- Gesundheit im Dialog -

Tanzen hält die grauen Zellen fit

Heide – Warum nicht mal wieder schwofen gehen? Schließlich ist Tanzen die ideale Kombination aus körperlichem und geistigem Training und macht gute Laune. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, dass sich Tanzen sogar positiv auf Entwicklung und Verlauf einer Demenz auswirken kann.

Wohin muss ich den nächsten Schritt setzen? Bin ich im Rhythmus der Musik? Folgt mir meine Partnerin? Habe ich genug Platz für die nächste Figur? Und wie ging die noch gleich? Beim Tanzen kommt man ins Schwitzen, nicht nur wegen der Bewegung oder der schwülen Luft im Tanzsaal. Denn Tanzen ist eine komplexe Angelegenheit. „Die Verbindung von Bewegung, Berührung und Musik trainiert das Gehirn wie kaum eine andere Tätigkeit“, sagt AOK-Mediziner Dr. Wolfgang Mollowitz. Komplizierte Figuren und Drehungen verlangen den Tänzerinnen und Tänzern ein Höchstmaß an Konzentration ab. So schulen Salsa, Foxtrott, Swing, Tango und Co. nicht nur den Körper, die Koordination und soziale Kompetenz, sondern auch den Geist. „Es gibt wissenschaftliche Anhaltspunkte, dass Tanzen einer Demenz vorbeugen und im Frühstadium einer Demenz die Gehirnleistung verbessern kann“, so Mollowitz.

Bei einer Studie der Neurologischen Uniklink in Magdeburg hatten sich zum Beispiel Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Gleichgewicht und Flexibilität von Tänzerinnen und Tänzern verbessert, bei den Fitnesssportlerinnen und -sportlern dagegen nur die Wachsamkeit. Zudem fand sich nur im Blut der Tänzerinnen und Tänzer ein Nervenwachstumsfaktor, was darauf hindeutet, dass sich neue Nervenzellen gebildet haben. Natürlich kommt neben dem Gehirn auch der Körper in Schwung, wenn Menschen tanzen. „Tanzen ist ein gutes Ganzkörpertraining für jeden Menschen und stärkt Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit", so Mollowitz weiter. Und das ohne Verletzungsgefahr – solange man keinen Rock’n’Roll mit Hebefiguren aufs Parkett legt, wenn man gesundheitlich eingeschränkt ist. Bei körperlich anstrengenden Tänzen wie Salsa, Jive oder Foxtrott werden zudem viele Kalorien verbraucht. Gerade übergewichtigen Menschen oder Menschen, die sich als unsportlich empfinden, kann Tanzen positive Bewegungserfahrungen und damit ein besseres Körpergefühl bescheren.

Insbesondere der argentinische Tango wurde untersucht. Im Gegensatz zum europäischen Tango sind die Schrittfolgen nicht festgelegt, sondern die Bewegungen werden zur Musik frei improvisiert. Das erfordert eine enorme Aufmerksamkeit für den Partner oder die Partnerin und die Musik – zumal in der argentinischen Tangomusik viele Rhythmus- und Geschwindigkeitswechsel vorkommen. Diese Besonderheiten scheinen eine Erklärung dafür zu sein, dass der argentinische Tango gerade bei Parkinson-Patienten und -Patientinnen die Bewegungsfähigkeit verbessert. Sie konnten besser auf einem Bein stehen oder sich um 360 Grad drehen als die Vergleichsgruppe, die an speziellen Bewegungsübungen für Parkinsonpatienten teilgenommen haben. Auch im Vergleich zu Walzer oder Foxtrott schnitt das Tangotraining bei Parkinson-Patienten und -Patientinnen besser ab. Weil Tango besonders das Gleichgewicht schult, scheint der argentinische Tanz auch geeignet zu sein, das Sturzrisiko bei älteren Menschen zu senken, und zwar mehr als ein Gehtraining. Tango wird oft in besonders enger Umarmung mit dem Partner oder der Partnerin getanzt – für einige Psychotherapeutinnen und -therapeuten deshalb eine gute Möglichkeit, mit Hilfe des argentinischen Tanzes Beziehungs- oder andere Kommunikationsprobleme anzugehen.

Es ist übrigens nie zu spät, mit dem Tanzen anzufangen. „Auch im höheren Alter kann man Neues lernen, selbst wenn es etwas länger dauert“, sagt Mollowitz. Denn auch im Alter kann das Gehirn neue Verbindungen zwischen Nervenzellen knüpfen. Schwofen ist sogar mit Rollator möglich oder im Sitzen, wie Angebote der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und von Altenpflege-Einrichtungen zeigen. Denn mitschunkeln und die Arme im Takt bewegen, geht immer.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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