Medizin & Ernährung

Zahnmedizin: Schwerer COVID-19-Verlauf durch Parodontitis?

Gesundheit beginnt im Mund. Was schon seit der Antike bekannt war, bestätigt sich nun auch im Rahmen der Corona-Krise. So zählen Patienten mit einer Parodontitis zu den Personen, die gefährdeter für einen schweren Krankheitsverlauf sind. Zu diesem Ergebnis gelangte ein internationales Forscherteam in Katar im vergangenen Jahr. Bei Parodontitis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteappa-rats. Insgesamt leidet die Hälfte aller Deutschen daran. Die Wechselwirkung zwischen Entzündungen im Mundraum und allgemeinmedizinischen Erkrankungen ist schon seit Jahrzehnten belegt. 

Was ist Parodontitis? 

Bei Parodontitis bilden sich am Zahnfleischrand und auf der Zahnoberfläche Beläge aus Bakterien und Stoffwechselprodukten, die Entzündungen auslösen. Der entzündliche Plaque entsteht, wenn sich Bakterien auf Zahnstein ansiedeln. Der Körper versucht daraufhin, die Keime abzutöten. Obwohl sich Dithmarschen bei der Zahnvorsorge im Mittelfeld bewegt, ist die entzündliche Krankheit auch hier verbreitet. Nicht nur von der Mundhygiene hängt das Parodontitis-Risiko ab. Genauso relevant für die Ent-stehung sind hormonelle Veränderungen, Stress, Übergewicht und Nikotin. Zu den ersten Anzeichen für Entzündungen im Mundraum zählen unterdes

- Rötung oder Schwellungen am Zahnfleisch

- Zahnfleischblutungen

- Zahnfleischabbau

- empfindliche Zahnhälse

- Mundgeruch

- unangenehmer Geschmack

- veränderte Zahnstellung

Bei Symptomen: Am besten sofort einen Termin bei Zahnärzten in der Nähe vereinbaren. Zumindest alle sechs Monate sollten Zähne und Zahnfleisch untersucht werden. 

Wie genau beeinflusst die Erkrankung den COVID-19-Verlauf? 

Menschen mit Vorerkrankungen oder anderweitig geschwächtem Immunsystem sind nach einer Infektion mit dem Coronavirus anfällig für schwere Verläufe. Das trifft zum Beispiel auf Diabetiker oder Personen mit Herzkreislauferkrankungen zu. Die Parodontitis steht mit vielen solcher Vorerkrankungen in Wechselwirkung. Krankheiten der Atemwege und des Herzkreislaufsystems können sich beispielsweise entwickeln, wenn Bakterien aus der Mundhöhle im Rahmen einer Parodontitis ins Blutsystem eindringen und die Lunge oder das Herz befallen. Auch mit Diabetes Typ II steht Parodontitis in Korrelation. Wer sich schlecht ernährt, erkrankt oftmals an beidem. Insofern war es eigentlich schon vor der Studie naheliegend, dass Menschen mit Parodontitis öfter schwer an Corona erkranken. Wie die Studie aus Katar belegt, verläuft die Infektion in diesen Fällen verglichen mit dem Durchschnitt

- 4,5-mal häufiger mit maschineller Unterstützung.

- 3,5-mal häufiger mit intensiv medizinischer Betreuung.

- 9-mal häufiger tödlich.

Einer der Studienautoren betonte, dass Coronapatienten mit Parodontitis oft orale Bakterien einatmen. Dadurch verschlechtert sich ihr Zustand relativ schnell. Daraufhin schließe man sie oft an Beatmungsgeräte an. Die Gabe oraler Antiseptika sei eine Al-ternative, die den Verlauf verbessern könne, so der Forscher. Bakterien aus dem Mundraum würden dadurch weniger übertragen. 

Während Corona: Zahnarztbesuche noch wichtiger 

In den ersten Monaten der Pandemie vermeldeten Zahnärzte bundesweit rückläufige Patientenzahlen. Angesichts der Studienlage ist das erschreckend. Gerade in der Krise sollten Zahnhygiene und Besuche beim Zahnmediziner zur Vorbeugung schwerer COVID-19-Verläufe. Obwohl dies Kinder weniger betrifft als Erwachsene, schadet der regelmäßige Zahnarztbesuch auch ihnen nicht. Parodontitis haben sie selten, Auch an Corona erkranken sie meist nur leicht. Allerdings kommen Zahnauffälligkeiten wie Kreidezähne immer häufiger unter kleinen Patienten vor. Auch dem lässt sich in der Praxis vorbeugen.

Bildnachweis: https://www.pexels.com/de-de/foto/weiblicher-zahnarzt-mit-assistent-der-zahne-des-patienten-heilt-5434017/