichere Schreiber mit fundiertem Expertenwissen zurück.

Bevor man sich also dazu entschließt, den Weg des Medienschaffenden einzuschlagen, sollte man sich diese Fragen stellen:

– Habe ich Schreibtalent beziehungsweise verfüge ich über ein ausgeprägtes Sprachgefühl?

– Bin ich belastbar (Journalisten arbeiten häufig zu ungewöhnlichen Zeiten und unter großem Termindruck)?

– Habe ich einen Blick fürs Wesentliche und schaffe ich es, in kürzester Zeit Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden?

– Verfüge ich über eine gesunde Neugierde und will ich immer mehr wissen als andere?

– Verfüge ich über soziale Kompetenzen?

– Ist meine Leidenschaft für den Beruf so groß, dass ich eventuell auch auf die Sicherheiten einer Festanstellung – vor allem in finanzieller Hinsicht – verzichten kann?

Bei allem gilt: Ohne überzeugende Arbeitsproben kein Praktikum. Ohne Praktikum kein Volontariat. Und wer an den Journalistenschulen angenommen werden will, muss den Einstellungstest bestehen. Um Arbeitsproben zu sammeln, sollte man nichts unversucht lassen. Das kann bei der Schülerzeitung sein, beim örtlichen Anzeigenblatt oder einem Bürgerradio.
Auch Hobbyzeitschriften sind eine Möglichkeit. Den Zuschlag für ein Volontariat erhält, wer das aussagekräftigste Bild von sich liefern kann. Das sind in der Regel langjährige freie Mitarbeiter des Blattes oder Senders, die zumeist neben dem Studium schreiben. Alternative Einsatzbereiche in der Medienlandschaft sind zum Beispiel PR-Agenturen oder die Unternehmenskommunikation in mittelständischen und großen Unternehmen. (gub)