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Billionen-Erbschaft wird äußerst ungleich verteilt

Eine DIA-Studie relativiert das Ausmaß der so genannten Erbschaftswelle

Die unvorstellbare Summe von 3,1 Billionen Euro fällt in den Jahren von 2015 bis 2024 als Erbmasse in Deutschland an - so viel wie nie zuvor in vergleichbaren Zeiträumen. Das geht aus der dritten Erbenstudie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervor. Der Leiter der Studie, Reiner Braun von der Empirica AG, trat bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin aber gleich auf die Euphorie-Bremse: „Erben bedeutet nur eine Umverteilung bereits bestehenden Vermögens zwischen den Generationen“. Die Volkswirtschaft werde dadurch nicht reicher. Nehme man die Riesensumme genau unter die Lupe, relativiere sich das Ausmaß der so genannten Erbschaftswelle schnell. 

Das beginnt schon damit, dass von den gut drei Billionen Euro rund eine Billion nicht an die nächste Generation weiter gereicht wird, sondern den hinterbliebenen Ehe- oder Lebenspartnern zufällt. Bei den verbleibenden 2,1 Billionen konzentrieren sich die großen Erbschaften wiederum auf wenige Fälle: „Der Teufel“, so Studienleiter Braun, „scheißt eben immer auf den größten Haufen“. Erben vertieft demnach die Konzentration des Vermögens und damit die soziale Ungleichheit. Die oberen zwei Prozent aller Hinterlassenschaften vereinen etwa ein Drittel des gesamten Erbschaftsvolumens auf sich - wobei das Firmenvermögen noch nicht einmal mit gerechnet wurde. Deshalb haben die Studien-Verfasser auch die zwei Prozent der Super-Reichen herausgerechnet und ermittelt, dass bei der breiten Masse der nächsten Erben-Generation noch 1,4 Billionen Euro ankommen. Davon entfallen zehn Prozent auf Sachvermögen, der Rest verteilt sich auf Immobilien (47 Prozent) und Geldwerte (43 Prozent). Etwa die Hälfte dieses Geldvermögens ist in festverzinslichen und wenig riskanten Sparguthaben angelegt. Ein weiteres Drittel entfällt auf etwas riskantere Wertpapiere - der Rest sind Lebensversicherungen oder Bausparguthaben. 

Mit knapp sechs Millionen Erbfällen ist in den nächsten zehn Jahren zu rechnen. Ohne die zwei Prozent Millionäre schrumpft die Durchschnittserbschaft beträchtlich, beträgt aber bei Normalverdienern pro Erbfall immerhin noch 242.000 Euro. Zwei Erben wurden pro Todesfall angenommen - das ergibt einen Bundesdurchschnitt von 121.000 Euro pro Erbe. Die individuelle Höhe des Nachlasses hängt der DIA-Studie zufolge wesentlich von der Tatsache ab, ob Immobilien vererbt werden: Die Erbschaftsregel laute nicht „entweder Geld oder Immobilie“, sondern „wenn Immobilie, dann auch viel Geld“. Werden Immobilien mitvererbt, dann beträgt das Volumen bei mehr als zwei Dritteln dieser Erbschaften mindestens 150.000 Euro. Bei fast einem Fünftel dieser Fälle liegt allein das vererbte Geldvermögen jenseits dieser Marke. Dagegen ist bei potenziellen Erblassern, die zur Miete wohnen, weitaus weniger zu erwarten. Praktisch jeder vierte Mieterhaushalt hat nichts zu vererben oder gar Schulden. 

Die niedrigsten Erbschaften werden in Großstädten gemacht, die größten dagegen in kleineren Gemeinden. Beträchtliche Unterschiede bei der durchschnittlichen Erbschaftshöhe gibt es auch im regionalen Vergleich. Schlusslichter beim Erbschaftsvolumen mit 52.000 beziehungsweise 53.000 Euro sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die Haushalte im Osten haben historisch bedingt geringere Vermögen angesammelt. Im Osten ist auch die Wohneigentumsquote weitaus niedriger. Während im Westen mehr als die Hälfte aller Erbschaften eine Immobilie umfasst, trifft dies im Osten nur auf einen von drei Erbfällen zu. Aber: Der Osten holt auf. Denn vor 15 Jahren waren noch vier von fünf Erbfällen immobilienlos. Außer in den neuen Ländern wird auch in Berlin und Bremen weit weniger vererbt als im Bundesdurchschnitt. Spitzenreiter ist Bayern mit 176.000 Euro. Wie stark die Hinterlassenschaften zwischen den Bundesländern variieren, zeigt die Tatsache, dass außer Bayern nur noch Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg über dem Schnitt liegen. Nach Darstellung von Studienleiter Reiner Braun komme in den nächsten zehn Jahren die reichste Erblasser-Generation der Bundesrepublik an die Reihe. Diese „erste echte Nachkriegsgeneration“ unterscheide sich drastisch von ihren Vorgängern und konnte über fünfzig Jahre ungestört von Kriegen und größeren Wirtschaftskatastrophen ihr Vermögen kontinuierlich steigern. Der Anstieg des vererbbaren Vermögens werde aber in Zukunft weitaus weniger rasant ausfallen. Denn die langfristige Entwicklung des Erbvolumens sei unsicher. Einerseits werden potenzielle Erblasser immer älter und nehmen daher das Angesparte länger für sich selbst in Anspruch. Außerdem sind sie weitaus konsumfreudiger als vorhergehende Jahrgänge. Andererseits erhöhe sich durch die steigende Lebenserwartung der finanzielle Aufwand für professionelle Pflege im Alter, was wiederum an der Nachlasshöhe nagt. Die Erbschaften werden daher langfristig eher kleiner. 

Auch die potenziellen Erben werden immer älter. Daher treten sie das Erbe zu einem Zeitpunkt an, wo es für die eigene Lebenssituation verhältnismäßig weniger ins Gewicht fällt: Die eigene Vermögensbildung ist bereits erfolgt und die berufliche Karriere möglicherweise schon abgeschlossen. Das sehen auch viele künftige Erben selbst so. Ebenfalls Anfang September hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zur „Generation Mitte“ vorgestellt. Nur eine Minderheit von 41 Prozent der befragten 30- bis 59-Jährigen rechnet damit, von den hohen Vermögenswerten zu profitieren, die in den nächsten Jahren vererbt werden. Aber immerhin noch jeder Zwanzigste rechnet mit einer Erbschaft von über 300.000 Euro. 

Das Fazit von DIA-Sprecher Klaus Morgenstern: „Erbschaften sind unsicher, ungleich verteilt und für die künftigen Generationen daher kein Grund, auf Altersvorsorge zu verzichten“. Die Erbschaftsstudie des DIA kann unter www.dia-vorsorge.de herunter geladen werden. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge versteht sich als Denkfabrik für den öffentlichen Diskurs über Alterssicherung und Generationengerechtigkeit und wird von verschiedenen Finanzinstituten getragen.