Landfrauen erkunden Friedhof
Das Ziel von rund 20 Landfrauen und „Landmännern“ aus Heide war diesmal kein Café oder Museum, sondern ein Ort, an dem man vielleicht nicht unbedingt einen spannenden Nachmittag vermutet: der Nordfriedhof, früher auch als Zütphen-Friedhof bekannt. Dort gab es eine Menge zu entdecken. Thomas Giesenhagen führte die Gruppe mit viel Wissen und seiner sympathischen Art über die historische Ruhestätte.
Der klassizistisch gestaltete Nordfriedhof wurde bereits 1825 eingeweiht. Bis dahin wurden die Verstorbenen rund um die St.-Jürgen-Kirche auf dem Heider Marktplatz beigesetzt. Doch der Platz wurde knapp und ein neuer Friedhof musste her. Schon bei der Anlage wurde nichts dem Zufall überlassen. Das Herzstück des alten Bereichs bilden zwei Lindenalleen, die in Form eines Kreuzes angelegt wurden.
Die Linde war bewusst gewählt worden, denn sie ist ein symbolträchtiger Baum, der für Liebe, das Weibliche und Gerechtigkeit steht. Auf dem Friedhof bekommt die Frage nach Gerechtigkeit eine besondere Tiefe, schließlich erwartet die Verstorbenen das Gericht Gottes. Die meisten dieser Linden stehen dort tatsächlich seit der Gründung 1825.
Dass diese Bäume heute noch stehen, verdankt man August Vehrs, der nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister in Heide war. Im harten Winter von 1945/46 sollten die Linden nach den Plänen der Engländer als Feuerholz genutzt werden. Vehrs setzte sich dafür ein, eine andere Lösung zu finden, und so kann man sich glücklich schätzen, dass er damals so hartnäckig war.
Besonders beeindruckend ist auch die uralte, knorrige Trauerbuche, die auf dem Grab des Politikers Theodor Gräbel steht. Die Buche ist ein Symbol der Weisheit und ein Zeichen der Beständigkeit, sie gilt auch als Seelenbaum.
Ein markantes Bauwerk des Friedhofs ist der Obelisk, der im Kreuzungsbereich der beiden Lindenalleen steht. Obelisken waren damals ausgesprochen modern und zieren deshalb viele ältere Gräber. Napoleon brachte diese Idee aus Ägypten mit.
Für die Landfrauen war es ein informativer und kurzweiliger Nachmittag. Die Zeit verging wie im Flug, ein Zeichen dafür, wie spannend und fesselnd Thomas Giesenhagen die Geschichte des Friedhofs nähergebracht hat. Am Ende waren sich alle einig: Dieser Ort hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielleicht wären zusätzliche Informationstafeln eine gute Möglichkeit, Besuchern die vielen Besonderheiten dieses historischen Ortes näherzubringen.
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