- Gesundheit im Dialog -

Warum es auch mal bitter schmecken soll

Heide Schon beim Gedanken an Grapefruit, Endivie oder Chicorée verziehen viele das Gesicht. Denn die (meisten) Menschen essen lieber süß oder salzig. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NORDWEST, welche positive Wirkung Bitterstoffe auf die Gesundheit haben – vor allem auf die Verdauung.

Der Begriff Bitterstoffe steht für unterschiedliche Substanzen, die alle gemeinsam haben, dass sie bitter schmecken. Während für "süß" nur eine Rezeptorvariante auf der Zunge ange-siedelt ist, gibt es für "bitter" etwa 25 verschiedene Sinneszellen, die einen bitteren Ge-schmacksstoff auslösen können, allerdings mit unterschiedlicher Sensitivität. Das hängt damit zusammen, dass es für unsere Vorfahren lebenswichtig war, giftige Pflanzen am oft auch bitteren Geschmack zu erkennen. Denn Bitterstoffe kommen in vielen Pflanzen und Pflan-zenprodukten vor: in verschiedenen Gemüse- und Obstsorten, Kräutern und Gewürzen wie Thymian, Estragon und Ingwer oder in Getränken wie Kaffee und grünem Tee. Ein bitterer Geschmack regt den Speichelfluss an, fördert den Fettstoffwechsel, die Ausschüttung von Verdauungssäften (Leber und Galle) und aktiviert die Magen-Darm-Bewegungen. "Daher sollten auch bitter schmeckende Nahrungsmittel wie Rucola, Radicchio, Chicorée, Rosenkohl oder Artischocken auf unserem Speiseplan stehen", sagt AOK-Ernährungsexpertin Christa Vollsen. Darüber hinaus können Bitterstoffe beim Abnehmen helfen.

Behandlung von Verdauungsbeschwerden

Bitterstoffe spielten bereits im Mittelalter eine große Rolle in der Behandlung von Verdau-ungsbeschwerden. Damals war das Gemüse allerdings noch wesentlich reicher an Bitterstof-fen. Aus den heutigen Sorten sind diese zugunsten eines milderen Geschmacks weitgehend herausgezüchtet worden. Auf Märkten oder Bio-Höfen gibt es aber noch Salat-, Obst- oder Gemüsesorten mit relativ vielen Bitterstoffen, zum Beispiel Frühlingszwiebeln oder Löwen-zahn.

Training für Bitteres

Bitteres zu mögen, kann man sich antrainieren: Um Kinder an einen Geschmack zu gewöh-nen, müssen sie beispielsweise eine Gemüsesorte mindestens zehnmal essen, bis sie den Geschmack wiedererkennen. "Durch abwechslungsreiche Kost steigt die Akzeptanz auch für bitter schmeckende Speisen. Kommt immer nur Ähnliches auf den Tisch, ist das für die Ge-schmacksentwicklung dagegen nicht förderlich", so AOK-Expertin Vollsen. Um den bitteren Geschmack etwas abzumildern, gibt es ein paar Tricks: So lässt sich zum Beispiel Chicorée gut mit Orangen oder Äpfeln mischen, Radicchio mit anderen Salaten gemixt oder durch Zu-satz von Joghurt oder anderen Milchprodukten, zum Beispiel als Salatsauce, abgemildert werden.

Bitter kann auch gefährlich sein

Es gibt jedoch auch giftige Bitterstoffe: So können Zucchini- und Kürbispflanzen bei heißem und trockenem Wetter verstärkt Bitterstoffe bilden. Auch nimmt der Bitterstoffgehalt während der Fruchtreife zu, Zucchini sollten daher möglichst jung geerntet werden. Besser auch nicht in der Nähe von Zierkürbissen anpflanzen, da diese eine sehr hohe Konzentration an Bitterst-offen beinhalten. Je nach aufgenommener Dosis kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Magen-krämpfen und Durchfall kommen.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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