Freizeit & Touristik

Der Strandkorb und seine lange Historie

Der Strandkorb hat Kultstatus an Nord- und Ostsee. Inzwischen stellen ihn sich auch Stadtbewohner in den Garten. Jetzt nachlesen.

Die Geschichte des Strandkorbs

Weltweit ist Deutschland die Strandkorbnation Nummer eins. Während der Saison von April bis September werden rund 100.000 dieser praktischen Möbelstücke aufgestellt. An den Stränden von Nord- und Ostsee genießt der Strandkorb schon seit über einem Jahrhundert Kultstatus. Die Geschichte des Strandkorbs geht bis ins Ende des 16. Jahrhunderts zurück, nahm aber erst Ende des 19. Jahrhunderts an Fahrt auf.

Noch heute werden die begehrten Möbel zum Großteil in Handarbeit gefertigt. Online bei Strandkorb-Hanse.de oder im Gartencenter nebenan werden Strandkörbe in vielfältigen Formen und Variationen angeboten. Und so erliegen auch viele Stadtbewohner abseits der Meere dem Charme und die Absatzzahlen steigen. Doch wie kam es zu dieser Erfolgsgeschichte?

Vorläufer des Strandkorbs

Überdeckte Stühle mit hochgezogenem Rückenteil fanden erstmals 1595 in der Zunftordnung der Korbmachergilde Hamburgs Erwähnung. Die Möbel hatten die Funktion, in den kalten und großen Wohnräumen und Fluren der Bürger- und Bauernhäuser die Bewohner vor Zugluft zu schützen.

Vor allem in den Niederlanden und in Deutschland fanden sie Verwendung, auf Gemälden flämischer Maler wurde der Gebrauch festgehalten. Im 18. Jahrhundert fanden die überdeckten Stühle Eingang in die Schlösser auf den britischen Inseln. Es ist nicht bekannt, ob die Möbel vor 1870 außerhalb der Häuser aufgestellt wurden. In dieser Funktion sind überdachte Stühle erst mit dem Aufkommen der Kultur der Seebäder bekannt.

Erste Strandstühle in Seebädern

Mit der Gründung der ersten Seebäder in Heiligendamm und auf Norderney Ende des 18. Jahrhunderts ging eine Änderung der hiesigen Badekultur einher. Diese war eher medizinisch geprägt, ohne die Regelungen der Sittlichkeit zu missachten. Anfangs bestand das Strandmobiliar aus Badehütten, die nach dem englischen Vorbild aus Holz, Lehm oder Stroh gebaut wurden.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhren die Seebäder entlang der deutschen Küsten eine Öffnung hin zum Tourismus. Die Nachfrage nach Sitzgelegenheiten mit Meeresblick stieg an. Erste schriftliche Erwähnung fand der Strandstuhl in den Aufzeichnungen des Korbmachers Karl Freese (1871). Doch als Erfinder ging ein Kollege Freeses in die Geschichte ein.

Der erste Strandkorb

So suchte im Frühjahr des Jahres 1882 eine ältere Dame, die das Rheuma plagte, die Werkstatt des Rostocker Hof-Korbmachers Wilhelm Bartelmann auf. Sie wünschte sich eine Sitzgelegenheit, die sie bei ihrem Sommeraufenthalt am Strand von Warnemünde vor den Widrigkeiten des dortigen Klimas schützte. Bartelmann entwickelte daraufhin einen einsitzigen Strandstuhl aus einem Rohr- und Weidengeflecht und überzog ihn mit einem grauen Markisenstoff.

Die Erfindung erwies sich als voller Erfolg. Schon binnen kurzer Zeit wurde der Meister von anderen Badegästen aufgesucht, die sich für das neue Möbelstück interessierten. Bartelmann entwickelte den Strandkorb innerhalb kurzer Zeit weiter. So entstand ein Zweisitzer, der mit Fußstützen und Seitentischen ausgestattet war.

Der schnelle Aufstieg des Strandkorbs

Rasch verbreitete sich das praktische Gerät entlang der beiden Meeresküsten. Dieser Prozess kann aber nicht dem Erfinder zugeschrieben werden, der sich als Handwerker sah und dem der Geschäftssinn fehlte. Seiner Ehefrau Elisabeth Bartelmann jedoch wurde ein solcher in die Wiege gelegt. Schnell erkannte die Handwerkergattin, dass ein Verkauf saisonaler Artikel dieser Größenordnung nicht zum Erfolg führen konnte.

1883 eröffnete die rührige Dame in der Nähe des Warnemünder Leuchtturms einen ersten Strandkorbverleih und bot dort Strandkörbe zur Vermietung an. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gründete Frau Bartelmann weitere sechs Vermietungen entlang der Ostseeküste und belieferte zahlreiche Seebäder an der Nordsee.

Mit der Gründung zweier Fabriken für Strandkörbe brachten zwei ehemalige Gesellen Bartelmanns die Produktion in Schwung. Einer von ihnen, Johann Falck, entwickelte 1910 den zweiteiligen Strandkorb mit Bock und absenkbarer Haube, der bis heute als Prototyp für die Hersteller gilt. Mit der Zunahme des Fremdenverkehrs wuchs die Beliebtheit des Strandkorbs ständig.

Der Strandkorb für den Garten

Inzwischen werden Strandkörbe auch im Binnenland immer beliebter. Stadtmenschen stellen sich den trendigen Sessel auf die Terrasse oder in den Garten und holen sich damit das Urlaubsfeeling ins Haus. Denn auch abseits der Küsten erfüllt der Strandkorb seine Funktion. Er verlängert die Freiluftsaison um viele Wochen im Frühjahr und im Spätsommer, weil er vor Sonne, Wind und Regen schützt.

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