- Gesundheit im Dialog -

Liebeskummer – Wenn zum ersten Mal das Herz bricht

Heide – Gerade noch schwer verliebt und nun tief betrübt: Beim ersten Liebeskummer bricht für viele Jugendliche eine Welt zusammen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, welche Auswirkungen das bei Teenagern haben kann und wie Eltern unterstützen können.

Monatelang ist Anna ausgeglichener als sonst und lächelt viel. Für sie dreht sich alles um Fynn, ihren ersten Freund. Als es „aus“ ist, ist sie wie verwandelt, niedergeschlagen und gereizt, schließt sich im Zimmer ein, telefoniert stundenlang mit ihrer besten Freundin und ist kaum ansprechbar. „Für Jugendliche ist das Ende der ersten Beziehung oft das Schlimmste, was sie bisher erlebt haben“, sagt AOK-Experte für psychosoziale Gesundheit Thorsten Schmidt. „Eltern sollten die Gefühle ihrer Kinder ernst nehmen und für sie da sein.“

Bei Teenagern knackst das Scheitern der ersten Verliebtheit oder Liebe oft das Selbstwertgefühl an, denn eine Liebesbeziehung kann auch ein Statusmerkmal im Freundeskreis sein. In der Phase zwischen Kind und Erwachsenem fühlen sich Heranwachsende sowieso oft unsicher und werden von Selbstzweifeln geplagt. Endet dann eine Liebesbeziehung oder kommt sie gar nicht erst zustande, können Teenager dies als Beweis deuten, dass sie unattraktiv und uninteressant sind. Dazu kommt häufig noch die Blamage vor Freunden oder in Online-Netzwerken, wo der geänderte Beziehungsstatus oft ungefragt kommentiert wird.

Anzeichen für Liebeskummer können vielfältig sein: Viele Teenager ziehen sich zurück, sind traurig, schlecht gelaunt und leicht reizbar. Vor allem bei Mädchen kann sich die Trauer auch durch extremes Essverhalten äußern, etwa Heißhungerattacken oder eine radikale Diät. Schlechte Schulnoten oder ein verändertes Outfit können ebenfalls Anzeichen für Kummer sein.

Auf Sprüche verzichten

„Eltern sollten in diesem Fall Gesprächsbereitschaft signalisieren, ohne zu sehr nachzubohren“, empfiehlt Schmidt. Auf Sprüche wie „Das wird schon wieder“ oder „Der hat sowieso nicht zu dir gepasst“ sollten sie verzichten. Manchmal hilft es auch, wenn Eltern eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend schildern und so ihrem Kind vermitteln, dass es mit seinen Problemen nicht alleine ist und dass der Liebeskummer irgendwann vorbeigeht. Wenn die Tochter oder der Sohn allem Verständnis zum Trotz nicht mit ihnen reden möchte, sondern lieber einer Freundin oder einem Freund das Herz ausschüttet, sollten Eltern dies akzeptieren und nicht beleidigt reagieren.

Ablenkung kann helfen

Jugendliche mit Liebeskummer brauchen Zeit, um ihre Trauer zu bewältigen und über die Trennung oder Zurückweisung hinwegzukommen. In dieser Zeit ist es ratsam, wenn Eltern nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und Gefühlsausbrüche ihres Kindes aushalten. Auch Ablenkung kann helfen, sollte aber nicht aufgezwungen werden. „Unternehmen Sie etwas gemeinsam, was Ihrem Kind Spaß macht, beispielsweise Ausflüge oder Konzertbesuche“, schlägt Schmidt vor. Gemeinsam Sport zu treiben, kann den Jugendlichen ebenfalls auf andere Gedanken bringen.

Problematisch wird es, wenn die Phase der Niedergeschlagenheit sehr lange anhält. „Essen Jugendliche nicht mehr oder extrem viel, äußern sie Selbstmordabsichten oder verletzen sich selbst, sollten die Eltern professionelle Hilfe in Anspruch nehmen“, rät Schmidt. Anlaufstelle könne eine Erziehungsberatungsstelle oder ein Psychologe sein.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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