Wie eine Fee zu Tränen rührte
Die neue lokale Allianz "Vergissmeinnicht – Freizeiterlebnisse für Menschen mit Demenz" in Dithmarschen hatte Britta Flaig vor Kurzem zu einer Lesung aus ihrem Buch "Mama Berta und das Vergessen" eingeladen. Rund 50 interessierte Gäste erkundeten zuvor mit Urte Meves ihren Meves-Hof und informierten sich über ihr Freizeitangebot für Menschen mit Demenz, um anschließend in der voll besetzten Vierjahreszeitenscheune Britta Flaig zu lauschen.
Sie ist eine ehemalige Grundschullehrerin, die mit Anfang 50 an Alzheimer erkrankte, und eine Powerfrau, die auch mit ihrer Diagnose die Alpen überquerte oder durch Namibia wanderte. An diesem sonnigen Nachmittag im beschaulichen Eddelak erzählte sie jedoch aus dem Nähkästchen, wie es sich anfühlt, so jung an Demenz zu erkranken und plötzlich Wege nicht mehr zu kennen und Erlebnisse und Namen zu vergessen.
Auch ihr Kühlschrank quillt regelmäßig über mit sich stapelnden Möhren durch ihren ständigen (da vergessenen) Einkauf ihres Lieblingsgemüses. "Kaninchen anschaffen" war dazu der Lösungsvorschlag einer ebenfalls an Demenz erkrankten Seniorin aus dem Publikum, der alle zum Schmunzeln brachte. Mit viel Witz, aber auch emotional aufwühlenden Worten las sie aus ihrem Buch vor und erzählte dazu immer wieder Anekdoten aus ihrem Leben.
Spätestens jedoch, als sie preisgab, dass sie als Mutter von vier Kindern plötzlich Angst hatte, ihre Mutterrolle zu verlieren, wischten sich viele Zuhörer die Tränen aus den Augenwinkeln. Denn durch den Einzug der "kleinen Fee Dementia in ihren Kopf" konnten sie selbst und auch ihre Kinder sich nun nicht mehr auf sie als Mutter verlassen.
So offen und ehrlich und gleichzeitig so empathisch hört man selten, wie es sich denn für die an Demenz Erkrankten selbst anfühlt. Und auch ihr Partner gab wertvolle Tipps, wie das gemeinsame Leben mit der Vergesslichkeit gemeistert werden kann. So hilft ihnen beispielsweise ein Whiteboard bei der Erinnerung an Erledigungen oder eine Smartwatch, damit sie gefunden werden kann, falls sie sich verläuft, obwohl sie dachte, den Weg gut zu kennen.
Mit Ergotherapie lernt sie Regelhaftigkeit, zum Beispiel, ihre Handtasche zu beschriften und immer wieder gleich zu packen, sodass eine Routine entsteht. Erinnerungen waren das Kostbarste, was sie besaß. Nun zählt nur noch der Moment, aber, und das betonte sie immer wieder, Alzheimer ist eine Einbahnstraße, doch es liegt an einem selbst, wie man diese ausschmückt.
Offen mit der Krankheit umzugehen, mache für sie und ihre Mitmenschen einiges leichter, und dazu gab sie allen dementen Zuhörern mit auf den Weg: „Heiße die Fee Dementia in deinem Leben willkommen, auch wenn es schwerfällt.“
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