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Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankungen – das sollten Sie beachten

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist für alle Berufstätigen, die von ihrem Einkommen abhängig sind, eine sinnvolle Ergänzung zu den gesetzlichen Versicherungen. Doch im Falle bestehender Vorerkrankungen gestaltet es sich für die Betroffenen oft schwierig, einen leistbaren BU-Schutz zu bekommen, denn der eigene Gesundheitszustand ist ausschlaggebend dafür, ob und zu welchen Konditionen man eine BU-Versicherung erhält . Dieser Artikel klärt, worauf Betroffene bei der Suche achten sollten.

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung und wer braucht sie?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift immer dann, wenn der oder die Versicherte aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls zu mindestens 50% als berufsunfähig gilt. Führt also ein Unfall oder eine Erkrankung zu einer Reduktion der zumutbaren Arbeitszeit um mehr als die Hälfte, erhält der Versicherte eine monatliche Rente. Ob ein anderer Beruf ausgeübt werden könnte, ist in der Regel irrelevant.

Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, bis zur Rente berufsfähig zu werden, je nach Alter und Geschlecht, zwischen 29 und 43%. Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit stellten im Jahr 2019, mit einem Anteil von rund 30%, psychische Erkrankungen dar, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats (21%) sowie Krebs und anderen bösartigen Neubildungen (17%). Somit ist eine BU-Versicherung keineswegs nur für Beschäftigte in Risikoberufen eine wichtige Vorsorgemaßnahme zur finanziellen Absicherung.

Welche Erkrankungen sind Grund für einen Ausschluss?

Eine pauschale Aussage hierzu kann nicht getroffen werden, da jeder Anbieter für sich selbst entscheidet, wie welche Leiden bewertet werden. Prinzipiell können aus Sicht der Versicherer sowohl körperliche als auch psychische Vorerkrankungen zu einem erhöhten Risiko einer Berufsunfähigkeit führen. Besonders schwierig gestaltet sich die Lage etwa für Rheumatiker, Asthmatiker, Diabetiker (Typ 1), Herzinfarktpatienten sowie Menschen, die an Morbus Crohn, bösartigen Tumoren, Neurodermitis und Multiple Sklerose erkrankt sind. Aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnouts können die Suche nach einem BU-Schutz trotz Therapie erschweren.

Die gute Nachricht: Auch wenn eine Vorerkrankung vorliegt, bedeutet dies nicht, dass die Chance auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung automatisch ausgeschlossen ist. Jedoch müssen Betroffene mit Zuschlägen auf die zu zahlenden Versicherungsbeiträge und/oder mit diversen Ausschlussklauseln rechnen. Kam es in der Vergangenheit etwa regelmäßig zu Rückenbeschwerden, kann der Versicherer Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule mithilfe einer Klausel als Leistungsfall ausschließen. Zuschläge stellen zwar das vergleichsweise geringere Übel dar, können jedoch die Beiträge bis hin zu 100% steigern – und womöglich das verfügbare Budget des Ansuchenden sprengen.

Der erste Schritt sollte immer eine anonyme Risikovoranfrage sein

Eine anonyme Risikovoranfrage zu stellen, lohnt sich immer. Auf diese Weise lässt sich noch vor Antragsstellung herausfinden, ob und zu welchen Konditionen ein Versicherer bereit ist, Ihnen BU-Schutz zu gewähren. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen sollten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, denn auf jede erhaltene Absage folgt ein Eintrag in das Hinweis- und Informationssystem (kurz: HIS) der Versicherer. Dies bedeutet, dass andere Versicherer auf Abruf feststellen können, ob und weshalb jemandem eine BU-Versicherung in der Vergangenheit verwehrt wurde. Somit sinkt mit jeder erhaltenen Absage auch die Chance auf einen vernünftigen BU-Versicherungsschutz.

Möglichst viele Angebote vergleichen

Jedes Leiden wird von jedem Versicherer individuell bewertet. Damit gehen logischerweise auch unterschiedliche Tarifbestimmungen einher. Da sich diese erheblich unterscheiden können, ist es ratsam, im Vorfeld möglichst viele Angebote zu vergleichen. Neben der Höhe der geforderten Beitragszahlungen und der gebotenen Rente sollten sie auch besonderes Augenmerk auf die Ausschlussklauseln legen.

