Wirtschaft & Finanzen

Die weitere Entwicklung des britischen Pfunds: Freihandelsabkommen entscheidend

Eine der wohl spannendsten Währungen auf dem Markt ist aktuell das britische Pfund. Mit dem vollzogenen Brexit stand die britische Währung in den letzten Wochen und Monaten stets im Fokus der Öffentlichkeit. Die Entwicklung verlief zuletzt ohne große Schwankungen. Doch was wird noch für dieses Jahr erwartet?Insbesondere das nach wie vor offene Freihandelsabkommen sollte für Spannung an den Finanzmärkten sorgen.

Vorerst Zeit bis Ende des Jahres

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Nach dem EU-Austritt Großbritanniens am 31. Januar 2020 befinden sich die Nation sowie die Europäische Union derzeit in einer Übergangsphase. In dieser Zeit agiert das Vereinigte Königreich weiterhin nach den Regularien der EU und zahlt Gebühren, hat aber keinerlei Einfluss mehr in den Gremien. In den letzten vier Jahren seit den ersten Diskussionen und Abstimmungen rund um den EU-Austritt erlebte das britische Pfund (GBP) ein einziges Auf und Ab. Noch im Juni 2016, ehe das berüchtigte Referendum stattfand, war das Pfund rund 1,46 US-Dollar (USD) wert. Es folgte das überraschende Ergebnis gegen den EU-Verbleib, welches das Pfund abstürzen ließ. Auf einmal war die Währung nur noch 1,22 USD wert. Über die folgenden Jahre hinweg erhielt der Kurs dann etwas Stärkung und bewegte sich recht konstant zwischen 1,27 USD und 1,33 USD.

Doch damit nicht genug: Im Sommer 2019 kamen die Diskussionen über einen No-Deal-Brexit auf, die für große Unsicherheit auf den Finanzmärkten sorgten. Die zu erwartenden wirtschaftlichen Probleme ließen den Kurs schließlich auf 1,19 USD fallen. Dieser Wert war noch geringer als jener, der zu Zeiten der Finanzkrise 2009 vorherrschte. Wer einen aktuellen Blick auf die Umrechnung des GBP zu Dollar wirft, erkennt allerdings ebenfalls, dass die große Krisenstimmung nur von kurzer Dauer war. Im Dezember 2019 stieg der Wert der Währung zwischenzeitlich wieder auf über 1,35 USD an. Die Stärkung kam vor allem durch Premierminister Boris Johnson zustande, der im Oktober damit begann, das schließlich durchgesetzte Austrittsabkommen mit der EU zu verhandeln. Auch am Tag des EU-Austritts war ein Kursanstieg auszumachen.

 

Neues Abkommen zwischen Großbritannien und EU
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Bis zum 1. Januar 2021 muss ein neues Abkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union geschlossen werden, um die weitere Zusammenarbeit rechtlich zu regeln. Dieser Schritt kann bis zum 1. Juli dieses Jahres um maximal 24 Monate nach hinten verschoben werden. Insofern würde die Übergangsphase insgesamt drei Jahre dauern. Im aktuellen Jahr sorgt auch die Bank of England mit ihrem gleichbleibenden Leitzins in Höhe von 0,75 Prozent für unerwartete Sicherheit und einen stabilen GBP-Kurs. Viele Experten hatten eigentlich damit gerechnet, dass das Finanzinstitut den Leitzins senken würde. Grundsätzlich erwartet die Bank of England in den kommenden Jahren jedoch ein geringeres Wirtschaftswachstum.

Aus diesem Grund wird die überdurchschnittlich starke Phase des britischen Pfunds wohl keinen dauerhaften Bestand haben. Sobald die Diskussionen um das Verlassen des Binnenmarktes Mitte des Jahres lauter und die erwartbaren Kosten sichtbar werden, rechnen Großkonzerne wie Barclays mit einem sinkenden Währungskurs. Während in der ersten Hälfte des Jahres 2020 also weiter ein Niveau wie aktuell zu erwarten ist, sorgen sich die Investoren schon jetzt um die darauffolgende zweite Jahreshälfte. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Großbritannien die aus dem EU-Austritt folgenden Probleme lösen wird, ohne der eigenen Währung dabei allzu großen Schaden zuzufügen.