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Katar wirft deutschen Fußball-Fans Rassismus vor, nachdem diese die WM 2022 boykottieren wollen

Katar richtet die WM 2022 aus und die Positionen des Landes gegenüber LGBTQ+-Rechten und dem Einsatz von Sklavenarbeit sind zuletzt immer weiter in die Kritik geraten. In vielen westlichen Ländern wie Deutschland sind immer mehr Stimmen laut geworden, die einen Boykott der bevorstehenden Veranstaltung im arabischen Raum fordern. Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hat auf die Kritik reagiert, indem er die jeweiligen Länder als „arrogant“ und „Rassisten“ bezeichnete.

Im vergangenen Monat hatte Katar den deutschen Botschafter wegen der Bedenken seines Landes wegen Menschenrechtsverletzungen in Katar vorgeladen. In einem Gespräch mit den Medien beschuldigte Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani Deutschland der „Doppelmoral“. Er erinnerte die Menschen auch daran, dass die europäischen Länder kein Problem mit Katar hätten, wenn es um Energiepartnerschaften oder Investitionen ginge.

„Es ist ironisch, wenn dieser Ton in Ländern in Europa angeschlagen wird, die sich liberale Demokratien nennen. Das klingt ehrlich gesagt sehr arrogant und sehr rassistisch“, wurde der Minister gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert.

„Für einige scheint es schwierig zu sein, zu akzeptieren, dass ein kleines Land, ein kleines arabisches Land, die Fußballweltmeisterschaft ausrichten darf. Auch rassistische Klischees tauchen immer wieder auf. Doch das ist längst nicht überall so. Es gibt weniger als zehn Länder, aus denen solch scharfe Kritik kommt. Der Rest der Welt freut sich für uns. 97 Prozent der Tickets sind bereits verkauft. Das ist ein klares Zeichen“, hieß es weiter.

In einem weiteren Interview mit dem englischen Sender Sky News schlug der Minister zusätzlich auf die Kritiker, Pro-LGBTQ-Aktivisten und Menschenrechtsbeobachter ein. „Aus der Ferne zu predigen ist keine Lösung. Zum Boykott der Weltmeisterschaft aufzurufen oder diejenigen, die nicht zur Weltmeisterschaft kommen, ist am Ende des Tages ihre Entscheidung, aber warum sollte man den Menschen und der Öffentlichkeit die Teilnahme und den Genuss der Weltmeisterschaft vorenthalten“, sagte der Außenminister von Katar.

Unterdessen ist laut einer durchgeführten Umfrage eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland der Meinung, dass die Weltmeisterschaft aufgrund ihrer Position zu LGBTQ+-Rechten nicht in Katar stattfinden sollte. Laut der Umfrage sind 62 % der Deutschen der Meinung, Katars Haltung zu den Rechten Homosexueller hätte ausreichen müssen, um das Land von der Ausrichtung der Veranstaltung auszuschließen. Die FIFA scheint in diesem Punkt allerdings anderer Meinung zu sein.

Katar gewann das Recht, die Sommer-Weltmeisterschaft im Dezember 2022 allen Widrigkeiten zum Trotz bei 50 Grad Celsius auszurichten. Diese Tatsache allein sorgte bei der Vergabe 2010 schon für Stirnrunzeln bei den Experten, bevor die FIFA die Weltmeisterschaft zum ersten Mal in der Geschichte in den Winter verlegte, um die Spieler vor dieser Hitze zu schützen. Betrachtet man die unterschiedlichen Recherchen zur Vergabe der WM 2022, scheint Geld die Fußballwelt zu regieren. Was dies für die Zukunft des Fußballs bedeutet, wollen wir uns gar nicht ausmalen. Das Turnier wird nun vom 21. November bis 18. Dezember 2022 in dem kleinen arabischen Land ausgetragen. Die Favoriten für das Turnier sind Argentinien, Brasilien und Frankreich, wobei der amtierende Weltmeister Frankreich derzeit nicht in der besten Form zu sein scheint.

LGBTQ+-Rechte sind nicht das einzige Problem bei der Ausrichtung der Weltmeisterschaft in Katar. Darüber hinaus wurden Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von Sklavenarbeit und schlechter Arbeitsbedingungen im Golfstaat geäußert. Tausende Arbeiter sind Berichten zufolge bei der Arbeit an der Infrastruktur für die Weltmeisterschaft aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen gestorben. Die Beweise für diese schrecklichen Vorkommnisse liegen bereits seit langem vor. Leider hat die FIFA darauf nicht reagiert und auch in Katar scheint man kaum Einsehen zu zeigen.

Der Fußballverband FIFA, der Russland wegen der ukrainischen Invasion gesperrt hat, hat sich ebenfalls entschieden, all diese Menschenrechtsverletzungen zu ignorieren. In einer kürzlich veröffentlichten Presseerklärung hatte die FIFA die teilnehmenden Mannschaften aufgefordert, sich auf das Spiel zu konzentrieren, und das Turnier nicht zu politisieren.

Von der deutschen Nationalmannschaft und den Spielern hört man entsprechend wenig zu diesem Thema. Dabei würden sich viele Sportfans vermutlich eine klarere Haltung zu den Umständen wünschen. Von einigen kaum aussagekräftigen Wortmeldungen abgesehen, kam bisher nicht viel – wobei wahrscheinlich auch keine mehr zu erwarten sind.

Allerdings wäre es wünschenswert, wenn sich die teilnehmenden Nationen im Laufe oder am Ende des Turniers in einer gemeinsamen Aktion vereint zu diesem Thema äußern würden, um eine Botschaft zu senden. Anderenfalls muss man sich wohl kaum wundern, wenn die Weltmeisterschaft in Zukunft hauptsächlich an Länder vergeben wird, die Menschenrechte mit Füßen treten.

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