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Vom Mastermind hinter dem “größten” Raubüberfall zum TV-Experten

Es ist wie in einem Ocean’s Film: Schwerverbrecher wird als Schach-Experte im Fernsehen engagiert.

Magnus Carlsen machte Schach zum Nationalsport in Norwegen, David Toska zum Medien-Skandal. Denn der Schachexperte, der bereits in seiner Jugendzeit hochtalentiert war, nutzte seine Begabung auch für den sogenannten “NOKAS-Überfall”, der die NOKAS-Bargeldhandling um zehn Millionen Dollar erleichterte, Toska um elf Jahre seiner Freiheit raubte, und der für einen Polizisten fatal endete. Der Raubüberfall war in Norwegen so legendär, dass man ihn sogar verfilmte. Heiß war daher die Diskussion und die Empörung, als der Bewährling groß im Fernsehen rauskam.

Zu hoch gewettet

Mit einem der prestigeträchtigsten Schachturniere, dem “Tata Steel Chess”-Turnier, das dieses Jahr in den Niederlanden stattfindet, hat “TV2” mit Toska auf den falschen gelegt. Denn der Widerstand war, nicht zuletzt von betroffenen Polizisten, groß. Obwohl das Turnier erst begonnen hat schießen die Schlagzeilen in Norwegen bereits heftigst mit Bezeichnungen wie “Geschmacklos” und “Skandal” gegen “TV2”. Auch ein Sponsor beendete sofort die Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender.

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Die Stimmen der Betroffenen

Die Familien der Einsatzkräfte sowie die Mitarbeiter von NOKAS trugen neben Entschädigungen Traumata von dem Überfall mit. Ihre Stimmen scheinen verständlicherweise die lautesten zu sein. Man sei überrascht, dass die Medien vor Schwerverbrechern so niederknien, und es sei eine “kopflose Glorifizierung” von Verbrechern, die ihren Ruhm durch Straftaten erlangten.

Keine Absicht

Der “TV2”-Sportchef sei sich klar, dass es verschiedene Meinungen gibt, und rechtfertigte so seine Zusammenarbeit mit Toska. Auch den Moderatoren sei nicht der Mund geschürt; Fragen dürfen gestellt werden. Toska’s Anwalt hingegen spricht stärkere Worte, und zwar gegen den angeblich unnötigen Zynismus. Auch Toska selbst ist über die Entrüstung überrascht, denn er habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu irritieren. Diese Gelassenheit erinnert doch ein wenig an die Ocean’s Filme, in welchen ähnliche Straftaten mit Humor dargestellt werden.

Das Publikum entscheidet

Letztendlich sind es jedoch die Zahlen, die entscheiden werden ob Toska nun seine Karriere bei “TV2” weiterführen darf, auch wenn der Sportchef Toska’s Mitarbeit zu unterstützen scheint. Die Zuschauerzahlen waren schon vor der Aufregung durch die Decke gegangen: Schachsport ist beliebt. Werden sich die Zuschauer vor einem Ex-Häftling mit wiederholten schweren Verbrechen in der Tasche sträuben, oder werden sie darüber hinweg schauen?

Eines sollte in dem Trubel jedoch nicht untergehen; denn mit Magnus Carlsen steht Norwegen auf Platz eins.

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