- Zeitungsflirt - Redaktion -

Wie aus Papierrollen und vier Farben 40 Millionen Zeitungen werden

Ein Höhepunkt im Medienprojekt Zeitungsflirt von Boyens Medien für alle Dithmarscher Grundschüler ist der Besuch in der Ende der 1997 gebauten Druckerei in Weddingstedt. 

30 Augenpaare konzentrieren sich auf die riesige, Tonnen schwere Papierrolle, die zu rotieren beginnt und sich immer schneller dreht – solange, bis für den Bruchteil einer Sekunde ein winziger Ruck mehr zu spüren als zu hören ist und die Rotationsmaschine beginnt, die nächste 18 Kilometer lange Papierbahn zu verschlingen.

Dieser Moment ist der spannendste während der Besichtigung der Zeitungsdruckerei von Boyens Medien in Weddingstedt. Man muss ein bisschen Glück haben und genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um das zu erleben. Die Kinder der Klasse 3b an der Klaus-Groth-Schule Heide haben Glück. Sie betreten das Papierlager, als der Rollenwechsel kurz bevorsteht. Die Jungen und Mädchen machen aktuell beim Zeitungsflirt mit und nutzen das Angebot, den Druck einmal live mitzuerleben.

Nachdem am Vormittag Redakteurin Gesine Groll die Klasse in der Schule besucht und viele Fragen zu ihrem Beruf beantwortet hatte, zeigt nun Eckhart Wittke den Kindern den technischen Teil der Produktion ihrer Tageszeitung. Vier Wochen lang bekommen die Kinder zum Zeitungsflirt täglich kostenlos ihr persönliches Exemplar in die Schule geliefert und arbeiten intensiv damit. Das Medienprojekt von Boyens Medien ist beliebt. Fast alle Dithmarscher Grundschulen machen mit; mehr als 1600 Kinder aus 72 dritten und vierten Klassen sind beteiligt.

Bevor der Rundgang durch die Druckerei beginnt, steht ein bisschen Theorie auf dem Programm. Die Kinder hören zum Beispiel, dass Johannes Gutenberg das Drucken erfunden und 1450 eine Medienrevolution ausgelöst hat. Vor 550 Jahren funktionierten die Druckmaschinen wie Stempel, erzählt Wittke den Kindern und ihren erwachsenen Begleitern. „Heute ist das viel komplizierter, geht dafür aber unglaublich viel schneller und ist viel präziser.“ Wie der sogenannte Flachdruck funktioniert, ist für die Grundschüler schwer zu verstehen. Die Frage, wie viele und welche Farben zum Druck einer Zeitung benötigt werden, beantworten sie  hingegen schnell: Gelb, Rot, Blau und Schwarz.

Staunend lauschen die Kinder den Zahlen zum Druckereibetrieb in Weddingstedt: 40 Millionen Zeitungen und ähnliche Produkte verlassen jährlich das Betriebsgelände. Dafür werden 4500 Rollen beziehungsweise 81 000 Kilometer Zeitungspapier benötigt. 120 000 Druckplatten und 66 Tonnen Druckfarbe werden dafür verarbeitet. In einer Stunde druckt die inzwischen 20 Jahre alte Rotationsmaschine 32500 Zeitungsexemplare. 

Die Kinder werden allmählich ungeduldig. Sie wollen so gerne sehen, wie diese Maschine – die haushoch ist –, das genau macht. In der Produktionshalle ist es laut. Damit alle Eckhart Wittke, der nun ein Mikrofon trägt, gut verstehen, bekommt jeder einen Empfänger und einen Ohrhörer. Und los geht es. „Das hat man jetzt gar nicht so richtig gemerkt“, sagt einer der Schüler, „so schnell geht das!“ Auch wundert er sich, dass bei dem Rollenwechsel das Papier nicht gerissen ist, „so schnell, wie sich das alles dreht.“ Das wäre schlimm, erklärt Wittke. Dann müssten die Drucker die Maschine anhalten und von vorne beginnen. Zum Glück kommt das nur ganz, ganz selten vor.