- Gesundheit im Dialog -

Empathie als Kompetenz: Mitfühlen kann trainiert werden

Warum hat sich die Freundin so verhalten? Was geht gerade in meinem Partner vor? Ärger mit der Tochter? Wie fühlen sich die Mitarbeitenden im Team? Warum weint das Kind? Ohne Empathie können wir andere Menschen nicht verstehen und kein erfülltes Leben führen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NordWest, weshalb diese Fähigkeit so wichtig ist und wie sie sich trainieren lässt.

Im Job gehört Empathie zu den Softskills, den sogenannten weichen Fähigkeiten, die neben den Fachkompetenzen für eine Karriere förderlich sind – nicht nur in helfenden Berufen. Empathie ist zwar kein Fach in Schule und Ausbildung, doch wir können die Fähigkeit trainieren, auch noch als Erwachsene.

Ein Forschungsversuch: Einem Menschen werden leichte Stromstöße zugefügt, eine andere Person schaut zu. Die Forschenden haben nachgewiesen, dass ein zuschauender Mensch in der Regel mitleidet – so, als wäre diese Person selbst betroffen. Das ist messbar im Gehirn. Die Fähigkeit, mitzuleiden, mitzufühlen, sich in den anderen hineinzuversetzen, wird auch Empathie genannt. Sie gehört zur Grundausstattung des Menschen. Auch in einen Raum hineinzukommen und die Stimmung in der Gruppe zu erfassen, das gelingt nur einem empathischen Menschen, der über ausreichend Sensibilität und Feingefühl verfügt.

Schon Kleinkinder möchten trösten

Bereits einjährige Kinder möchten trösten, wenn zum Beispiel ein Baby weint oder die Mama Schmerzen hat. Wir alle brauchen Empathie. „Denn Empathie ist die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander“, sagt AOK-Expertin Kerstin Berszuck. „Ohne Empathie wären Beziehungen, Teamarbeit und gute Gespräche nicht möglich.“

Empathie schon zu Urzeiten

Sich mit anderen Menschen innerlich zu verbinden, sorgte schon bei unseren Vorfahren für Überlebensvorteile. Für sie hing ihr Leben davon ab, mit den anderen Mitgliedern ihrer Sippe auf der Jagd nach etwas Essbarem gemeinsame Sache zu machen, sich aufeinander einzustellen und abzustimmen. Das gilt nicht nur für unsere Vorfahren. Empathie ist auch die Basis für Erfüllung im Leben und Erfolg im Beruf. Nur mit einer gewissen Portion Einfühlungsvermögen können wir Beziehungen aufbauen, eine Partnerschaft eingehen und andere Menschen lieben und verstehen.

Das empathische Geschlecht

Frauen werden in der Regel mehr Fähigkeiten zur Empathie zugeschrieben als Männern. Tatsächlich zeigt sich in wissenschaftlichen Fragebögen, dass sie eher als Männer folgendem Satz zustimmen: „Ich kümmere mich gern um andere.“ Im Vergleich zu Männern sind beim weiblichen Geschlecht mehr Hirnregionen aktiv, die an empathischen Prozessen beteiligt sind, wenn ihnen zum Beispiel mitleiderregende Fotografien vorgelegt werden.

Empathie braucht Balance

Gerade Menschen mit ausgeprägtem Einfühlungsvermögen laufen Gefahr, dass die Gefühle des anderen zu eigenen belastenden Gefühlen werden. Nach heutigem Verständnis entsteht Empathie allerdings erst, wenn Selbstempathie und zwischenmenschliche Empathie im Gleichgewicht sind, Wer viel Empathie hat, ruht daher in sich, fühlt sich ausgeglichen und kann sich einfühlsam auf andere einlassen, ohne sich selbst zu belasten.