Digitales

Mini-Drohnen sind mehr als ein Spielzeug

Einmal die Welt von oben sehen? Mit Mini-Drohnen geht das ohne große praktische und rechtliche Hürden zu erschwinglichen Preisen. Einfach draufloskaufen und -fliegen sollte man aber trotzdem nicht.

Bonn (dpa/tmn) – Seit Jahren summt es am Himmel. Weltweit und auch über Deutschland. Drohnen in allen Größen fliegen über Wiesen und Wälder, manchmal zum Leidwesen von Erholungssuchenden. Inzwischen ist der Betrieb der unbemannten Fluggeräte umfangreich reglementiert. Kleine Kopter bis 250 Gramm darf man aber auch ohne Führerschein fliegen.

«Die kleinen Modelle haben den Charme, dass sie das Reisegepäck kaum belasten und auch im Rucksack für Spaziergänge und Wanderungen noch einen Platz finden», sagt Christopher Rohe vom Deutschen Modellflieger Verband (DMFV). Die Qualitätsunterschiede sind aber gewaltig. «Je günstiger ein Modell ist, desto weniger Funktionen», fasst Rohe zusammen. «Das beginnt bei Flugmodi und hört bei der Bildqualität auf.»

Ohne GPS und Automatik wird es schwer

Billige Modelle gibt es schon für unter 100 Euro. Die haben aber oft miese Kameras, außer zu Dokumentationszwecken taugen die Bilder nicht viel. Außerdem fehlen hier vielfach praktische Funktionen wie die selbstständige Rückkehr zum Ausgangspunkt, also zum Piloten oder zur Pilotin, oder das automatische Verfolgen von Personen und Objekten. Für viele solcher Features ist nämlich ein GPS-Modul nötig, an dem gerne gespart wird. Ohne GPS und Automatik-Funktionen wird das Steuern zudem zur Herausforderung.

Wer gute Flugfunktionen und eine gute Kamera will, ist schnell bei 300 Euro und mehr, sagt Robert Brandt von der Stiftung Warentest. Dazu kommen Kosten für Ersatz-Akkus und Zubehör. Für hochwertige Fotos ist ein Gimbal Pflicht. «Dieser hält die Kamera stabil und sorgt für ruhige Bilder», erklärt Brandt. Die Flugdauer liege bei etwa 10 bis 20 Minuten. Ein Ersatz-Akku bewahrt also davor, schon nach wenigen Aufnahmen wieder den Heimweg antreten zu müssen.

250 Gramm sind die magische Grenze

Für erste Flugübungen taugen die Mini-Drohnen so oder so. Manche sind so klein, dass sie auf eine Hand passen. Solche Winzlinge haben in der Luft aber ihre Probleme. «Wind und Hindernisse machen es den Kleinen oft schwer», sagt Brandt. Schwerere Drohnen sind zwar generell nicht so anfällig für Windböen und andere Widrigkeiten. Wer keinen Drohnenführerschein machen will, muss unter der Grenze von 250 Gramm bleiben.

Notwendig für Drohnen dieser sogenannten Klasse C0 dann nur eine Betreiber-Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt. Die entsprechende Nummer muss außen an der Drohne angebracht werden, bevor sie das erste Mal in die Luft steigt. Auch eine Drohnenversicherung ist in Deutschland vorgeschrieben. Wer das Flugobjekt nur privat nutzt, ist mit der Haftpflichtversicherung oft bereits geschützt, in vielen Tarifen sind die Fluggeräte eingeschlossen.

Einschränkungen beim Betrieb beachten

Weitere Einschränkungen gibt es dann beim Betrieb. So dürfen auch kleine Drohnen nicht höher als 120 Meter fliegen und nicht in der Nähe von Flughäfen oder über Menschenansammlungen starten. «Die Liste der nationalen rechtlichen geografischen Gebiete ist in Deutschland sehr lang», sagt Christoph May, der ein Drohnen-Fach- und Schulungszentrum betreibt. Für einen Überblick empfiehlt er die digitale Plattform für unbemannte Luftfahrt des Bundesverkehrsministeriums.

Basis für den Betrieb von unbemannten Fluggeräten ist eine EU-Verordnung. Auf nationaler Ebene finden sich in Deutschland alle relevanten Regeln dazu in der Luftverkehrsordnung und im Luftverkehrsgesetz, wo etwa die Höhen der Bußgelder bei Ordnungswidrigkeiten zu finden sind. Im Extremfall werden mehrere Zehntausend Euro fällig.

Und auch andere Länder sind nicht zimperlich, wenn es um Verstöße geht. Wer seine Drohne im Urlaub fliegen lassen möchte, sollte sich genau über die dort geltenden Regeln informieren.

Abstandsregelungen sind wichtig

In der Praxis heißt das: An belebten Plätzen scheitert der Einsatz häufig schon an den Abstandsregelungen zu Menschenansammlungen, sagt Christopher Rohe vom Modellfliegerverband. Sich im Urlaub vor Sehenswürdigkeiten oder am vollen Strand per Drohne filmen oder fotografieren zu lassen, fällt also eher flach.

Und auch Naturaufnahmen sind nicht ohne weiteres möglich. Naturschutzgebiete sind tabu, zu Fernstraßen, Bahnlinien und befahrenen Flüssen muss bis auf wenige Ausnahmen 100 Meter Abstand gehalten werden.

Vieles ist möglich - bis zum Eigenbau

Trotzdem sind die Einsatzgebiete für kleine Drohnen umfangreich. «Vom schönen Luftbild über kurze Videosequenzen bis hin zu Dokumentations- und Inspektionsflügen in technischen Bereichen» sei vieles möglich, sagt Drohnenexperte May. «Zum Beispiel, falls ein Handwerker eine Dachfläche optisch begutachten möchte, die nicht begehbar oder schwer erreichbar ist.»

Bekannte Hersteller sind beispielsweise Autel Robotics, DJI, Hubsan oder Ryze Robotics. Aber wer gerne bastelt, kann sich seine Drohne auch selbst bauen. Dafür gibt es Bausätze und eine Vielzahl von Anleitungen im Netz. «Wirklich Geld lässt sich damit nicht sparen», sagt Rohe. Das sei eher für Bastler interessant. Voraussetzung sind Grundkenntnisse in Mechanik, Elektronik und Computertechnik. Dann hält man vielleicht irgendwann seine erste Drohne Marke Eigenbau in der Hand.

© dpa-infocom, dpa:230118-99-266385/2