Wirtschaft & Finanzen

Willer Wald wächst und gedeiht

In Dithmarschen werden Bäume auf einer Fläche von 230.000 Quadratmetern gepflanzt - Schirmherr der Aktion ist Daniel Günther. 

Es klingt zunächst ein wenig paradox: Ein Vermarkter fossiler Brennstoffe setzt sich für die Aufforstung des heimischen Waldbestandes ein. Seit vier Wochen pflanzt das schleswig-holsteinische Unternehmen Anton Willer für jeden Kubikmeter Kraftstoff, der an seinen insgesamt knapp 30 bft Willer Tankstellen verkauft wird, einen Quadratmeter Wald. Damit möchte man einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. Schirmherr der Aktion ist Ministerpräsident Daniel Günther(CDU).

Die ersten Waldflächen wurden in der Nähe von Lunden angelegt – rund 15 Kilometer von Heide entfernt. Am 23. Juni pflanzten dort Achtklässler der Eider-Nordsee-Schule über 100 regionaltypische Bäume wie Eichen, Erlen oder Flatterulmen. Der Standort ist dabei nicht zufällig gewählt. „Böm hebb wie nödig – wir haben hier in Dithmarschen einen sehr geringen Waldanteil“ kommentierte Volker Nielsen, Landtagsabgeordneter des Kreises, die Aktion – und griff dann selbst zum Spaten, um die Schüler beim Eingraben zu unterstützen. Während im Bundesdurchschnitt 32 Prozent der Fläche bewaldet sind, bringt es Schleswig-Holstein auf gerade einmal elf Prozent. Der Kreis Dithmarschen ist mit drei Prozent Deutschlands waldärmste Region. Bereits im Sommer 2019 hatte das Familienunternehmen Anton Willer in Dithmarschen begonnen, landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen. Dort sollen zunächst 230000 Quadratmeter neuer Wald entstehen. „Im ersten Jahr möchten wir davon rund 80000 Quadratmeter bewalden. Wir sind ständig auf der Suche nach weiteren Flächen“, sagt Georg Willer. Der geschäftsführende Gesellschafter betont, dass der Wald dauerhaft und unabhängig von wirtschaftlichen Zwecken entstehe. 

Kosten werden nicht auf Verbraucher umgelegt. 

Insgesamt hat das Tankstellenunternehmen bereits über 300000 Euro in die gekauften Grundstücke investiert. Die Kosten dafür wolle man aber nicht auf den Verbraucher umlegen. „Natürlich ist es am umweltfreundlichsten, ganz auf das Auto zu verzichten. Weil das in der Praxis nur schwer möglich ist, können Autofahrer jetzt immerhin bei jedem Tanken einen kleinen Beitrag für die heimische Natur leisten – und das ohne Mehrkosten“, sagt Axel Niesing, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter. Seiner besonderen Verantwortung als Vermarkter fossiler Kraftstoffe versucht Willer auch in anderer Hinsicht gerecht zu werden. Bereits seit Jahren hat das Unternehmen die Dächer seines Kieler Stammsitzes mit Solarmodulen ausgestattet, betreibt dort ein modernes Blockheizkraftwerk, hat an diversen Tankstellen Schnellladesäulen mit Ökostrom errichtet und verkauft in seinen Bistros vollständig abbaubare Kaffeebecher. 

Als Kompensation möchte man den „Willer Wald“ ausdrücklich nicht verstehen. „Die echten CO2-Kompensationskosten eines Liters sind deutlich höher, können bei den knappen Kraftstoffmargen nicht erbracht werden, ohne die Preise deutlich anzuheben. Insofern sehen wir unser Projekt nur als ersten Schritt“, sagt Axel Niesing. 

Für Daniel Günther sei der „Willer Wald“ eine vorbildliche Initiative eines schleswig-holsteinischen Unternehmens. „Ich hoffe auf zahlreiche Nachahmer“, so der Ministerpräsident.

Unter www.schlautanken.sh können sich Interessierte darüber informieren, wie viel Wald bereits gepflanzt wurde. 

Fotos: Aissen