- Gesundheit im Dialog -

Ein Hoch aufs Faulsein

Heide – Von wegen Nichtstun bringt nichts: Regelmäßiges Faulenzen macht gesund, hält die Familie bei Laune und lässt die Kreativität sprudeln. In Kooperation mit unse-rer Zeitung verrät die AOK Nordwest, wie Faulsein richtig geht.

Es könnte so herrlich sein. So einfach. Und mehr als nur erholsam. Wir müssten nur die Füße hochlegen und nicht mehr tun, als mit dem Kaffee in der Hand den vorüberziehenden Wolken zuzuschauen. Genüsslich faulenzen hat jedoch kaum noch jemand auf dem Zettel, dafür tausend andere Dinge: E-Mails, Haushalt, Kinder ... Jede freie Minute wird pflichtschuldigst genutzt, allerdings selten dafür, wirklich eine Pause einzulegen. Das Nichtstun wird als Gesundheitsquelle verkannt. Dabei macht nicht unbedingt Stress, sondern vor allem fehlende Erholung krank. Denn Menschen, die sich Tagträumen und Zeiten des Faulenzens erlauben, sind nachweislich weniger Burn-out-gefährdet und entspannter im Umgang mit sich und anderen. Von diesem Zustand sind wir laut Umfragen weit entfernt, denn wir Deutschen fühlen uns mehrheitlich durch unsere eigenen Termine in der Freizeit gestresst, vermissen Raum für Spontaneität und Entscheidungsfreiheit. Ein Sonnabend fühlt sich nicht viel anders als ein Montag an – für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Auch Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler ermuntern zum häufigeren Faulsein. Im digitalen Zeitalter und angesichts der damit einhergehenden Beschleunigung des Lebens wird es nicht mehr als Gegensatz, sondern sogar als Grundlage von Leistungsfähigkeit verstanden. Wir könnten uns also mit Fug und Recht viel häufiger zurücklehnen und die Arme ganz entspannt hinter dem Kopf verschränken. Das tun wir aber nicht. Neben unseren randvollen To-do-Listen ist ein weiterer Grund, dass Internet, Smartphone und Co. uns heutzutage zu Daueraktivität verleiten.

Smartphone stecken lassen 

„Bei bekannten Reizen wird im Belohnungszentrum unseres Gehirns das Hormon Dopamin ausgeschüttet. Deshalb fällt es uns leicht, bekannte Dinge zu tun“, sagt AOK-Präventionsexpertin Kerstin Berszuck. Wer sich angewöhnt hat, in jeder freien Minute das Smartphone zu checken, wird von seinem Gehirn für das bewährte Verhalten belohnt. Dabei könnten wir die geschenkte Zeit wunderbar nutzen, um uns im Nichtstun zu üben. So lässt sich leicht eine Auszeit vom ewigen  Müssen  nehmen. Und vor allem sollten wir uns darauf besinnen, dass wir es selbst sind, die über die Verwendung unserer Zeit entscheiden. Denn mit voller Absicht Zeit für etwas Schönes zu „verschwenden“, belohnt das Gehirn mit einem Wohlgefühl. Ohne Zweck, ohne Ziel, nur so. 

Ob wir das dann altmodisch als Müßiggang bezeichnen oder zeitgeistig als Entschleunigung, ist unwesentlich, solange wir uns nicht darauf beschränken, träge auf der Couch zu sitzen und uns vom Fernsehprogramm berieseln zu lassen. Beim Fernsehen ruht zwar der Körper, das Gehirn läuft aber auf Grund der in sehr kurzer Zeit ständig wechselnden Bilder, Farben und Töne auf Hochtouren. Oft ist das Fernsehen auch eine Form von Realitätsflucht oder Aufschieberitis. Beides führt später wieder zu mehr Stress.

Wer richtig schön faul ist, lässt nämlich auch den Kopf zur verdienten Ruhe kommen. „Die eigentliche Kunst des Nichtstuns liegt darin, bei keiner oder leichter Aktivität die eigenen Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Ohne Ablenkung oder Anregung von außen“, sagt Berszuck. Das gelingt manchen am besten beim Vögel beobachten, Unkrautzupfen oder Meditieren, anderen beim Wandern. Einfach nur wahrnehmen ohne zu bewerten.

Es lohnt sich, Faulenzen aktiv einzuplanen und zum Beispiel auf dem täglichen Weg zur Arbeit eine kurze Pause im Park einzulegen. Zeit fürs Nichtstun kann sich normalerweise jeder nehmen. Auch kurze, aber regelmäßige Phasen des Tagträumens als Unterbrechung von Tätigkeiten, bei denen Konzentration gefragt ist, sind effektiv. Denn ohne Input von außen hat das Gehirn die Gelegenheit, vorhandene Informationen zu sortieren und neue Zusammenhänge herzustellen. Was erklärt, warum in der Badewanne wie aus dem Nichts eine gute Idee aufblitzt, die am Schreibtisch partout nicht zu finden war.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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