Unruhige Ostsee
Das Meer der Unruhe – „Die Ostsee als Schlüsselregion im Konflikt mit Russland“ war das Thema des sicherheitspolitischen Abend auf dem ersten Bordabend 2026 der Marinekameradschaft Heide. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden und Stabsbootsmann d. R. Kurt-Ewald Finke gab es einen Kurzvortrag zum Thema „Hybride Kriegsführung, Sabotage und verdeckte Operationen in der Ostsee“ als ersten Impuls für eine lebhafte Diskussion.
Dazu gab der Vorsitzende Finke einen Überblick zur Militärpräsenz in der Ostsee. Eines der Beispiele für die dortigen Anschläge auf Infrastruktur war der Tanker „Eagle S“, der von der finnischen Küstenwache aufgebracht wurde, nachdem dessen Anker über 90 Kilometer über den Meeresgrund geschleift worden war – angeblich unbemerkt. In der Folge wurde die Aufklärung auf See, in der Luft und unter Wasser massiv verstärkt, so dass sich die Reaktionszeit von zuvor 17 Stunden auf unter eine Stunde verkürzte.
An Silvester 2025 wurde ein Telekommunikationskabel zwischen Estland und Finnland beschädigt. Vor wenigen Tagen gab es einen weiteren Vorfall, bei dem ein Datenkabel sabotiert wurde, so Kurt-Ewald Finke. Es soll ein russisches Schiff gewesen sein. Lettische Behörden prüfen nun ein verdächtiges Boot vor Lettland.
Der russische Öltanker "Eventin" liegt seit Anfang 2025 manövrierunfähig vor der Küste Rügens und sorgt für Aufsehen. Deutsche Behörden brachten ihn auf einen sicheren Ankerplatz. Er gehört zur russischen Schattenflotte und stellt mit seinen fast 100.000 Tonnen Rohöl eine potenzielle Umweltgefahr dar. Es sind aber weitere Aktionen zu erwarten.
Einen zweiten Impuls gab es zum Thema „Der Ostseeraum aus dem Blickwinkel der NATO“. Die Geografie mit den zahlreichen Inseln und den verschiedenen Meerbusen hat sich nicht verändert. Im Vergleich der aktuellen Geschehnisse mit denen zu den Zeiten des Kalten Krieges hat sich einiges geändert. Der Warschauer Pakt ist aufgelöst, die Sowjetunion zerfallen und Polen und die baltischen Staaten, Schweden und Finnland sind der NATO beigetreten. Zu Russland gehören von der Ostsee nun nur noch etwa 500 Kilometer Küste vor St. Petersburg und 150 Kilometer vor Kaliningrad, vormals Königsberg.
Der Ostseeraum ist heute nicht nur eine maritime Region, sondern ein Zukunftslabor moderner Konfliktführung, ein Raum, in dem konventionelle und hybride Bedrohung miteinander verschmelzen, und ein Raum, in dem die NATO zeigen muss – und auch zeigt –, dass sie in der Lage ist, diese neuen Herausforderungen zu meistern. Die NATO muss heute hybrid denken, resilient handeln und geschlossen auftreten. Dann bleibt die Ostsee ein sicherer Raum und das Bündnis bleibt lauffähig, so der Stabsbootsmann d. R..
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