- Gesundheit im Dialog -

Brustkrebs ist nicht nur Frauensache

Heide – Männer als Patienten in der Frauenklinik? Da gucken Personal und Patientinnen schon mal erstaunt. Doch auch Männer können einen bösartigen Tumor in der Brust haben. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, wann Männer davon betroffen sein können.

Der Gedanke, dass es sich bei einem Knoten in der männlichen Brust um die vermeintliche Frauenkrankheit Brustkrebs handeln könnte, liegt vielen Männern und auch einigen Ärzten fern. „Deshalb wird bei Männern die Erkrankung oft später diagnostiziert als bei Frauen. Doch je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung“, sagt AOK-Mediziner Dr. Wolfgang Mollowitz. Hinzu kommt, dass es eine Brustkrebs-Früherkennung für Männer nicht gibt. Kein Wunder, denn Brustkrebs bei Männern kommt selten vor. Etwa 600 bis 700 Männer erkranken pro Jahr an Brustkrebs. Zum Vergleich: ein bösartiger Tumor in der Brust lässt sich bei rund 69 000 Frauen pro Jahr nachweisen.

Auch bei Männern sind Milchgänge in der Brust angelegt. Bis zur Pubertät sind Mädchen und Jungen sogar „baugleich“. Erst durch die weiblichen Sexualhormone reifen bei den Mädchen die Milchgänge weiter aus und es bilden sich die Drüsenläppchen, die Milch produzieren können. „Bei den Männern bleiben die rudimentär ausgebildeten Milchgänge erhalten, wo sich, insbesondere mit zunehmendem Alter, ein Brustkrebs entwickeln kann“, sagt Mollowitz. Und auch der männliche Organismus produziert das weibliche Hormon Östrogen – die meisten Brustkrebserkrankungen sind nämlich östrogenabhängig. Das weibliche Geschlechtshormon ist zwar bei Männern in weitaus geringeren Mengen vorhanden als bei Frauen, doch manche Männer haben einen vergleichsweise hohen Östrogenspiegel und damit ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Starkes Übergewicht, Lebererkrankungen oder bestimmte Hodenerkrankungen in der Kindheit können die Ursache dafür sein oder auch das sogenannte Klinefelter-Syndrom, eine angeborene Chromosomenstörung bei Männern.

Generell spielen bei der Entstehung von Brustkrebs auch die Erbanlagen eine Rolle. Etwa jede zehnte Brustkrebserkrankung beim Mann ist genetisch bedingt. Für Männer gilt also: Wenn in der Familie gehäuft Brust- oder auch Eierstockkrebs vorkommen, ist eine vererbte Belastung nicht auszuschließen. Betroffene Männer können sich in einem Zentrum für familiären Brustkrebs beraten lassen. Neben den allgemeinen Risikofaktoren, die genauso für Frauen gelten – wie Alter, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Alkoholkonsum – haben auch diejenigen Männer ein höheres Risiko, die Dopingmittel zur Leistungssteigerung und zum Muskelaufbau einnehmen, beispielsweise Testosteronpräparate, Anabolika oder Wachstumshormone.

Veränderungen abklären lassen

Ein harter, meist schmerzloser Knoten in einer Brust, der sich nicht verschieben lässt: Das ist bei Männern ein ernst zu nehmendes Warnzeichen. „Wenn sich die Brustwarze einzieht oder Flüssigkeit absondert, die klar oder blutig sein kann, sollten Männer einen Arzt aufsuchen“, betont Mollowitz. Geschwollene oder verhärtete Lymphknoten in den Achselhöhlen können ein weiterer Hinweis sein. Doch nicht jede Veränderung an der Brust bedeutet gleich Brustkrebs. So schwillt die Brust bei männlichen Jugendlichen oder älteren Männern oft beidseitig an, meist in Folge von hormonellen Umstellungen – auch als „Männerbrust“ oder Gynäkomastie bezeichnet. Bei tastbaren Knubbeln auf einer Seite kann es sich wie bei Frauen um Zysten oder gutartige Bindegewebswucherungen handeln. Auch das sollte abgeklärt werden. Bei Ausdauersportlern kann sich die Brustwarze zudem entzünden, wenn die Bekleidung in Verbindung mit Schweiß die Brustwarze ständig reizt, „Runners Nipple“ wird dieses Phänomen genannt.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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