- Gesundheit im Dialog -

Krise, Krieg und Flucht: Wie es Kindern erklären?

Bilder von fliehenden Frauen und Kindern, Bombenangriffen und zerstörten Städten. Auch Eltern in Dithmarschen fragen sich oft in solchen Situationen, wie ihre Kinder mit diesen Bildern und Informationen umgehen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NordWest, wie sie ihnen dabei helfen können.

In den letzten zwei Jahren war es noch die Pandemie mit Lockdowns, Masken und fehlendem Schulalltag, die Eltern vor Herausforderungen stellte und psychische Belastungen besonders bei Kindern und Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren mit sich brachte. Dies hat die Copsy-Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf ergeben. Jetzt ist es der Krieg in Europa, gefühlt vor der eigenen Haustür, der bei vielen Menschen, besonders jedoch bei Kindern und Jugendlichen, Angst und Unsicherheit auslöst. Die Folge können Trennungs-, Verlassens- und Existenzängste sein: Das Kind befürchtet, dass ihm oder seinen Eltern Ähnliches passieren könnte. „Die Hauptaufgabe von Eltern ist es, Sicherheit und Geborgenheit für Kinder auch in unruhigen Zeiten herzustellen. Dazu ist es wichtig, dass sie auch für ihre eigene seelische Stabilität sorgen“, sagt Thorsten Schmidt, Spezialist für psychosoziale Gesundheit bei der AOK Nordwest. Solche Ängste sind auch bei den Erwachsenen möglich – je nach eigener Vorgeschichte und Persönlichkeit. Eltern sollten daher auch dafür Sorge tragen, selbst seelisch stabil und im Gleichgewicht zu sein.

Kinder bekommen viel mit – Darüber sprechen ist wichtig

Durch die diverse Mediennutzung nehmen auch Kinder und Jugendliche manchmal viel mehr der Kriegs- und Fluchtnachrichten auf, als Eltern glauben. Sie bekommen außerdem Gespräche mit, spüren die Anspannung der Eltern, oder es sind Verwandte oder Freunde betroffen. Es ist wichtig, die Ängste der Kinder nicht abzuwiegeln, sondern nachzufragen, was dem Kind Sorgen bereitet. Aus einer AOK-Familienstudie geht hervor, dass es für Kinder wichtig ist, dass sich ihre Eltern mit ihnen mindestens fünf Minuten am Tag intensiv beschäftigen, also ihnen die volle Aufmerksamkeit schenken. Die Erwachsenen sollten daher selbst in einer Verfassung sein, in der sie Orientierung, Ruhe und Zuversicht geben können. Eine entspannte Atmosphäre ohne Ablenkung ist hilfreich.

Wenn Kinder Ängste zeigen oder äußern, können diese nicht immer durch Gespräche gelöst werden. Die Grundkonstitution und das momentane emotionale Bedürfnis des Kindes spielen eine Rolle. „Wichtig ist auch, nicht auf dem Thema zu beharren und zu akzeptieren, wenn das Kind im Moment nicht weiter darüber sprechen möchte“, so Schmidt. Vor allem kleine Kinder wechseln – aus Selbstschutz – manchmal spontan das Thema.

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Belastendes und Bedrückendes nicht den gesamten Raum in der Familie einnimmt. Es darf gelacht werden und Kinder dürfen Kind bleiben – auch wenn an einem anderen Ort ein furchtbarer Krieg ist.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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