Den Gesundheitsfragebogen richtig ausfüllen

Wer als Privatperson eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, kommt um das Ausfüllen eines Gesundheitsfragebogens nicht herum. Dieser muss vom Antragssteller unbedingt wahrheitsgemäß ausgefüllt werden, denn der Versicherer wird Ihre Angaben spätestens beim Eintreten eines Versicherungsfalles, gründlich überprüfen. Wird eine Lüge entlarvt, gleicht dies einem Vertragsbruch. Dies bedeutet: Der Versicherer ist nicht länger verpflichtet, die BU-Rente auszuzahlen.

Doch auch wer nicht lügt, kann beim Ausfüllen des Fragebogens schwerwiegende Fehler begehen. Zwar müssen alle Antworten der Wahrheit entsprechen, jedoch müssen auch nur jene Informationen geteilt werden, nach denen explizit gefragt wird. Geben Sie also in Ihren Antworten keinesfalls mehr preis, als verlangt wird – es könnte Ihnen den Vertragsabschluss kosten.

Ein Makler kann beim Abschluss helfen

Versicherungsmakler helfen bei der Suche nach einem geeigneten Versicherer, wie zum Beispiel der Einreichung anonymer Risikovoranfragen. Auch bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen kann der prüfende Blick eines Versicherungsmaklers zur Erhöhung Ihrer Chancen beitragen. Zudem sind Makler bestens mit den gängigen Vertragsklauseln vertraut – dies ist insofern hilfreich, da sie versteckte Fallstricke entdecken und nötige Nachverhandlungen anstoßen können.

Berufsunfähigkeitsversicherungen mit vereinfachten Gesundheitsfragen

Stehen die Chancen schlecht, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, kann es auch hilfreich sein, sich nach einer BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen umzusehen. Auch ist es ratsam, sich an den Arbeitgeber zu wenden und über die Möglichkeit eines betrieblichen Gruppenvertrags zu sprechen, denn der für Privatpersonen obligatorische Gesundheitsfragebogen, entfällt in diesem Fall üblicherweise. Der Arbeitgeber wird in der Regel lediglich angewiesen, Informationen über längere Krankschreibungen mitzuteilen.

In manchen Fällen lohnt es sich, zu warten

Prinzipiell steigen mit fortschreitendem Alter zwar auch die zu zahlenden Versicherungsprämien, jedoch kann es in manchen Fällen, besser sein, ein bis zwei Jahre abzuwarten, bevor man eine BU abschließt, denn üblicherweise beziehen sich die Fragen des Gesundheitsprüfbogens nur auf einen bestimmten Zeitraum, zumeist auf die vergangenen fünf bis zehn Jahre. Befand man sich also vor beispielsweise vier oder neun Jahren wegen eines körperlichen oder psychischen Leidens in Therapie, welches heute jedoch keine Probleme mehr macht, muss dieses nach Verstreichen des Restzeitraums nicht mehr angegeben werden.

Nach alternativen Versicherungen umsehen

Selbst wenn es mit der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht klappen sollte, ist dies kein Grund zu verzweifeln, denn neben der BU gibt es noch weitere Versicherungsformen, die im Falle einer Berufsunfähigkeit finanziellen Absicherung bieten, wie beispielsweise die Erwerbsunfähigkeitsversicherung und die sogenannte Dread-Disease-Versicherung. Beide dieser Versicherungsarten bieten zwar weniger umfassenden Schutz als die BU, stellen jedoch gute Alternativen dar, wenn sich kein Versicherer bereit erklärt, BU-Schutz zu gewähren.

Erwerbsunfähigkeitsversicherungen schützen etwa im Falle einer allgemeinen Erwerbsunfähigkeit – diese ist gegeben, wenn der Betroffene allgemein, also in jedem potentiell ausführbaren Beruf, nur noch zu höchstens drei Stunden Arbeit pro Tag fähig ist. Und bei der sogenannten Dread-Disease-Versicherung wird dem Versicherten bei Eintritt einer der im Versicherungsschein definierten schweren Krankheiten oder Unfälle zwar keine Rente ausbezahlt, jedoch kommt es zu einer einmaligen Auszahlung der vereinbarten Versicherungssumme.

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