- Gesundheit im Dialog -

Wenn Söhne Männer werden

Breitere Schultern, Bartwuchs, Samenerguss – in der Pubertät geht es bei Jungen ziemlich rund. Zugleich ist es eine Zeit der Unsicherheit und überbordenden Gefühlsregungen. In Kooperation mit unserer Zeitung informiert die AOK NordWest, wieso die Pubertät Stress pur für die Jugendlichen und oft eine Herausforderung für die Eltern ist.

Zwischen dem zehnten und 15. Lebensjahr wird vermehrt das Hormon Testosteron produziert. Körperbehaarung, Penis und Hoden fangen an zu wachsen, zum ersten Mal werden Spermien produziert. Auch die Stimmbänder beginnen zu wachsen und der Stimmbruch setzt ein. Das Tempo und die Reihenfolge der Veränderungen sind dabei sehr unterschiedlich: „Jungen entwickeln sich nicht alle gleich schnell“, erklärt AOK-Mediziner Dr. Wolfgang Mollowitz. So wachsen bei manchen die ersten Barthaare schon früh und dicht, andere haben fast gar keine. Ob der Bart üppig oder eher spärlich sprießt, hängt jedoch vor allem von den Erbanlagen ab und hat nichts mit „Männlichkeit“ zu tun. Einige Jungen haben starken Stimmbruch, bei anderen ist er kaum hörbar. 

Viele bekommen Pickel, aber nicht alle. Akne entsteht hauptsächlich, weil der Körper während der Pubertät mehr Androgene produziert. Rund ein Fünftel der Jugendlichen hat eine mittelschwere bis schwere Akne, Jungen wesentlich häufiger als Mädchen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) haben die meisten Jungen eine positive Einstellung zu ihrem eigenen Körper, nur etwa jeder Fünfte ist mit seinem Aussehen nicht zufrieden. Für alle gilt jedoch: Zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr sind die wichtigsten körperlichen Veränderungen abgeschlossen. 

Sexualität nimmt in der Pubertät (lat. Pubertas: Geschlechtsreife) einen großen Raum ein. „Aufgrund der körperlichen Veränderungen fühlen sich die Jugendlichen oft unsicher und verletzlich. Sie haben neue Gefühle, die schön sind, aber auch Angst machen und ständig schwanken“, so Dr. Mollowitz. Ihren ersten Samenerguss haben laut pro familia die meisten Jungen (29 Prozent) im Alter von 13 Jahren, mit 14 haben fast 90 Prozent ihre erste Ejakulation erlebt. Selbstbefriedigung ist weit verbreitet: Ab 16 Jahren haben mindestens vier von fünf Jungen während der vergangenen zwölf Monate masturbiert, dabei bleibt es dann auch in den höheren Altersjahrgängen. 

Doch nicht nur für den Körper ist die Zeit der Pubertät eine Großbaustelle – auch für die Seele. Das Gehirn ist zu dieser Zeit noch nicht in allen Bereichen ausgewachsen. Das Frontalhirn, das für Planung und Emotionskontrolle verantwortlich ist, bildet sich als letztes aus. Organisiert zu denken und zu handeln oder überschießende Gefühle zu kontrollieren, fällt in der Pubertät daher viel schwerer. Auch die innere Uhr verändert sich in dieser Zeit: Ungefähr ab dem zehnten Lebensjahr verschiebt sich der Zeitpunkt der Schlafmitte gegen Morgen. Pubertierende Jugendliche schlafen meist erst nach Mitternacht ein und sammeln daher über die Woche ein deutliches Schlafdefizit.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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