- Gesundheit im Dialog -

Wenn Reisen krank macht …

Heide – Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß, doch die Reise zum Ferienort wird für manche Menschen zur Qual. Ganz gleich ob mit Flugzeug, Auto, Bus oder Bahn, Rei-sebeschwerden können jeden treffen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK Nordwest, was hier helfen könnte.

„Schwindel, Übelkeit oder Schweißausbrücke sind typische Anzeichen einer Reisekrankheit“, sagt AOK-Mediziner Dr. Wolfgang Mollowitz. Doch auch weniger anfällige Menschen können auf hoher See, kurvenreichen Straßen oder bei Turbulenzen in der Luft Schwierigkeiten bekommen. Grundsätzlich kann eine Reisekrankheit jeden Menschen in jeder Phase seines Lebens treffen, wenn die Bewegungsreize stark sind – sogar erfahrene Seeleute bei hohem Wellengang auf dem Meer.

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ein erhöhtes Risiko haben. “Die Anfälligkeit ist stark altersabhängig“, sagt Mollowitz. “Kinder unter zwei Jahren sind kaum betroffen, weil der Gleichgewichtssinn noch nicht so weit entwickelt ist. Besonders anfällig sind dagegen Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Danach sinkt die Neigung zur Reisekrankheit in der Regel wieder ab.“ Die Reisekrankheit wird auch Bewegungskrankheit oder Kinetose genannt, vom Griechischen „kinein“: bewegen. Die Ursache für ihre Entstehung liegt im Zusammenspiel von Gehirn und den Sinnesorganen, vor allem den Augen und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr.

Wenn jemand zum Beispiel bei einer Auto- oder Busfahrt auf einer kurvigen Straße in einem Buch liest, melden unsere Augen an das Gehirn, dass wir ruhig dasitzen, während das Gleichgewichtsorgan im Innenohr die Bewegung unseres Körpers registriert und als Signal an das Gehirn weiterleitet. Unser Gehirn erhält dann von unseren Sinnesorganen widersprüchliche Informationen zur Bewegung unseres Köpers im Raum. Durch diese Verwirrung unseres Gehirns können die Symptome der Reisekrankheit ausgelöst werden.

Schon vor dem Start kann man jedoch einiges tun, um die Reise besser zu überstehen: zum Beispiel vor der Abreise keinen Alkohol mehr trinken, auf fettes, schwer verdauliches Essen verzichten und ausreichend schlafen. Auch die Wahl des richtigen Platzes ist wichtig: Bei Busreisen ist es besser, vorn als hinten zu sitzen, weil sich vorn die Straße besser beobachten lässt und die Fahrzeugauslenkung geringer ist als auf den hinteren Sitzplätzen. Im Flugzeug ist es sinnvoll, einen Platz am Fenster über den Tragflächen zu reservieren, da dort Erschütterungen am wenigsten zu spüren sind.

Als Hausmittel gegen Reiseübelkeit wird oftmals Ingwer empfohlen. Die Wirksubstanzen der Wurzelpflanze sollen die Beschwerden deutlich mindern. „Wenn einfache Mittel nicht wirken, können Medikamente helfen“, so Dr. Mollowitz. Mittel gegen Reisekrankheit gibt es in Form von Kaugummis, Tabletten oder Zäpfchen. Die Medikamente sollten vorbeugend, also vor Reiseantritt, eingenommen werden. Da die gängigen Präparate müde machen, kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein. Das ist zum Beispiel beim Autofahren zu beachten, weil die Fahrtüchtigkeit bei Einnahme solcher Medikamente eingeschränkt sein kann.

Bestehen weitere Erkrankungen, für die regelmäßig Arzneimittel eingenommen werden, sollten sich Betroffene unbedingt von ihrem Arzt oder Apotheker zu den Nebenwirkungen und Wechselwirkungen beraten lassen.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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