- Gesundheit im Dialog -

Die Last mit der Lust -erektile Dysfunktion beim Mann

Heide – Wenn Mann nicht kann, ist das für viele Männer eine Katastrophe. Die Scham ist dann groß. Doch oft hilft es, mit dem Arzt und der Partnerin darüber zu reden. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, wie wichtig es ist, die genauen Ursachen für Erektionsstörungen zu kennen, um sich für eine geeignete Behandlung zu entscheiden.

Medikamente, mechanische Hilfsmittel, operative Verfahren oder eine Psychotherapie gehören zu den therapeutischen Möglichkeiten. Viele Männer mit Erektionsstörungen fühlen sich als Versager. Die Potenz ist von zentraler Bedeutung für ihre Identität als Mann. Wenn die Erektion nicht mehr richtig funktioniert, leidet das Selbstwertgefühl. Das kann sich auch auf andere Bereiche negativ auswirken, zum Beispiel den Beruf. Doch viele Männer kennen es, wenn es im Bett mal nicht klappt. „Körperliche und psychische Erschöpfung, Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie sowie viele chronische Erkrankungen, aber auch akute Krank-eiten wirken sich auf die Erektionsfähigkeit aus“, sagt AOK-Mediziner Dr. Wolfgang Mollowitz. Wenn eine allgemeine stressbedingte Erschöpfung vorliegt und sich die Situation dann wieder entspannt hat, wird sich die Erektion zumeist wie gewohnt einstellen.

„Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn über mindestens sechs Monate bei den meisten Versuchen, einen Geschlechtsverkehr durchzuführen, trotz Erregung keine ausreichende Erektion entsteht oder aufrechterhalten werden kann“, so Mollowitz. Mit dem Alter steigt das Risiko für eine Impotenz, wie die erektile Dysfunktion oft abwertend genannt wird. Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Neurologie sind nur 2,3 Prozent der Männer zwischen 30 und 40 Jahren von einer erektilen Dysfunktion betroffen, bei den 60- bis 69-Jährigen schon ein Drittel und bei Männern über 70 Jahren mehr als die Hälfte. Mit dem Alter erschlafft die Muskulatur des Beckenbodens und die maximale Durchblutung des Penis verringert sich. Zudem leiden ältere Männer oft unter Krankheiten, die Blut- oder Nervenbahnen beschädigen können.

Schätzungen zufolge ist ab dem 50. Lebensjahr eine Erektionsschwäche zu etwa 80 Prozent körperlich bedingt. So kann zum Beispiel ein Diabetes mellitus, also die Zuckerkrankheit, die Ursache für Potenzprobleme sein. Denn ein schlecht eingestellter Diabetes schädigt die kleinen und großen Blutgefäße sowie die Nerven, so dass der Penis womöglich nicht mehr richtig steif wird. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, eine Arterienverkalkung an den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit) oder in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit) können dazu führen, dass auch die Schwellkörper im Penis nicht mehr genügend mit Blut versorgt werden beziehungsweise dass das Blut wieder zu schnell aus den Schwellkörpern abfließt. Nervenerkrankungen wie ein Schlaganfall, Multiple Sklerose oder ein Bandscheibenvorfall sowie Entzündungen oder Operationen an der Prostata können ebenfalls für eine erektile Dysfunktion verantwortlich sein. „Erektionsstörungen können ein erstes Symptom dieser Erkrankungen sein, deshalb sollten Männer möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen und die Ursache abklären“, sagt AOK-Mediziner Mollowitz. 

Manchmal lässt sich schwer unterscheiden, ob die Medikamente oder die damit behandelte Krankheit die erektile Dysfunktion verursachen. Bei jüngeren Männern stecken oft psychische Probleme hinter den Erektionsstörungen, etwa Partnerschaftskonflikte oder erheblicher Stress. Es kann sich eine regelrechte Versagens-angst aufbauen, die in einen Teufelskreis führt: Die Männer können sich beim Sex nicht entspannen, weil sie fürchten zu versagen, was eine Erektion verhindern kann. Wenn eine erektile Dysfunktion sich sehr rasch entwickelt, belastende Lebenssituationen auszumachen sind, keine entsprechenden Krankheiten oder Risikofaktoren vorliegen und die Männer in bestimmten Situationen – etwa bei Selbstbefriedigung oder nachts – eine Erektion bekommen, spricht das für psychische Ursachen. Auch wenn Männer zu viel Alkohol trinken, kann das zu Erektionsstörungen führen. Psychische Erkrankungen, vor allem eine Depression, gehen oft mit Erektionsstörungen und fehlender sexueller Lust einher. Zusätzlich beeinflussen viele Antidepressiva die Sexualität negativ.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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