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Große oder kleine Witwen-Rente?

Für manche Paare gelten Übergangsregelungen

Verstirbt ein Ehepartner, bedeutet das für den Zurückbleibenden häufig auch drastische finanzielle Einschnitte. Eine gesetzliche Witwenrente soll daher etwaige Einkommensverluste ausgleichen. Um aber eine solche Rente zu bekommen, müssen verschiedene rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein - zum Beispiel eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren. Geregelt ist das im Sozialgesetzbuch VI. Witwer oder Witwen haben darüber hinaus nur Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente, wenn sie bis zum Tod des Partners in gültiger Ehe oder eingetragener Lebenspartnerschaft lebten.

Die so genannte große Witwenrente hängt vom Alter des verbliebenen Partners ab. Daher wirkt sich das Gesetz zur „Rente mit 67“ auch auf das Hinterbliebenenrecht aus. Die Altersgrenze wird jährlich um einen oder zwei Monate angehoben, bis im Jahr 2029 die Grenze von 47 Jahren erreicht ist. Bei Todesfällen in diesem Jahr muss der Hinterbliebene mindestens 45 Jahre und fünf Monate alt sein, im nächsten Jahr 45 Jahre und sechs Monate, um eine große Witwerrente zu bekommen. Vorher gibt es sie nur, wenn man erwerbsgemindert ist oder ein Kind erzieht, das das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet oder eine Behinderung hat. 

Anderenfalls hat man lediglich Anspruch auf eine kleine Witwenrente. Diese beträgt nur 25 Prozent jener Rente, die der Ehepartner zum Todeszeitpunkt bekommen hätte. Die kleine Rente ist auf 24 Monate nach dem Tod des Ehepartners begrenzt - nach so genanntem alten Recht wird sie noch unbegrenzt gewährt. Die große Witwenrente beträgt heute dagegen grundsätzlich 55 Prozent der Ansprüche des Verstorbenen. Hinzu kommen Zuschläge für die Kindererziehung. 

Mütter oder Väter erhalten beispielsweise für die Erziehung des ersten Kindes bis zum dritten Lebensjahr derzeit einen Monatszuschlag von 58,41 Euro in den alten Bundesländern (Neue Bundesländer: 54,09 Euro). Für jedes weitere Kind kommt dann noch einmal der halbe Betrag hinzu. Nach „altem Recht“ gibt es bei der großen Witwenrente 60 Prozent der Ansprüche des Verstorbenen - aber keine Zuschläge für die Kindererziehung. Mit der Rentenreform von 2002 hatte der Gesetzgeber die Versorgung Hinterbliebener neu geregelt. Aus Vertrauensschutzgründen gibt es Übergangsregelungen für ältere Paare. Dieses „alte Recht“ galt in erster Linie für jene, bei denen ein Ehepartner vor dem 1. Januar 2002 verstorben war. Heute können sich Hinterbliebene nur noch auf „altes Recht“ berufen, wenn ein Ehepartner zwar nach 2002 verstorben ist, die Hochzeit aber vor 2002 erfolgte und - zweite Bedingung - einer von beiden Partnern vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde. Für alle anderen gilt „neues Recht“. 

Da eine Witwenrente Einkommensverluste ausgleichen soll, wird zusätzliches Einkommen oberhalb eines bestimmten Freibetrages angerechnet. Dieser Betrag ändert sich jährlich im Sommer. Bis Juni 2016 beträgt er in den alten Bundesländern 771,14 Euro, in den neuen 714,12 Euro. Er kann noch steigen, wenn waisengeldberechtigte Kinder im Haushalt leben. Übertreffen ihn die anderen Einkünfte, wird die Witwen- oder Witwerrente um 40 Prozent jenes Betrages gekürzt, der die Freigrenze übersteigt. Je höher also das zusätzliche Einkommen, desto geringer fällt die Witwerrente aus.