- Gesundheit im Dialog -

Achtsamkeit in der Pflege: Im Hier und Jetzt zu sein eine Sache der Übung

Stress, Schlafprobleme oder Burnout können die negativen Folgen für Körper und Psyche sein. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NordWest, wie Achtsamkeit hier ansetzt, Stress reduzieren und die Lebensqualität steigern kann.

In Schleswig-Holstein lag die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen psychischer Erkrankungen im vergangenen Jahr mehr als 72 Prozent über dem Durchschnitt aller anderen Berufsgruppen. Im Vergleich zu anderen Berufen ist die Pflegebranche also wesentlich häufiger von Arbeitsausfällen aufgrund psychischer Erkrankungen betroffen.

Achtsamkeit, ein Konzept, das ursprünglich aus dem Buddhismus stammt, kann Stress reduzieren und damit die Lebensqualität erheblich steigern. „Achtsam sein“ meint, die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu richten. Empfindungen werden dabei betrachtet, aber nicht bewertet. „Sich bewusst Pausen zu nehmen und die Aufmerksamkeit auf den Moment zu richten, ohne zu bewerten, hat nachgewiesen einen entspannenden Effekt“, sagt AOK-Präventionsexperte Christian Schulze-Bockholt. So einfach das auf den ersten Blick klingt, bei der Achtsamkeit handelt sich um eine Fähigkeit, die die meisten Menschen erst neu erlernen und trainieren müssen.

Erste Studien sind ermutigend

Wissenschaftliche Studien des noch jungen Forschungsfeldes zum Thema zeigen, dass sich die Techniken von Achtsamkeit positiv auf Stressresistenz, Gelassenheit, Wohlbefinden, Er-holungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration im Berufsalltag auswirken. So zeigt zum Beispiel die Initiative Arbeit und Gesundheit (iga), welche Wirkungen verschiedene Formen von Achtsamkeitstrainings im Arbeitskontext haben können (iga.Report 45). Außerdem hat ein Forschungsteam aus Spanien 2020 unter anderem herausgefunden, dass emotionale Erschöpfung bei Pflegekräften durch Achtsamkeitstraining abnehmen kann.

Große Chance für die Pflege

„Achtsamkeit bedeutet eine große Chance für Pflegekräfte und -unternehmen. Wenn Menschen entspannter sind und weniger gestresst, wirkt sich das auch positiv auf die Arbeitsmotivation aus und das Teamklima ist ebenfalls besser“, so Christian Schulze-Bockholt. Noch sind Räume in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, in denen sich Pflegekräfte zum inneren Auftanken zurückziehen können, eher selten. Eine zentrale Rolle spielen dabei Führungskräfte. Sie leben vor, was im Unternehmen oder auf der Station möglich ist und können Angebote zur Förderung der Gesundheit aktiv unterstützen.

Achtsamkeit üben

Viele Achtsamkeitsübungen haben auf den ersten Blick oft nichts mit dem Pflegealltag zu tun. Sie helfen aber, Dinge anders wahrzunehmen und unterbrechen gewohnte Gedankenketten. Atemübungen lenken die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und lassen spüren, wo Verspannungen sitzen. Ein Beispiel: Mit aufrechtem Rücken und entspannten Schultern sitzen. Die Augen schließen, die Hände sanft auf den Bauch legen. Das Bewusstsein auf den Atem richten und mehrere Minuten tief ein- und ausatmen. Beim Einatmen spüren, wie die Luft in den Körper hineinströmt und beim Ausatmen wieder herausfließt.