- Priorität: Mittel -

Süß und zuckrig war gestern

Heide – Zucker ist schlecht für die Zähne, und zu viel davon fördert Übergewicht. Deshalb hat Haushaltszucker ein eher schlechtes Image, alternative Süßmacher dagegen sind gefragt. In Kooperation mit unserer Zeitung geht die AOK Nordwest der Frage nach, welche Alternativen wirklich besser sind?

Rund 90 Gramm Zucker verzehrt ein Mensch in Deutschland pro Tag. Das sind etwa 30 Stück Würfelzucker. Rund doppelt so viel wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für vertretbar hält. Diese empfiehlt, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Kalorien als Zucker aufzunehmen. Das entspräche einer Menge von circa 50 Gramm. Noch idealer wären sogar nur fünf Prozent, also 25 Gramm.

Die gute Nachricht lautet: Süßes ist nicht in jedem Fall schlecht. Der Körper braucht Zuckerbestandteile, um zu funktionieren. Sie gelangen über das Blut zu allen Muskeln und Organen. Dort werden sie in Energie umgewandelt oder in speziellen Zellen für später gespeichert. Nur das menschliche Gehirn legt keinen Zuckervorrat an. Es ist darauf angewiesen, dass wir täglich etwas verzehren, aus dem es Glukose, auch Traubenzucker genannt, beziehen kann. Kein Organ ist so gefräßig: Die Hirnzellen verbrauchen jeden Tag die Hälfte der Energie-Tagesration, bei Stress können es sogar 90 Prozent sein. Diesen Glukosebedarf zieht es aus allen verfügbaren Zuckerarten.

Also sollte man dem Drang nach Süßem nachgeben? Nur bedingt, denn es kommt, wie so oft, vor allem auf die Menge an – und auf die Art des Zuckers. Wie wir den Bedarf des Gehirns auf gesunde Weise decken können, weiß AOK-Ernährungsexpertin Brigitte Fischer: „Um den Körper mit Kohlenhydraten zu versorgen, ist es nicht erforderlich reinen Zucker zu essen.“

Gesunde Energiespender

Weitaus gesündere und ergiebigere Lieferanten sind beispielsweise Brot und Nudeln aus Vollkorn und Kartoffeln. Sie enthalten komplexe Kohlenhydrate, die im Darm in ihre einzelnen Zuckerbausteine zerlegt werden. Vorteil: Sie lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen und sättigen lange. Zudem liefern sie meist auch lebenswichtige Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Wer also regelmäßig Vollkornprodukte, viel frisches Gemüse und Obst isst, muss sich um seine Kohlenhydrat-Versorgung und um genügend Treibstoff fürs Gehirn keine Sorgen machen.

Viele Kalorien, wenig Sättigung

Ist von Zucker die Rede, denken die meisten Menschen automatisch an weißen Haushaltszucker. Er wird hierzulande meist aus Zuckerrüben hergestellt und heißt im Fachjargon Saccharose. Chemisch betrachtet ist dieses Kohlenhydrat ein Zweifachzucker, der aus Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose) besteht. Im Dünndarm wird er sehr schnell in seine beiden Bestandteile zerlegt und steht sofort als Energielieferant zur Verfügung. Der Blutzuckerspiegel steigt dann schnell an, fällt aber ebenso rasant wieder und fordert schnell wieder Nachschub.

Weiterer Knackpunkt: Haushaltszucker liefert mit vier Kilokalorien pro Gramm zwar reichlich Energie, aber keine Vitamine oder Mineralien. Deshalb wird von sogenannten leeren Kalorien gesprochen.

Fruchtzucker keine Alternative

Dann esse ich eben Fruchtzucker, mag mancher nun denken. Lange wurde er für Menschen mit Diabetes auch als gute Alternative angepriesen. „Wenn man viel Fruchtzucker über einen längeren Zeitraum isst, kann das ungünstige Wirkungen auf den Stoffwechsel haben, so Ernährungsexpertin Fischer.

Auf Lebensmittel mit zugesetzter Fruktose sollte man deshalb besser verzichten. Den Biss in einen knackigen Apfel braucht man sich aber auf keinen Fall vermiesen zu lassen, weil der Körper diesen Fruchtzucker besser verarbeitet als den in Fertiglebensmitteln. Der Grund: Die frischen Früchte enthalten neben Fruktose auch Nähr- und Ballaststoffe – sie begrenzen die Aufnahme und Wirkung der süßen Fracht.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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