- Gesundheit im Dialog -

Soziale Phobie: Wenn Schüchternheit zur Panik wird

Zentrales Merkmal einer Sozialen Phobie ist die Angst, sich in Gesellschaft anderer Menschen falsch zu verhalten und negativ beurteilt zu werden. Die gute Nachricht: Eine Soziale Phobie ist behandelbar. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NordWest, wie psychotherapeutische Behandlung und Medikamente helfen können.

Die Soziale Phobie, auch Soziale Angst genannt, gehört zu den Angststörungen und ist nach Alkoholabhängigkeit und Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Robert Scott zum Beispiel, der berühmte Südpolarforscher litt Zeit seines Lebens daran. Vor Menschen zu sprechen, war für ihn wesentlich schlimmer, als eine Gletscherspalte zu überqueren.

Körperliche Begleitsymptome einer Sozialen Phobie können Schwitzen, Zittern, Erröten, Atemnot, Herzrasen, Übelkeit, Durchfall bis hin zu Panikattacken sein. Bei der Behandlung können psychotherapeutische Behandlung und Medikamente helfen. Die Symptome verbessern sich laut Studien bei bis zu zwei Dritteln der behandelten Patienten. 

Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes leiden zwei bis drei Prozent der Menschen in Deutschland unter einer Sozialen Phobie. Wobei die Erkrankung meist im Jugendalter beginnt, seltener nach dem 25. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei der Entwicklung spielen mehrere Faktoren eine Rolle: eine angeborene Veranlagung, der Erziehungsstil der Eltern, erlernte Einstellungen und Verhaltensweisen oder unangenehme Erfahrungen mit anderen Menschen. „Manchmal gibt es ein Schlüsselerlebnis. Das kann zum Beispiel eine peinliche Situation in der Schule sein, wenn die Frage des Lehrers nicht beantwortet werden konnte und Mitschüler darüber gelacht haben oder bei einem Meeting, wenn Kollegen oder Vorgesetzte an der Person Kritik üben. Die Angst, sich auch künftig zu blamieren, kann dann übermächtig werden“, sagt AOK-Mediziner Dr. Thorsten Sebens. 

Dabei geht diese Form der Angststörung weit über einfache Schüchternheit hinaus. Schüchternheit zeigt sich eher als eine leichte Befangenheit anderen gegenüber. Die Folge können Zurückhaltung und leichtere Vermeidungstendenzen sein. Menschen mit sozialer Angst leiden deutlich stärker an körperlichen Angstsymptomen wie Zittern, Schwitzen oder Übelkeit. Sie haben auch viel mehr Angst, von anderen abgelehnt oder kritisiert zu werden, obwohl sie wissen, dass die Befürchtungen unrealistisch hoch sind. Das geht so weit, dass die Betroffenen sich zurückziehen und vermeiden, an Partys, Konferenzen oder Fortbildungen teilzunehmen, vor anderen Personen zu sprechen oder in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Dadurch entstehen reale Probleme im beruflichen Kontext, in der Partnerschaft und im Sozialleben. „Dieses Vermeidungsverhalten führt dann zu weiterem Selbstwertverlust und sozialer Isolation. Viele erkranken dann zusätzlich noch an Depressionen oder entwickeln ein Suchtverhalten“, so Dr. Sebens.

 

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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