- Gesundheit im Dialog -

Präsentismus in der Pflege weit verbreitet

Auch viele Menschen in Dithmarschen tun das: Sie gehen arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen. Dieses Phänomen nennt sich Präsentismus. 

Viele Beschäftige tendieren im Arbeitsalltag dazu, eigene Belastungsgrenzen aus Loyalität zum Team zu überschreiten. Sie sind der Überzeugung, dass sie ihrem Unternehmen und den Kolleginnen und Kollegen etwas Gutes tun, wenn sie krank zur Arbeit erscheinen. Ein weiterer Grund: Pflege ist ein besonderer Beruf. Pflegende bauen eine persönliche Beziehung zu den Menschen auf, um die sie sich kümmern und fühlen sich verantwortlich.

Dabei birgt Präsentismus viele Risiken für alle: Die Betroffenen erholen sich nicht angemessen, Krankheiten können chronisch werden und Beschäftigte fallen womöglich noch länger aus. Im Falle von Infektionskrankheiten können auch andere Menschen angesteckt werden. Das Fehler- und Unfallrisiko steigt nachweislich. Gerade in der medizinischen und pflegerischen Versorgung können jedoch Fehler schwere Konsequenzen nach sich ziehen und kranke und pflegebedürftige Menschen in Gefahr bringen.

„Die beste Vorbeugung gegen Präsentismus besteht nach derzeitigem Forschungsstand in einer wertschätzenden Unternehmenskultur, in der die Gesundheit der Beschäftigten einen hohen Stellenwert hat, aber auch Arbeitsunfähigkeiten als etwas Normales im Berufsalltag betrachtet werden“, sagt AOK-Präventionsexperte Schulze-Bockholt.