Wirtschaft & Finanzen

EU plant Alternative zu Facebooks Libra

Nachdem Facebook zu Beginn des Jahres das Projekt „Libra“ präsentiert hat, haben sich innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Kritiker gefunden, die sich gegen die hauseigene Kryptowährung ausgesprochen haben. Auch die Europäische Union fürchtet, dass die Pläne, die von Facebook verfolgt werden, negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben könnten.

Die EU-Finanzminister haben in einem Arbeitspapier bereits gefordert, dass private Kryptowährungen stärker reguliert werden müssen. Des Weiteren, so die Fachminister, soll sich auch die Europäische Zentralbank (kurz: EZB) mit der Frage befassen, ob es nicht ratsam wäre, eine eigene digitale Währung auf den Markt zu bringen. Kommt nun eine Alternative, damit man Libra den Wind aus den Segeln nehmen kann?

China hat bereits die Weichen in Richtung eigene Kryptowährung gestellt

China ist der EU bereits um ein paar Schritte voraus: Das chinesische Parlament hat sozusagen den Weg für den digitalen Renminbi bereits geebnet - das neue Gesetz, das mit 1. Januar 2020 in Kraft tritt, soll in weiterer Folge die Grundlage für eine eigene Kryptowährung darstellen. Wird es bald auch einen digitalen Euro geben? Folgt man der Nachrichtenagentur Reuters, so werden zumindest dahingehend Überlegungen angestellt, eine Alternative zur Facebook-Währung Libra auf den Markt bringen zu wollen. Neben der EU arbeitet auch Frankreich an einer staatlichen Kryptowährung.

Doch warum sprechen sich immer mehr Experten, Politiker wie Notenbanker gegen Libra aus, jedoch für eine eigene Kryptowährung - so etwa für den digitalen Euro?

Deutschland und Frankreich gehören wohl zu den schärfsten Kritikern

Frankreichs Finanzminister, Bruno Le Maire, hat sich bereits zum größten Libra-Gegner entwickelt. So hat er mehrmals betont, man müsse die Kryptowährung aus dem Hause Facebook verhindern. Ähnliche Worte kamen auch von Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz. Die beiden Minister vertreten etwa auch die Meinung, dass die Staaten die Hoheit über das Hauptzahlungsmittel behalten müssen.

Zudem sind der Franzose wie der Deutsche überzeugt, dass mit Libra unkalkulierbare Risiken kommen würden. So gehen Le Maire und Scholz davon aus, dass es in den Bereichen Datenschutz, Terrorismusfinanzierung wie auch bezüglich der Geldwäsche zu erheblichen Sicherheitslücken kommen könnte. Facebook sieht das natürlich ganz anders und plant, trotz eines immer stärker werdenden Widerstands, Libra 2020 auf den Markt zu bringen.

Wie reagiert Facebook?

Obwohl die Zahl der Kritiker wächst und es sogar schon Pläne gibt, Libra verbieten zu wollen, scheint das Facebook nicht zu stören - man will die hauseigene Kryptowährung, so der offizielle Plan, noch im kommenden Jahr in den Kryptomarkt integrieren. Neben der eigenen Kryptowährung gibt es mit Calibra auch noch eine eigene Wallet.

Noch ist unklar, welche Auswirkungen Libra auf den Kryptomarkt - besonders auf den Bitcoin - haben wird. Nachdem von Facebook das Projekt präsentiert wurde, kletterte der Bitcoin auf fast 14.000 US Dollar - zu Jahresbeginn bewegte sich die Kryptowährung noch bei 3.000 US Dollar. Jedoch haben die Kritiker dafür gesorgt, dass der Höhenflug von Libra - und somit auch des Bitcoin - gestoppt wurde. Denn nachdem Facebook im Zuge der Projektpräsentation auch mit namhaften Partnern, die als Gründungsmitglieder vorgestellt wurden, überzeugen konnte, hat sich ein Teil bereits wieder von dem Projekt Libra verabschiedet.

So haben PayPal, VISA wie Mastercard und auch eBay mitgeteilt, nicht mehr am Projekt mitzuarbeiten. Doch von Seiten der Unternehmen wurde eine „spätere Zusammenarbeit“ nicht ausgeschlossen. Es sieht also so aus, als würde man hier den Sturm abwarten wollen. So nach dem Motto: Überlebt Libra den aktuell immer größer werdenden Widerstand, so stehen die Chancen gut, dass sich die Kryptowährung durchsetzt - somit kann sie wieder unterstützt werden, wenn sich alle Seiten beruhigt haben. Wenn das Projekt hingegen scheitert, so kann zumindest behauptet werden, man hätte die „Probleme rechtzeitig“ erkannt und sich „früh genug verabschiedet“. 

Jegliche Prognosen sind mit äußerster Vorsicht zu genießen

Noch ist unklar, in welche Richtung sich der Kryptomarkt entwickeln wird. Aufgrund der Tatsache, dass nun auch von Seiten der EU laut über eine Alternative zu Libra nachgedacht wird, könnte das für richtig viel Bewegung am Kryptomarkt sorgen. Wer beispielsweise sein Geld über Bitcoin Evolution investiert, sollte daher vorsichtig sein - denn Ereignisse, die einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Kryptomarkt haben könnten, haben in der Vergangenheit immer wieder für gravierende Schwankungen gesorgt.

Schon alleine die Ankündigung, dass von Seiten Facebooks eine eigene Kryptowährung veröffentlicht werden soll, hat den Bitcoin-Kurs auf fast 14.000 US Dollar getrieben. Doch innerhalb weniger Wochen war der Höhenflug wieder vorbei - auf einmal lag der Bitcoin bei 7.500 US Dollar. Nun (Stand: Mitte November 2019) scheint sich der Bitcoin „stabilisiert“ zu haben - man befindet sich im Bereich der 9.000 US Dollar.

Bildnachweise: 

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