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Deckmantel Corona sorgt für steigende Immobilienpreise in Schleswig-Holstein

Handwerker konnten während der Corona-Pandemie auch in Schleswig-Holstein teilweise überhaupt nicht arbeiten. Daher sind sie jetzt heißbegehrt, was auch zu steigenden Immobilienpreisen in Kiel, Lübeck oder Flensburg führt. Die Ursache hierfür sind die gestiegenen Modernisierungskosten, denn weil die Nachfrage nach kompetenten Handwerkern sprunghaft gestiegen ist, haben auch die Handwerkerkosten zugelegt. Manche Experten erwarten, dass die Immobilienblase bald platzt, wenn es sie denn tatsächlich gibt.

Handwerk als ein Faktor steigender Immobilienpreise 

Mit dem Lockdown kamen während der Corona-Pandemie ganze Wirtschaftszweige zum Erliegen und auch Handwerker waren natürlich betroffen. Sie hatten vor allem durch die Richtlinien hinsichtlich der einzuhaltenden Hygienemaßnahmen zu kämpfen und hinzu kamen Materialengpässe aufgrund unterbrochener Lieferketten.

Die dadurch gestiegenen Kosten haben die Handwerker in ihren Preisen berücksichtigt und auf die Kunden umgelegt. Um die finanziellen Ausfälle der Pandemie zu kompensieren, verzichten viele Handwerker bis heute auf eine Rückgängigmachung der damaligen Preiserhöhung. Sie erhielten zwar vom Staat finanzielle Unterstützung, diese kam allerdings erst spät und auch nur in einer Höhe, die die entstandenen Fehlbeträge nicht vollständig ausgleichen konnte.

Was ist eine „Immobilienblase“ und gibt es sie wirklich?

Von einer Immobilienblase sprechen Experten, wenn es zunächst zu stetig steigenden Preisen und einer Überbewertung von Immobilien kommt, die dann irgendwann in sich zusammenfällt bzw. zerplatzt, was zum massiven Absacken der Preise innerhalb kürzester Zeit führt. Die letzte weltweite Finanzkrise ab 2007 wurde unter anderem von einer solchen geplatzten Immobilienblase in den USA mitverursacht.

Die wichtige Frage für den Immobilienmarkt in Deutschland lautet, ob sich durch die immer weiter steigenden Preise für Immobilien auch bei uns eine solche Blase entwickelt hat. Die schon seit Jahren in immer neue Höhen steigenden Preise sprechen für das Entstehen einer Immobilienblase. Allerdings muss hier geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine Überbewertung handelt. Denn alle für eine Immobilienblase sprechenden Faktoren sind auf dem deutschen Immobilienmarkt nicht zu finden.

Die Nachfrage ist nicht gesunken, auch Banken geben immer noch bereitwillig Kredite und wer heute eine Immobilie besitzt, der weiß um Ihren Wert als Kapitalanlage und wird sie nicht vorschnell aus Angst vor finanziellen Einbußen veräußern, oder um ein paar Euro Gewinn zu machen. Jeder Eigentümer, der schon mal eine Immobilienbewertung in Schleswig-Holstein bei einem Immobiliensachverständigen in Auftrag gegeben hat und den Verkehrswert bzw. Marktwert seiner Immobilie kennt, ist sich bewusst, dass sein Eigentum in dieser Form beständiger ist, als Bargeld.

Wie regelt Schleswig-Holstein den Zuzug aus anderen Bundesländern?

Neuerungen hinsichtlich eines Zuzugs von Personen, etwa Familien oder Studierenden, gab oder gibt es in Schleswig-Holstein während er Corona-Pandemie lediglich im Hinblick auf beabsichtigte Immobilienbesichtigung sowie die Durchführung von Umzügen aus anderen Bundesländern nach Schleswig-Holstein. In beiden Fällen dürfen maximal 25 Personen (nicht mitgezählt werden Kinder unter 14 Jahren, vollständig Geimpfte sowie Genesene) teilnehmen bzw. helfen. Wer als Studierender nach Schleswig-Holstein kommt, erlebt die gleiche Situation wie in anderen Bundesländern, der Wohnraum ist knapp und kostenintensiv. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein bietet hier zuziehenden Studierenden Plätze in Wohnheimen und Wohngemeinschaften an. Übrigens zeigen von Schleswig-Holstein erhobene Statistiken, dass sich die Bevölkerungszahl auch im Corona-Jahr 2020 um 19.065 Personen erhöht hat. Dies bedeutete ein Plus im Vergleich zu 2019. Auch damit lassen sich die weiter steigenden Preise für zum Verkauf stehende Immobilien vor allem in den Ballungsgebieten von Schleswig-Holstein erklären. 

Welche Regionen sind Ballungsgebiete und warum? 

Als Ballungsgebiete wird laut Definition eine Konzentration von Siedlungen bezeichnet, die wiederum aus mehreren Gemeinden bestehen, welche miteinander wechselseitig verflochten sind und die sich durch eine dichtere Besiedlung von ihrer Umgebung abheben. Zudem zeichnen sich Ballungsgebiete durch einen deutlich höheren Anteil an Siedlungsfläche aus. Bezieht man diese Faktoren auf das Bundesland Schleswig-Holstein, dann gelten sie vor allem für die dicht besiedelten Regionen Kiel, Lübeck und Flensburg als in Handel, Verkehr, Tourismus, Schiffbau sowie der Windenergieerzeugung verankerte Hafenstädte an der Ostseeküste. Aber auch die eher strukturschwache, landwirtschaftlich und touristisch dominierte bzw. erneuerbare Energien herstellende Küste im Westen kann als Ballungsraum gewertet werden. Darüber hinaus gilt die Metropolregion Hamburg mit ihren Maschinenbau- und Dienstleistungsunternehmen als Großraum, in dem Kaufinteressenten nach Immobilien suchen. 

Corona lässt den Wunsch nach Freiheit wachsen 

Gerade durch die Erfahrung der weitreichenden Beschränkungen ist bei vielen Menschen der Wunsch entstanden, der abhängigen Enge zu entfliehen und sich ein eigenes Zuhause zu schaffen, in dem sie sich frei bewegen können, ohne Angst vor Mieterhöhungen oder gar einer Kündigung aufgrund nicht mehr leistbarer Mietkosten. Auch gibt es einen Trend, aus den dichtbesiedelten Metropolen in ländliche Regionen zu gehen, um etwa den Kindern ein naturnahes Aufwachsen in gesunder Luft und ohne den Lärm der Großstadt zu ermöglichen. Dieser Trend führt ebenfalls dazu, dass das Interesse an entsprechenden Immobilien nicht nachlässt. 

Fazit – Sinkende Immobilienpreise sind nicht absehbar 

Eine wachsende Zahl von Menschen möchte ein Eigenheim erwerben, als Altersvorsorge, Kapitalanlage oder als Möglichkeit, langfristig Mietkosten zu sparen. Da sich zudem die Situation hinsichtlich einer gesunden und auch sicheren Umgebung in den nächsten Jahren in den großen Städten nicht existentiell verändern wird, könnte sich der Trend, in ländlichere Regionen wie sie Schleswig-Holstein bietet, sogar noch verstärken und die Immobilienpreise weiter befeuern.

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