- Gesundheit im Dialog -

Nur wer nichts tut, macht was falsch – keine Angst vor Erster Hilfe 

Heide – Viele Menschen haben Angst, in Notfällen etwas falsch zu machen. Doch der größte Fehler ist es, nicht zu helfen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, wie Laien Erste Hilfe leisten können. Die Tipps ersetzen allerdings keinen Erste-Hilfe-(Auffrischungs-)Kursus!

Auf dem Boden liegt eine Person, womöglich bewusstlos. Wie gehe ich vor? Wie funktioniert noch mal die Wiederbelebung? Zwar haben die meisten Menschen irgendwann einmal einen Erste-Hilfe-Kursus absolviert, doch das ist schon lange her. Auch wenn der Kursus schon viele Jahre her ist: „Was jeder tun kann, ist, umgehend die gebührenfreie und europaweite Notrufnummer 112 zu wählen. Damit erreicht man den Rettungsdienst und die Feuerwehr“, so AOK-Ärztin Karin Amelung. Dort werden zuerst die wichtigsten Fragen geklärt. Wer ruft an? Was ist passiert und wo? Auch danach ist es sinnvoll, mit der Notrufzentrale in Verbindung zu bleiben. Die Mitarbeiter dort können die Ersthelfer bei einer eventuell notwendigen Wiederbelebung telefonisch anweisen und unterstützen.

Bis ein Rettungswagen kommt, gibt es einiges zu tun: Der Ersthelfer sollte die Unfallstelle absichern, bei Autounfällen etwa ein Warndreieck aufstellen. Dabei unbedingt auf die eigene Sicherheit achten und nicht vergessen, die Warnweste anzulegen. Gegebenenfalls das Opfer aus der Gefahrenzone bringen. Dann gilt es, sofort zu checken, ob eine hilfebedürftige Person, die regungslos daliegt, vielleicht einen Kreislaufstillstand erlitten hat. Atmet die Person normal, ist aber bewusstlos, legt man sie am besten in die stabile Seitenlage. Sind noch andere Ersthelfer vor Ort, sollte man sich die Aufgaben aufteilen. Während der eine Ersthelfer die Rettungsstelle anruft und für Sicherheit sorgt, kann die andere Person bereits prüfen, ob eine Wiederbelebung notwendig ist.

„Wenn man feststellt, dass die Person weder atmet noch Puls hat, sollte man nicht länger als circa zehn Sekunden zögern“, betont Amelung. Bei dem geringsten Zweifel heißt es wieder-beleben. Auch wenn die Atmung auffallend langsam, extrem tief, unregelmäßig oder von schnarchähnlichen Geräuschen begleitet ist, sollte die Wiederbelebung, auch Reanimation genannt, sofort starten. Je früher sie beginnt, desto größer die Erfolgschancen. Denn schon nach wenigen Minuten sterben die ersten Hirnzellen ab, weil das Gehirn nicht genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Viele schrecken vor einer Reanimation zurück, weil sie zuerst an eine Mund-zu-Mund-Beatmung denken. Doch wenn man sich eine Atemspende nicht zutraut, reicht oft auch eine Herzdruckmassage.

Und so funktioniert die Herzdruckmassage:

Neben den Verletzten knien, eine Hand auf die Mitte des Brustkorbs legen.

Die andere Hand darauflegen, Finger verschränken, Arme durchstrecken.

Oberkörper nach vorne verlagern (mit geradem Rücken, Arme dabei gestreckt lassen!) und versuchen, den Brustkorb einzudrücken, etwa fünf bis sechs Zentimeter. Zügig wiederholen, etwa zweimal pro Sekunde, pro Minute 100- bis 120mal.

Da das körperlich ziemlich anstrengend ist, ist es ratsam, sich alle zwei Minuten abzuwechseln, wenn mehrere Ersthelfer vor Ort sind. Nur wenn jemand geübt ist und es sich zutraut, kann auf 30 Druckbewegungen eine zweimalige Atemspende folgen. Das Schema lautet also 30:2. Wichtig dabei: Die Herzmassage sollte man nicht länger als zehn Sekunden unterbrechen. Ist die Nase verletzt oder beim Einblasen nicht durchlässig, können Ersthelfer auf die Mund-zu-Mund-Beatmung übergehen.

Das alles kann man in einem Erste-Hilfe-Kursus üben: Neben dem Deutschen Roten Kreuz bieten auch andere Hilfsorganisationen, Kommunen, Volkshochschulen, Fahrschulen, aber auch Arbeitgeber Lehrgänge an.

Doch auch ganz ohne Ausbildung kann jeder psychische Hilfe leisten. Der Betroffene sollte spüren, dass er nicht allein ist und beruhigt werden bis der Krankenwagen kommt. Leichter Körperkontakt an der Schulter oder die Hand halten wirkt unterstützend. Der Betroffene sollte auch vor Zuschauern abgeschirmt werden.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

Weitere Artikel aus "Gesundheit im Dialog"