- Gesundheit im Dialog -

E-Zigaretten: von wegen harmlos

Heide – Elektronische oder elektrische Zigaretten, kurz E-Zigaretten genannt, liegen im Trend. Die neuen Inhalationsprodukte gelten als sauber, geruchsarm und unschädlich. In Kooperation mit unserer Zeitung zeigt die AOK Nordwest, dass sie nicht wirklich harmlos sind.

Der Suchtbericht 2016 der Bundesregierung belegt, dass knapp sechs Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren E-Zigaretten konsumiert oder zumindest probiert haben. Jungen häufiger als Mädchen. Vor allem Raucher, Jugendliche und junge Erwachsene interessieren sich für die Produkte. Allein bei den 12- bis 17-Jährigen haben bereits rund elf Prozent schon einmal E-Zigaretten ausprobiert. Auffällig ist, dass viele Konsumenten noch nie vorher eine Zigarette geraucht haben.

„Viele Raucher glauben, dass E-Zigaretten gesünder sind als konventionelle“, sagt Professor Dr. Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel. Doch Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Deutschen Krebsfoschungszentrums (DKFZ) belegen die gesundheitlichen Risiken des Konsums von E-Zigaretten. E-Zigaretten verdampfen eine Flüssigkeit, das so genannte Liquid, das unter anderem aus Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffen und meistens Nikotin in unterschiedlichen Konzentrationen besteht. Der dabei entstehende Dampf wird wie beim Rauchen inhaliert. Mit den ultrafeinen Teilchen ("Feinstaub") wird Propylenglykol inhaliert – ein Verneblungsmittel, das auch als Disco- oder Theaternebel eingesetzt wird. Über das Blutgefäßsystem verteilen sich die Teilchen im ganzen Körper. Häufiges Inhalieren kann in der Folge das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen erhöhen. Zwar enthalten E-Zigaretten deutlich weniger krebsauslösende Stoffe („Teer“) als herkömmliche Zigaretten, aber bei diesen Stoffen gibt es keinen Schwellenwert für Unbedenklichkeit.

Kurzzeitfolgen

Als Kurzzeitfolgen werden Atemwegserkrankungen, eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion, Augenirritationen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Schlaflosigkeit beschrieben. Langzeitstudien über die gesundheitlichen Auswirkungen liegen allerdings derzeit nicht vor, so dass die Wirkung einer täglich wiederholten Inhalation noch nicht abgeschätzt werden kann. Bei jungen Leuten sind E-Shishas besonders beliebt. Bei den 12- bis 17-Jährigen haben sie bereits 12,8 Prozent schon einmal ausprobiert. E-Shishas funktionieren wie E-Zigaretten, nur dass das Mundstück einer Wasserpfeife nachgeahmt ist. Sie haben ein cooles Image und wirken harmlos: Scheinbar nikotinfrei und bunt bemalt, locken sie mit süßen oder fruchtigen Aromamischungen. „Da sowohl E-Zigaretten als auch E-Shishas gesundheitsschädigend sind, ist die Aufklärung besonders wichtig – vor allem bei Jugendlichen“, sagt Professor Hanewinkel. Manche Raucher erhoffen sich sogar, dass sie mit Hilfe der elektronischen Variante den Ausstieg schaffen. „Entscheidend für den Ausstieg ist, Alternativen zum Rauchen zu finden. Nur so gelingt ein langfristiger Rauchstopp“, so Hanewinkel.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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